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Was, wenn der heiß ersehnte Hit zum Rohrkrepierer wird?

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Was hat man «Rising Star» im Vorfeld nicht umjubelt. Jetzt musste RTL zwei Wochen zu früh die Reißleine ziehen. Ein ähnliches Schicksal könnte «Utopia» schon nach wenigen Wochen in Amerika drohen – und das dürfte Sat.1 Magenschmerzen bereiten.

Die Einschaltquoten zu «Rising Star»

  1. Folge 1: 1,39 Mio. Z. / 14,2% MA
  2. Folge 2: 1,09 Mio. Z. / 12,6% MA
  3. Folge 3: 0,98 Mio. Z. / 10,5% MA
  4. Folge 4: 0,98 Mio. Z. / 11,6% MA
  5. Folge 5: 1,08 Mio. Z. / 10,0% MA
  6. Folge 6 : 0,58 Mio. Z. / 5,9% MA (Hot-Seat-Show)
  7. Folge: 0,83 Mio. Z. / 9,7% MA (Finale)
Zuschauer bezogen auf die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen
Zuschauerzahlen versechsfacht, Marktanteile um die 50 Prozent – da greifen Programmmacher gerne einmal zu, wenn Programmverkäufer ihre neuesten Projekte mit anschaulichen Diagrammen verkaufen, vor allem wenn jene Anbieter noch einen guten Namen haben. Namen wie John de Mol oder der Chef der israelischen TV-Produktionsfirma Keshet, Avi Nir. Was aber passiert, wenn die gefeierten TV-Sterne schneller verglühen als mancher Programmmacher schauen kann? In dieser Saison droht dieses Schicksal gleich zwei Formaten, die zu Beginn umjubelt wurden wie wenig andere: Die Casting-Show «Rising Star», die in Israel beim Finale auf rund 60 Prozent Marktanteil kam, lockte schon in Amerika kaum jemand hinter dem Ofen hervor. Im Sommerprogramm bei ABC versammelten zahlreiche Shows nur gut drei Millionen Amerikaner vor den Fernsehgeräten. Das Finale kam auf etwas mehr als 3,5 Millionen Zuschauer.

Die israelische Hitshow ließ sich also nicht auf einen anderen Markt adaptieren, wie auch die deutsche Version zeigte, die Ende August bei RTL ihre Premiere feierte und doch deutliche konzeptuelle Schwächen aufwies. Nach gerade einmal noch etwas mehr als einer Million Zuschauern am vergangenen Samstag, lief am Donnerstag nun das knapp vierstündige Finale. «Rising Star» geht als einer der größten und teuersten Flops der jüngeren RTL-Geschichte ein. Auf Fehlersuche muss RTL-Boss Frank Hoffmann sowohl bei der Produktionsfirma Norddeich TV als auch beim israelischen Original gehen. Nicht vergessen werden darf, dass der israelische Markt mit drei nennenswerten TV-Sendern deutlich kleiner und im Bereich der Castings nicht annähernd so gesättigt ist wie hierzulande. «Pop Idol», das «DSDS»-Vorbild, lief dort nie. Erst mit «The Voice» startete der Trend dort. «The Voice»-Schöpfer John de Mol berichtete schon im Frühsommer von eklatanten Schwächen im Konzept der Show, die gerade die Phase nach den ersten Shows betreffen.

Die erste „Hot Seat“-Show, in der die Sänger wieder von der großen Wand getrennt waren, brachte in Deutschland dann auch die große Zuschauerflucht. Hinzu kommen eher schwache Juroren in der deutschen Variante, die dann ihre Meinung abgeben, wenn der via App abstimmende Zuschauer seine Wahl längst getroffen hat. Dem Format «Rising Star» dürfte außerhalb seines ursprünglichen Territoriums somit keine allzu lange Lebenszeit vergönnt sein. Der britische Sender ITV jedenfalls ist von seinen Plänen abgerückt, «Rising Star» ins Programm aufzunehmen.

US-«Utopia»: Dampf auf dem Kessel


Das trifft möglicherweise auch auf das heißeste Projekt von John de Mol zu. Im Januar 2014 startete er beim kleinen niederländischen Kanal SBS 6 den «Big Brother»-Nachfolger «Utopia» und landete damit im Reality-verrückten Niederlande einen echten Knaller. Dort ist die Sendung, die eigentlich ein Jahr lang laufen sollte, des Erfolgs wegen auf zunächst unbestimmte Zeit verlängert worden. In den Vereinigten Staaten von Amerika, dem zweiten Land, in dem das Experiment der Gründung einer eigenen Gesellschaft gestartet ist, flog FOX damit gewaltig auf die Nase. Nach schon schwachem Start halbierten sich die Reichweiten schnell – am vergangenen Wochenende kam die Show auf weniger als zwei Millionen Zuschauer. Am Dienstag nun stieg das Interesse immerhin wieder auf zweieinhalb Millionen Amerikaner an, mehr als drei Prozent bei den Jungen waren trotzdem nicht zu holen.

Für FOX könnte sich das Format schnell zu einem Grab von geschätzt weit mehr als 50 Millionen Euro entwickeln; angelegt ist die Sendung nämlich auch dort für ein ganzes Jahr. Bei der US-Adaption ist John de Mol, wie er es schon im Frühjahr ankündigte, sehr auf die vermeintlichen Ansprüche und Wünsche der US-Bürger eingegangen. Am US-«Utopia», das ganz offenbar auf schnelle Schlagzeilen aus ist, nimmt unter anderem eine Schwangere teil, die im Dezember entbinden wird – und auch sonst hat man bei der Cast-Auswahl auf Extreme geachtet. Schon nach wenigen Tagen knallte es unter den Teilnehmern so heftig, dass der Live-Stream die entsprechenden Bilder nicht zeigte und die Situation nur zu hören war. Das ganze Projekt steht also gewaltig unter Druck; und nicht nur wegen der wirklich kritischen Zuschauerzahlen.

Die eigentliche TV-Sendung ist angesichts der Massen an Material, das spannend ist, deutlich hinterher – geplant sind von «Utopia» nämlich nur zwei einstündige Shows pro Woche. Dass «Utopia» bei FOX nun dermaßen daniederliegt, dürfte Sat.1 beunruhigen. In Unterföhring schaut man sich die US-Sendungen in diesen Tagen ganz genau an und versucht Fehler in der Konzeption zu finden.

Wohl ab März 2015 wird in Brandenburg dann ein deutsches «Utopia» entstehen, das bereits jetzt für die TV-Ausstrahlung vorbereitet wird und für den Bällchensender gäbe es wohl wenig Schlimmeres als nach Jahren der Vorabend-Ratlosigkeit nun auf ein lahmendes, aber äußerst teures, Pferd gesetzt zu haben. Der US-Flop der Reality-Show könnte aber auch eine Chance sein. Er könnte zeigen, wie man eine Adaption nicht produziert. Das gilt aber nur dann, wenn die Macher eben die richtigen Schlüsse ziehen und ein gutes Gefühl für die Ansprüche des deutschen Marktes haben. «Rising Star» jedenfalls hat gezeigt, dass die Amerikaner manchmal eben doch einen guten Riecher haben.

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