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Reinhold Elschot: ‚ZDF-Fiktion steht in ihrer Blüte‘

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Der Hauptredaktionsleiter Fernsehspiel des Zweiten darf sich selbst auf die Schulter klopfen: Starke Quoten für «Die letzte Instanz», neue Rekorde für den «Bergdoktor». Doch der Verlust von «Stubbe» wiegt schwer. Jetzt sollen erst mal vier neue Krimireihen kommen.

Zur Person: Reinhold Elschot

Einst gründete er die Produktionsfirma Network Movie mit Sitz in Köln. Diese produziert(e) unter anderem «Nachtschicht», «Entführt» oder «Stolberg» für das Zweite. 2009 wechselte Elschot dann an den Lerchenberg, ist aktuell Hauptredaktionsleiter der Fernsehspiel-Redaktion und zudem auch stellvertretender Programmdirektor des öffentlich-rechtlichen Senders.
Herr Elschot, Gratulation zur vergangenen Woche: Das quotenstarke «Stubbe»-Finale, der erfolgreiche Montagsfilm «Die letzte Instanz» mit Jan-Josef Liefers, neue Reichweitenrekorde für «Marie Brand» und «Der Bergdoktor». Da müssen die Sektkorken knallen – dürften Sie im Moment noch Autofahren?
(lacht) Ich faste gerade, trinke also auch keinen Alkohol, aber das ist ein anderes Thema. Der Erfolg freut uns natürlich sehr, weil wir ihn als Konsequenz eines guten Programms sehen. «Die letzte Instanz» war zum Beispiel der erfolgreichste "Fernsehfilm der Woche" seit 1997 - da musste ich selbst ins Archiv steigen um nachzuforschen. Die ständig steigenden Quoten des «Bergdoktors» freuen uns sehr – sie sind ein Beweis dafür, wie beliebt durcherzähltes Fernsehen sein kann. Und dass wir «Stubbe» verlieren, schmerzt natürlich – aber Wolfgang Stumph wird bei uns schon bald an anderer Stelle zu sehen sein.

Wie gefragt ist die Fiktion des ZDF im Jahr 2014? Irgendwie ist zur Zeit vor allem der «Tatort» im Ersten in aller Munde…
Die ARD wird um den «Tatort» in der Tat viel beneidet. Dass da manchmal mehr als zehn Millionen Menschen zuschauen, ist der Qualität der Filme, aber auch einer konsequenten Programmierung geschuldet. Manchmal denke ich ja, die ARD würde am liebsten die Zahl der jährlichen Sonntage erhöhen, und das verstehe ich gut. Man muss sich dabei daran erinnern, dass es dem «Tatort» nicht immer so gut ging - es gab eine Zeit, in der man offenbar darüber nachdachte, zumindest deutlich weniger zu machen. Jetzt ist die Reihe so gefragt, dass die sehr starken Filme sogar die mitunter mal etwas schwächeren mitziehen. Das ist sehr klug gemacht, und ich kann vor den ARD-Kollegen nur den Hut ziehen. Die ZDF-Fiktion steht, wie die Zuschauer-Zahlen, aber auch die Kritiken und die Auszeichnungen für unsere Filme - vom International Emmy bis zum gerade vergebenen Bayrischen Filmpreis - zeigen, in ihrer Blüte. Mit unseren Filmen wollen wir immer wieder zeigen, wie man mit guter Qualität viele Zuschauer erreicht. Vom Frühjahr an wollen wir nun unseren "Samstagskrimi" stärken: für zunächst drei Monate werden wir die Samstagskrimis konsequenter programmieren, der "Samstagskrimi" soll seinem Namen gerecht werden.

Da kommen dann auch neue Formate hinzu.
Richtig, wir machen da eine Haddock-Programmierung. Wir starten mit «Wilsberg», zeigen dann ein neues Format, dann wieder ein schon länger Bekanntes…

Vier neue Reihen sollen kommen. Eine davon ist «Helen Dorn», die Sie vergangene Woche in Hamburg vorgestellt haben.
Anna Loos spielt darin eine LKA-Kommissarin in Düsseldorf, die aber in ganz NRW ermitteln wird. Mit der Reihe setzen Regisseur Matti Geschonneck und Autor Magnus Vattrodt ihre schon mehrfach preisgekrönte Zusammenarbeit fort – im ersten Film geht es um einen Frauenmord, der an einen Fall aus der Vergangenheit erinnert. Nach diesem hatte Helen Dorn eigentlich den Dienst verlassen, weil es eine Uneinigkeit mit ihrem Chef gab, nun wird sie zurückgeholt. Das Format besticht durch seine erzählerische Intensität und seine Schauspieler. Matti Geschonneck hat zwei Filme gedreht, den zweiten zeigen wir dann im Herbst.

