Die Kino-Kritiker

«Annabelle»

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Nach James Wans Oldschool-Grusler «The Conjuring» liefert sein Kameramann John Leonetti mit «Annabelle» ein Spin-Off des Kassenmagneten. Antje Wessels verrät, ob die Geschichte über eine mordlustige Puppe abgedroschen ist, oder ob das heimtückisch lächelnde Mädchenspielzeug für echte Gänsehaut sorgt.

Filmfacts: «Annabelle»

  • Kinostart: 09. Oktober 2014
  • Genre: Horror
  • FSK: 16
  • Laufzeit: 98 Min.
  • Kamera: James Kniest
  • Musik: Joseph Bishara
  • Buch: Gary Dauberman
  • Regie: John R. Leonetti
  • Darsteller: Ward Horton, Annabelle Wallis, Alfre Woodard, Tony Amendola, Kerry O'Malley, Brian Howe, Eric Ladin
  • OT: Annabelle (USA 2014)
James Wans im vergangenen Jahr an den Kinokassen immens erfolgreicher Gruselschocker «Conjuring – Die Heimsuchung» avancierte 2013 zum Publikums- und Kritikerliebling. Dieses Kunststück gelingt nur den wenigsten Projekten. Wenn sich die Zuschauer dann sogar im Benennen der Highlights einig sind, lässt das selbst gestandene Genrekenner aufhorchen. Im Falle der atmosphärischen Schauermär lag das Hauptaugenmerk weniger auf der in sich abgeschlossenen und nicht zwingend zu einem Sequel einladenden Geschichte, sondern vorzugsweise auf einer unheimlichen Puppe, die zu der Rahmenhandlung selbst zwar wenig beizutragen hatte, als Randfigur jedoch einen unermesslichen Wert besaß. Viel Wirbel wurde um die «Annabelle» getaufte Ausgeburt der Hölle nicht gemacht. Und doch ward ein Spin-Off geboren. Zugegeben eine sehr clevere Lösung, um den «Conjuring»-Kosmos zum Franchise auszubauen, ohne lediglich eine Fortsetzung aus dem Boden zu stampfen. Wan übergab den Regie-Stab an John R. Leonetti, der in «Conjuring» bereits für die visuelle Gestaltung und Kameraarbeit zuständig war und 2006 zuletzt die Fortsetzung zu «The Butterfly Effect» inszenierte. Mit «Annabelle» verhilft der Filmemacher einer neuen Kultfigur zu ihrem längst überfälligen Spielfilm – und wird uns ab Oktober ordentlich das Fürchten lehren.

John (Ward Horton) und Mia (Annabelle Wallis) könnten glücklicher nicht sein. Frisch verheiratet erwartet das Paar eine Tochter; auch das Eigenheim wächst und gedeiht. Doch das Glück der Verliebten wird in den Grundfesten erschüttert, als ein ebenso heimtückischer wie grotesker Mord an den Nachbarn das Leben des Paares für immer verändern wird. Das Haus entwickelt ein dämonisches Eigenleben, was zunächst nur Mia zu bemerken scheint. Als die beiden durch ein Feuer zum Umzug gezwungen werden, kann ihnen dieser Neuanfang nur gut tun. Doch auch im neuen Appartement hört Mia plötzlich Kindergeschrei und die Nachbarschaft scheint ihr feindlich gesinnt. Was hat bloß die gruselige Puppe namens Annabelle mit den Ereignissen zu tun, die seit der Mordnacht nicht mehr von Johns und Mias Seite weichen will?

Schon «Conjuring – Die Heimsuchung» profitierte merklich von dem genauen Auge des Kameramannes John R. Leonetti, der den Streifen auch für erfahrenes Genrepublikum interessant gestaltete. Wenngleich James Wan verstärkt auf Horrorklischees zurückgriff, gelang ihm primär durch die visuelle Aufmachung ein atmosphärischer Schocker, der trotz wenig inhaltlicher Variation zu überraschen wusste. Nun also nimmt der Kamerakünstler und Effektspezialist Leonetti das Regiezepter selbst in die Hand und macht sich seine besondere Sichtweise auf die gängigen Mechanismen eines Horrorfilms zunutze, um ähnlich seines Vorgängers eine ungeheure Spannung und nahezu atemberaubende Gänsehautmomente zu generieren. Wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil Horrormeister James Wan in «Annabelle» als leitender Produzent fungierte, um seinem Stammkameramann, den er selbst als Inszenator des Films vorschlug, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dabei ließ sich Leonetti nicht bloß unterschwellig vom Schauerkino der Sechziger- und Siebzigerjahre inspirieren, sondern zollt einem seiner persönlichen Lieblingsfilme eindrucksvoll Tribut. Roman Polanskis Satansschocker «Rosemary’s Baby» revolutionierte im Jahre 1968 das Horrorgenre, indem das Böse erstmals Einzug in die heimischen vier Wände erhielt. Heute, rund 46 Jahre später, hat das Grauen längst alle Gesellschaftsschichten erreicht. Dennoch gelingt es «Annabelle», eine Idylle zu kreieren, deren liebliche Fassade vor den alles verändernden Ereignissen von solch einer Intensität ist, dass die Fallhöhe zwischen Familienglück und Dämonenheimsuchung größer kaum sein könnte.

