Hingeschaut

«Offline»: Palinas Chaostrip durch London

von

In «Offline» reist Palina ohne Geld und ohne Smartphone um den Globus, um ihre eigene Version von Jokos und Klaas' «Duell um die Welt» zu filmen.

Infos zu Palina Rojinski

  • 29 Jahre, in der UdSSR geboren
  • zweimal deutsche Junioren-Meisterin in rhythmischer Sportgymnastik
  • studierte Literatur und Geschichte in Berlin
  • wirkte in einigen Musikvideos mit
  • war Moderatorin bei VIVA und ZDFneo, inzwischen fest an ProSieben gebunden
Da ist also die nächste Reise-Dokusoap mit Humor. Nach dem kultigen «Pastewka in …», dem Geheimtipp «Elton reist», dem Quotenflop «Detlef muss reisen» und vereinzelten ähnlichen Formaten steht nun «Offline - Palina World Wide Weg» an. Wie die bereits genannten Beispiele mischt auch diese Produktion aus dem Hause Florida TV den Versuch, lokales Flair mit Chaos zu vermengen. Dabei geht Palinas jüngste ProSieben-Sendung einen ähnlichen Weg wie der VOX-Misserfolg «Detlef muss reisen» und schickt seine Protagonistin ohne Handy und ohne Geld ins Ausland. Während aber Reisemuffel Detlef ein Zwangsprogramm vorgesetzt bekam, denkt sich die quirlige Palina für ihre Reiseziele selber eine zu erfüllende Mission aus.

Die Premierenfolge führt den Rotschopf nach London, wo sie es sich zum Ziel setzt, innerhalb von 48 Stunden Mode- und Punkikone Vivienne Westwood zu treffen. Diese Mission bildet den roten Faden der Episode, der Palina zu den einzelnen Stationen ihrer Reise führt. Gleichzeitig lenkt diese Aufgabenstellung vom titelgebenden Konzept ab und etabliert einen zweiten Grundgedanken innerhalb dieser Sendung: «Offline - Palina World Wide Weg» verfolgt weniger die Idee „Palina macht ohne Smartphone und ohne Geld einen Städteurlaub und das Kamerateam zeigt, was ihr so passiert“, sondern nutzt den „Offline und pleite“-Aspekt eher, um eine Ansammlung von Situationen in Gang zu setzen, die so ähnlich auch bei «Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt» vorkommen könnten. So spielt Palina Kellnerin bei der erotischen Pyjama-Party eines Dandys und tanzt im Fatsuit auf der Bühne einer LGBT-Fete, um Hinweise auf den Aufenthaltsort ihres Idols zu erhalten.

Die Wege, wie Palina an diese Hinweise gelangt, wirken allerdings sehr konstruiert. So wird die 29-Jährige kurz nach ihrem Auftritt im Cindy-aus-Marzahn-Gedächtnislook von einer Modejournalistin angesprochen, die sie ohne weitere Umstände zu einer Kunstausstellung einlädt, wo sie weitere Infos über Westwood erhalten soll. Später setzt sich Palina nach einem Abstecher auf ein Urban-Food-Festival neben eine laut und schnell telefonierende Frau, vermeintlich ausschließlich, um vorzuführen, wie wichtig den meisten Menschen ihr Smartphone ist. Und rein zufällig handelt es sich bei dieser Frau um eine Rapperin, die Westwoods Privatadresse kennt.

Sollte Palina wirklich einige ungeheuerlich glückliche Zufälle erlebt haben, so ist dies beim Schnitt des in London gefilmten Materials verloren gegangen. Diese Momente verlaufen in der Sendung zu glatt und stringent, um authentisch zu wirken. Geskriptete Stationen wären auf Palinas Reise ja kein Tabu, würde «Offline» ehrlich damit umgehen. So könnte Palina als Belohnung immer einen Hinweis erhalten, wenn sie eine Aufgabe erfolgreich überwältigt. In der Pilotfolge fällt «Offline» aber zwischen zwei Stühlen: Einerseits geht die Dokusoap ehrlich damit um, dass Palina von einem Drehteam begleitet wird, wodurch es Palina leichter hat, sich ohne Geld in London zurechtzufinden. Passanten lassen sich leichter überreden, sie gratis mitzunehmen oder ihr Goodie-Bags abzukaufen, und für eine Kunstausstellung, die Palina besuchen will, braucht es keine Eintrittskarte, da sie behaupten kann, fürs deutsche Fernsehen den Auftritt einer Künstlerin filmen zu müssen. Doch je ehrlicher «Offline» in einem Moment mit seiner Künstlichkeit umgeht, umso hölzerner wirken jene Momente, in denen geskriptete Einlagen als echt verkauft werden. Erst recht, da die Sendung ja ihre eigenen Regeln schreibt und daher offen damit umgehen könnte, dass die Redaktion Palinas Reise aktiv vorantreibt.

Dessen ungeachtet hat «Offline» ausreichend Unterhaltungspotential aufzuweisen, um diesem Soloausflug Palinas solide Quoten und somit noch einige weitere Folgen zu gönnen. Palinas komödiantisches Talent dürfte vielen Zuschauern schon von ihren Auftritten bei «Circus HalliGalli» und Co. bekannt sein und in «Offline» bekommt sie großen Raum geboten, ihren Witz aus ihren typischen Einspielern in Joko-und-Klaas-Sendungen in voller Breite auszuspielen. Und zumindest im Falle der London-Ausgabe stimmen auch Tempo und Frequenz des Chaos: Palina hatte genügend vergnüglichen Irrsinn zu überstehen, um die Sendezeit auszufüllen, gleichzeitig gab es genügend Verschnaufpausen, um nicht zu ermüden. Ausgabe zwei darf halt einfach nur ehrlicher mit ihren redaktionellen Einflüssen umgehen.

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