Und die weiteren Reihen?
Unser «München Mord» war der Renner bei der Münchner Filmwoche im vergangenen Jahr. Das ist ein starker Kriminalfilm mit komödiantischen Elementen, mit Alexander Held, Bernadette Heerwagen und Markus Mittermeier. Die Figur von Alexander Held wird degradiert und muss sich künftig um alte Fälle kümmern, um die die restlichen Kollegen einen Bogen machen. Der geschätzte Urs Egger führt dabei Regie. Die Reihe ist für mich eine so schwierige wie gelungene Gratwanderung zwischen einem Fall, den wir sehr ernst nehmen, und bayrischem Humor. Dann machen wir mit «Kommissarin Heller» ein neues Projekt mit Lisa Wagner - die Zuschauer werden sich gewiss an den Münchner «Tatort» erinnern, in dem sie als Anwältin wahrlich brilliert hat. Die Heller ist eine sehr eigene Figur, die ein gutes Gespür für Dinge besitzt, ungewöhnliche Zugänge zu den Menschen findet - gelegentlich aber lieber mit den Fischen in ihrem Aquarium als mit Menschen redet. Diese Reihe basiert auf den Romanen von Silvia Roth, und Christiane Balthasar hat sie exzellent umgesetzt.

Und die vierte Reihe?
Das ist «Friesland – Mörderische Gezeiten» von den Machern von «Wilsberg», also Eyeworks. Florian Lukas und Sophie Dal sind unsere Ermittler. Sie spielen ein ungleiches Paar – deutsch-türkische Streifenpolizisten. Das wird mit viel Humor erzählt.

Das klingt so ein bisschen nach den «Heiter bis tödlich»-Formaten im Ersten. Wie wichtig sind denn unkonventionelle und auch neue Ideen?
Wir verlangen und brauchen Qualität – das ist das höchste Kriterium. Jeder Film muss von hoher Qualität sein, und zugleich müssen wir uns immer wieder neu erfinden. Dabei liegt der Reiz natürlich in der Variation des ewigen Themas Kriminalfilm. Wir wissen ja, dass Krimi nicht gleich Krimi ist: der Kriminalfilm kann Gesellschaftsdrama sein.
Reinhold Elschot, Hauptredaktionsleiter Fernsehspiel und stv. Programmdirektor des ZDF
Das hat mit «Heiter bis tödlich» nichts zu tun. Sie werden «Friesland» ja schon bald sehen können: das ist ein gut gemachter, sehr besonderer Primetime-Fernsehfilm. Aber zu Ihrer Frage: Wir verlangen und brauchen Qualität – das ist das höchste Kriterium. Jeder Film muss von hoher Qualität sein, und zugleich müssen wir uns immer wieder neu erfinden. Dabei liegt der Reiz natürlich in der Variation des ewigen Themas Kriminalfilm. Wir wissen ja, dass Krimi nicht gleich Krimi ist: der Kriminalfilm kann Gesellschaftsdrama sein. Menschengeschichte, Komödie, das Spektrum ist weit. Wir wollen und müssen die Menschen jeweils von neuem mit Besonderheit und Qualität überzeugen. Gerade die Deutschen sind da sehr kritisch, weil sie gerne und viel Krimis schauen. Das ist für uns Macher eine große Herausforderung. Wir beginnen jetzt erst einmal mit diesen vier neuen Reihen - ich kenne neben den Pilotfilmen schon die jeweils zweiten Filme, und ich kann unseren Zuschauern versprechen, dass da richtig gute Filme auf sie zukommen. Und mein Kollege Günther van Endert, der bei uns im Fernsehspiel die Samstagskrimis koordiniert, arbeitet schon an weiteren Projekten.

Bitte mehr dazu…
Wir denken noch an einen Familienkrimi in München, in dem wirklich die ganze Familie an einem Fall arbeitet. Vom Großvater, der schon pensioniert ist, bis zur Enkeltochter. Wir möchten auch in Dresden eine Reihe verorten – vielleicht mit einer Mutter/Tochter-Konstellation. Ideen gibt es viele.

Und wie schwer wiegt dann der Verlust von «Stubbe»?
Natürlich wiegt der schwer. Wir haben auch alles versucht, Wolfgang Stumph zum Weitermachen zu überzeugen. Wir werden jetzt andere Projekte mit diesem großen Schauspieler realisieren, die Dreharbeiten zu einem ersten Film starten bereits in diesem Frühjahr. Und vielleicht taucht er ja doch nochmal plötzlich als pensionierter Kommissar in unserem Programm auf - ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Hat «Marie Brand», vergangene Woche mit fast sieben Millionen Zuschauern, das Zeug in die Fußstapfen von «Stubbe» zu treten?
«Marie Brand» ist aktuell kein Samstags-Krimi, allerdings denken wir in der Tat darüber nach, einen Fall im Herbst am Samstag zu zeigen. Das ist eine sehr attraktive Reihe, mit der unvergleichlichen Mariele Millowitsch, der ich auch persönlich sehr gerne zuschaue. Mariele hat das Zeug für vieles, und mit «Marie Brand» geht sie ihren eigenen Weg. Über "Fußstapfen" ist sie längst hinweg. Außerdem war «Stubbe» ein einzigartiges Format, und da wäre es für mich auch in Ordnung, wenn sich die Fußstapfen eine Zeit lang nicht füllen ließen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Elschot.

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