US-Check

Ausgelacht? Wie geht es der US-Sitcom?

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Vier US-Comedy-Neustarts wurden in dieser Saison schon wieder eingestellt. Weitere stehen auf der Kippe. Wo also bleibt der Nachwuchs im Comedybereich? Quotenmeter.de mit einer Bestandsaufnahme.

#Themenwoche US

Seit eineinhalb Monaten läuft die neue TV-Saison in Amerika. Die großen TV-Stationen haben ihre ersten Entscheidungen getroffen und Sendungen verlängert oder gecancelt. Auf die spannendsten Projekte blickt Quotenmeter.de in dieser Woche.
Am Dienstag starten wir mit einer Analyse der US-Sitcoms. Zahlreiche neue Formate sind gefloppt und etablierte Sendungen wie «Two and a Half Men» gehen bald zu Ende. Ebbt der Sitcom-Boom also ab?
Am Mittwoch werfen wir einen Blick auf das neue «Gotham», den Lichtblick in einer Reihe von FOX-Flops.
Am Donnerstag betrachten wir das kleine Network The CW, das sich zwar über den tollen Start von «The Flash» freuen darf, aber mit «Jane the Virgin» auch einen Wackelkandidaten hervorgebracht hat.
Wie sich Kabelserien von Showtime, AMC und FX schlagen (u.a. mit «The Affair» und «The Walking Dead», erfahren Sie am Freitag.
Und am Samstag folgt noch ein Blick auf die drei «NCIS»-Formate von CBS.
Als im Mai die großen Networks ihr Programm für die TV-Saison 2014/2015 vorgestellt hatten, fiel auf Anhieb auf, dass sowohl CBS, NBC als auch FOX die Zahl der Sitcom-Stunden verringert hatten. Das Geschäft mit dem Humor war und ist halt keine einfache Sache. In der zurückliegenden Saison hatte man beispielsweise auf große Namen wie Michael J. Fox oder Robin Williams gesetzt. Doch musste man schnell erkennen, dass Namen alleine keine gute Sitcom machen und so sind «The Michael J. Fox Show» und «The Crazy Ones» recht schnell wieder von der Bildfläche verschwunden. Aber auch Sitcoms wie «Dads», «Back in the Game», «Growing Up Fisher» oder «Trophy Wife» sind längst vergessene Sendungen, dabei liegt deren Ausstrahlung noch gar nicht so lange zurück. Menschen zum Lachen zu bringen und darüber hinaus womöglich noch einen Kultstatus wie «The Big Bang Theory» oder das vor wenigen Monaten beendete «How I Met Your Mother» zu erlangen, ist eben keine einfache Aufgabe. Nichtsdestotrotz versuchen die Sender es auch in diesem Jahr, doch bisher ohne durchschlagenden Erfolg.

Wer füllt in dieser Saison die großen Fußstapfen von «How I Met Your Mother» aus? Kurz vor den Upfronts war man der Meinung, dass diesen Part wohl der Ableger «How I Met Your Dad» übernehmen könnte, doch dieses Vorhaben ist gestorben bevor es überhaupt so richtig begonnen hat. Im Moment jedenfalls sind die Fußstapfen noch unbesetzt. Gerade CBS hat sich auch nicht unbedingt große Mühe gegeben, einen adäquaten Ersatz in diese Richtung zu finden. Einziger Sitcom-Neustart in diesem Herbst war «The McCarthys». Doch schon nach den ersten Episoden zeigt die Serie keinen großen Überlebenswillen mehr, denn die Quoten sind mehr schlecht als recht. Viel eher verlässt sich CBS auf das Flaggschiff unter den Sitcoms. Mit «The Big Bang Theory» holt man nämlich auch in dieser Saison fantastische Quoten, wenngleich sich die Nerds nicht mehr auf der Jagd nach neuen Bestwerten befinden. Nichtsdestotrotz wird dieser leuchtende Stern am Sitcom-Himmel wieder dazu verwendet, seine Leuchtkraft weiterzugeben. Die zweite Staffel von «Mom» ist nämlich zum Nutznießer geworden und erzielt im Anschluss an Sheldon und Co persönliche Reichweitenrekorde. Leiden müssen unterdessen «The Millers», die in dieser Saison ohne diesen Vorlauf auskommen müssen und sich in Richtung Belanglosigkeit bewegen. Im schlimmsten Fall droht sogar das Aus nach der aktuellen zweiten Runde. Darüber hinaus verabschiedet sich der Sender in dieser Saison von «Two and a Half Men». Das Sitcom-Angebot bei CBS könnte im nächsten Jahr also noch etwas ausgedünnter ausfallen als bisher.

Die meisten Sitcoms findet man derweil noch bei ABC. Auch der Sender hat ein Flaggschiff im Programm und das nennt sich «Modern Family». Im Gegensatz zu «The Big Bang Theory» hat im Anschluss an «Modern Family» in den zurückliegenden Jahren allerdings kaum ein Format glänzen können. ABC hatte einfach keine Sendung in der Hinterhand, die das Millionenpublikum der vielfach ausgezeichneten Serie halten konnte. In diesem Jahr hingegen scheint man mit «black-ish» ein Format gefunden zu haben, das diese Aufgabe meistern könnte. Zumindest präsentiert es sich erfolgreicher als «Mixology» oder die «Super Fun Night», die in der zurückliegenden Saison versuchten diesen Platz einzunehmen. Apropos Platz einnehmen, auch für «The Goldbergs» hat ABC in diesem Jahr ein deutlich besseres Umfeld gefunden. Die erste Staffel lief noch im Schlepptau von «Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.» und stand dort kurz vor dem Abschuss. Im Sandwich zwischen der seit Jahren konstanten Comedyserie «The Middle» und «Modern Family» erleben «The Goldbergs» nun einen zweiten Frühling. Auch ein Blick auf den oft als Todesslot beschimpften Freitag lohnt sich. Hier scheint sich der ehemalige «Hör mal wer da hämmert»-Star Tim Allen mit seiner Sitcom «Last Man Standing» immer wohler zu fühlen. Die Serie holt nämlich konstant gute Quoten. Auch der Neustart «Cristela» kommt am Freitagabend auf solide Zuschauerzahlen.