Schon bei der Namensgebung der Figuren fängt es an: Die im Film John und Mia getauften Protagonisten erinnern nicht umsonst an Mia Farrow und John Cassavetes, die Hauptakteure des Gruselklassikers «Rosemary’s Baby». Selbst die Frisur von Schauspielerin Annabelle Wallis gleicht der von Mia Farrow – im wahrsten Sinne des Wortes – aufs Haar. Doch nicht nur inszenatorisch, sondern auch inhaltlich spielt «Annabelle» ähnliche Stärken aus wie es schon Roman Polanski tat. Bahnte sich der Teufel einst sukzessive seinen Weg in den Kreis der Familie, respektive das Unterbewusstsein der titelgebenden Rosemary, gelingt es John R. Leonetti auch in «Annabelle» hervorragend, das schleichende Grauen in elegante und damit umso eindringlichere Bilder zu kleiden. Wenngleich Drehbuchautor Gary Dauberman sein Leinwand-Debüt mit dem Paukenschlag eines heimtückischen Mordes beginnen lässt und schon innerhalb der ersten Minuten Blut fließt, konzentriert sich auch „Annabelle“ vornehmlich auf die leisen Töne. Der Regisseur selbst nennt es „eine andere Art von Horror“, den er und sein Lehrmeister James Wan in Filmen wie «Dead Silence», «Insidious» und eben «Conjuring» zelebrieren. Entgegen des Trends zur immer offensiver werdenden Gewalt verlassen sich die Filme des Duos, das seit «Dead Silence» im Jahre 2007 zusammenarbeitet, auf durch Atmosphäre entstehende Gänsehaut. So auch in «Annabelle»: In durchweg dunklen Bildern gehalten, werden Kulissen wie ein verlassenes Haus, eine abgelegene Bücherei oder ein von flackerndem Licht durchfluteter Keller zu Schauplätzen des Grauens. Revolutionär ist das nicht – emotional fordernd dafür umso mehr!

Das große Los hat der Filmemacher dabei vor allem mit seinen Hauptdarstellern gezogen. Die einem breiten Publikum vornehmlich durch die TV-Serie «Die Tudors» bekannt gewordene Annabelle Wallis mimt die gutbürgerliche Hausfrau und Mutter perfekt. Zusammen mit Ward Horton («The Wolf of Wall Street») gelingt ihr die beeindruckend authentische Performance einer nach und nach immer mehr den Verstand verlierenden Frau, die insbesondere in den emotionalen Momenten so glaubhaft leidet, dass solche Szenen direkt Dramakino-Qualitäten annehmen. Gekonnt ergänzt Horton ihr Spiel. Als starke Schulter an der Seite seiner Frau hat der 38-jährige Schauspieler rasch jedwede Sympathien auf seiner Seite. Umso besser für die langsame Art der Spannungssteigerung: Haben sich die Figuren erst einmal ihren Weg in die Herzen der Zuschauer gebahnt, entfalten die Ereignisse in «Annabelle» anschließend eine umso größere Wirkung. Neben soliden Leistungen der Nebendarsteller Alfre Woodard («State of Affairs») als unheimliches Medium sowie TV-Star Tony Amendola («Once Upon A Time – Es war einmal…») als helfendes Kirchenoberhaupt liegt das Hauptaugenmerk vornehmlich auf der Puppe Annabelle, deren reales Vorbild sich heute noch immer auf dem Anwesen des Ehepaars Warren befindet. Diesem frei nachempfunden ist die Puppe Urheber der eindringlichsten Momente im Film; Und das, obwohl sie nicht viel mehr tut, als ab und an ihre Gliedmaßen zu bewegen oder auf einem Schaukelstuhl zu sitzen. Der Puppen-Fanatiker James Wan scheint die Faszination für die Kinderspielzeuge direkt auf seinen Nachfolger übertragen zu haben. Leonetti setzt Annabelle derart schaurig in Szene, dass schon ein Blick auf die im Schrank sitzende Puppe genügt, und gruselige Schatten und der Gänsehaut fordernde Score rücken in Gänze in den Hintergrund. Leider ist letzterer aber auch der größte Wehrmutstropfen des Films: Wenngleich Leonetti nur an ausgewählten Stellen auf Musik zurückgreift, ist diese in den entscheidenden Momenten derart aufdringlich, dass man sich von der düsteren, stets nach dem selben Muster funktionierenden Klangkulisse von Joseph Bishara («Insidious: Chapter 2») regelrecht erschlagen fühlt. Am gruseligsten ist «Annabelle», wenn der Grusel im Stummen passiert.

Fazit: Mit «Annabelle» gelingt es John R. Leonetti, in die großen Fußstapfen des «Conjuring»-Machers James Wan zu treten. Dank liebenswürdiger Darsteller und einem der unheimlichsten Horrorfilm-Requisiten aller Zeiten schafft der Regisseur einen modernen Genrebeitrag mit Anleihen an das klassische Schauerkino, das einmal mehr moderne Filmelemente mit Oldschool-Grusel verbindet. Darüber hinaus wird die Kamera mit ihrem genauen Blick für Details zur dritten Hauptrolle. So elegant ist Horror selten!

«Annabelle» ist ab dem 09. Oktober in den deutschen Kinos zu sehen.

Zum Kinostart von «Annabelle» verlost Quotenmeter.de zwei Filmpakete, bestehend aus je zwei Freikarten, dem Filmplakat sowie einer gruseligen Annabelle-Maske, passend zu Halloween!. Um am Gewinnspiel teilzunehmen, beantwortet einfach folgende Frage und schreibt eine Mail mit dem Betreff "Puppe" und der Lösung an gewinnen@quotenmeter.de und mit ein bisschen Glück genießt Ihr «Annabelle» bald for free!

Wie heißt der Horrorfilm, zu dem «Annabelle» ein Spin-Off darstellt?

Tipp: Der Titel findet sich auch in der obigen Filmkritik.
Teilnahmeschluss ist am 19. Oktober 2014 um 23:59 Uhr. Viel Glück!

Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen findet ihr unter http://tinyurl.com/QuotenmeterGewinn.

Kurz-URL: qmde.de/73547
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