US-Neustarts im Comedybereich

  • «Manhattan Love Story» (abgesetzt)
  • «Selfie» (abgesetzt)
  • «A to Z» (abgesetzt)
  • «Bad Judge» (abgesetzt)
  • «Mulaney» (kurz vor der Absetzung)
  • «black-ish» (bekommt volle Staffel)
  • «Marry Me» (Folgenzahl aufgestockt)
  • «Cristela» (noch keine Zukunftsangaben)
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. ABC hat in dieser Saison versucht, den Dienstagabend mit zwei neuen Sitcoms zu eröffnen. Doch das Vorhaben kann schon jetzt als gescheitert bezeichnet werden. Von den zwei Neustarts ist nämlich nur noch ein Format im Programm. Bei «Manhattan Love Story» hat der Sender bereits den Stecker gezogen und die Serie auf dem Friedhof begraben. Dort hin folgt demnächst auch der zweite Neustart namens «Selfie». Nach dreizehn Episoden verschwindet auch diese Serie von den Bildschirmen, womit die ABC-Sitcom-Schiene am Dienstag als misslungen abgetan werden kann. Ebenso misslungen sind die Sitcom- und Comedy-Programmierungen bei NBC. Am Donnerstagabend versuchte der Sender zwischen Realityshow und Familiendrama zwei Comedyserien zu positionieren und wurde prompt mit schlechten Zuschauerzahlen abgestraft. Sowohl «Bad Judge» als auch «A to Z» werden nach dreizehn Episoden für immer von den Bildschirmen verschwinden.

Weitere Sitcoms sendet NBC am Dienstagabend. Dort sieht es nicht ganz so düster aus wie am Donnerstag, Glanzleistungen sucht man dennoch vergebens. Der Neustart «Marry Me» wurde zwar jüngst um fünf Episoden aufgestockt, doch die Zuschauerzahlen sind nicht wirklich überzeugend. Das wird vor allem dann deutlich, wenn man sich die Quoten von «The Voice» im Vorprogramm und die anschließenden Verluste von «Marry Me» anschaut. Die Comedy «About a Boy» konnte in der vergangenen Saison an dieser Stelle deutlich mehr Zuschauer halten. In dieser Saison läuft die Serie allerdings direkt im Anschluss an «Marry Me» und verbucht dort fast wöchentlich ein neues Tief. Zuletzt sahen weniger als vier Millionen Menschen zu. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sich NBC neben «Bad Judge» und «A to Z» noch von einer weiteren Comedyserie – nämlich «About a Boy» - trennen wird.

Eine Trennung wird demnächst auch bei FOX ins Haus stehen. Dort bereitet der Neustart «Mulaney» am Sonntagabend große Probleme. Zuletzt sahen nur noch 2,01 Millionen Menschen zu - viel zu wenig für die Ansprüche des Senders. Die Absetzung ist zwar noch nicht offiziell, da aber nach dreizehn abgedrehten Episoden die Produktion bereits eingestellt wurde, ist es äußerst unwahrscheinlich das die Dreharbeiten noch einmal aufgenommen werden. Während es «Mulaney» also nicht schaffte sich am Sonntag zu etablieren, beginnt ein anderes Format sich an diesem Tag recht wohl zu fühlen. Die mit dem Golden Globe ausgezeichnete Comedy «Brooklyn Nine-Nine» wechselte vom Dienstag zum Sonntag und läuft dort in dieser Saison im Anschluss an die «Simpsons». Der Wechsel zahlt sich bislang aus, denn die Serie macht am Sonntag eine deutlich bessere Figur als zuletzt am Dienstag. Dem Dienstag treu geblieben ist dafür nach wie vor Zooey Deschanel mit «New Girl». Die Treue wird allerdings nicht belohnt. Die äußerst schwach laufende Realityshow «Utopia» hat «New Girl» zu Beginn der neuen TV-Saison mit in ein Formtief gerissen. Bleibt abzuwarten, ob sich die Serie mit «MasterChef Junior» im Vorprogramm nun noch einmal fangen kann.

Fazit: Große Erfolge sucht man unter den Neustarts im Comedy- und Sitcombereich vergebens. Allenfalls «black-ish» bei ABC macht eine recht passable Figur. Allerdings muss die Frage erlaubt sein, ob das Format auch ohne «Modern Family» im Vorprogramm auf diese Reichweiten kommen würde. Ein würdiger Nachfolger für das in der vergangenen Saison beendete «How I Met Your Mother» ist bislang jedenfalls auf keinem der Sender zu finden. Auch das in dieser Saison zu Ende gehende «Two and a Half Men» wird die Sitcom-Landschaft wohl noch etwas weiter ausdünnen. Wer jetzt aber ein Ende der Sitcom-Ära herbei schwört, ist vielleicht etwas voreilig. Etablierte Formate funktionieren nämlich nach wie vor prima. «The Big Bang Theory» und «Modern Family» sind dabei die derzeit erfolgreichsten Formate bei den großen Networks. Aber auch «The Middle», «2 Broke Girls», «Mom» sowie «Last Man Standing» machen einen grundsoliden Job. Gelacht wird im US-Fernsehen also noch immer, aber eben längst nicht über alles, was man dem Publikum vorsetzt.

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