Die Kritiker

«Hafen der Düfte»

von

Exotische, toll inszenierte Kulisse und monotones Spiel: Veronica Ferres besucht den «Hafen der Düfte».

Inhalt


Hinter den Kulissen

  • Regie: Peter Gersina
  • Drehbuch: Philip LaZebnik (basierend auf dem Roman von Harold Nebenzal)
  • Musik: Dirk Leupolz
  • Kamera: Jan Fehse
  • Schnitt: Knut Hake
  • Kostüme: Esther Walz
Die frühere britische Kronkolonie Hongkong feiert, seit nunmehr 15 Jahren wieder Teil der chinesischen Volksrepublik zu sein. Dieses Jubiläum soll dazu genutzt werden, der Weltöffentlichkeit die aufgeschlossene, tolerante Seite Hongkongs vorzuführen. Aufgrund dessen soll die Kurautorin Victoria Philips eine prestigeträchtige Ausstellung in die Wege leiten: Erstmals soll die zahlreiche wertvolle, prächtige Kunstschätze umfassende Haiman-Sammlung öffentlich präsentiert werden. Doch die Planung einer solchen Ausstellung ist selbst für eine versierte Kurautorin wie Victoria schwer zu bewerkstelligen. Kurz nach der Ankunft der Exponate glaubt die Berliner Kunstexpertin dann in einem reinen Albtraum gelandet zu sein: Sämtliche Kunstgegenstände wurden gestohlen. Auch Victorias Mann Peter, ebenfalls in der Umsetzung solcher Ausstellungen erfahren, ist ratlos.

Schließlich nehmen sich die Verantwortlichen hinter dem Kunst-Event vor, wertvollen Ersatz zu beschaffen. Hilfe erlangen sie durch den undurchschaubaren, prominenten Nachtklubbesitzer Edward Lim, der sich auf dem Schwarzmarkt auskennt und einige der verschollenen Gegenstände wieder ausfindig macht ...

Darsteller


Veronica Ferres («Eine ungehorsame Frau») als Victoria Philips
Russell Wong («Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers») als Edward Lim
Herbert Knaup («Das kleine Gespenst») als Peter Philips
Matthew Marsh («Hidden») als Kommissar Braddock
Courtney Wu («Infernal Affairs 3») als Mr. Kwok
Craig Fong («Verloren auf Borneo») als Andy Chow
Bernie Chan («Emmas Chatroom») als Lily Sun
Annamaria Ahrens als Marie Philips

Kritik


Nicht mehr lange, dann erfüllen die Weihnachtshighlights das Programm der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Zuvor holt Das Erste mit «Hafen der Düfte» jedoch nochmal einen Film heraus, der nach allen Regeln der Degeto-Kunst kreiert worden scheint. Umso wunderlicher, dass diese Thrillerromanze vor exotischer Kulisse nicht von den Spezialisten trivialer TV-Eskapismuskost stammt, sondern aus den Häusern Ufa Fiction und Construction (Ferres' eigener Produktionsfirma).

Lose basierend auf einem Roman von Harold Nebenzals, der 1995 den Raub eines einmaligen Kunstschatzes als Aufhänger für eine Evaluierung der Identität Hongkongs nutzt, zeigt dieser Fernsehfilm eine klischeebeladene „Liebesgeschichte in fernen Landen“. Die Hauptrolle darin übernimmt Veronica Ferres, die Grande Dame, die längst zum Daueropfer der Häme zahlreicher Comedians wurde. Ihr Engagement in «Hafen der Düfte» wird daran wohl kaum etwas ändern: Mit schlafwandlerischem Blick und kurzatmiger Selbstsynchronisation holpert und stolpert die Actrice durch die Szenerie, ohne ihrer Rolle auch nur einen Funken Glaubwürdigkeit oder Persönlichkeit zu verleihen.

Doch mit der leblosen Performance der Protagonisten gerät bereits die restliche Filmkonstruktion ins Wanken: Anders als in der Romanvorlage dient der Kunstraubplot in diesem Fernsehfilm nur als Vorwand, um die Kurautorin Victoria dazu zu bringen, mit dem redegewandten, stilvollen Lebemann Edward Lim durch seine Heimat Hongkong zu ziehen. Der galante Mann will die verheiratete Kunstexpertin um den Finger wickeln, allerdings bleibt diese so lange standhaft, bis sie sieht, wie sich ihr Mann in einem von Edwards Nachtklubs vergnügt. Was auf dem Papier ein emotionaler Wendepunkt sein könnte, sowie die Grundlage für ein spannendes Psychogramm einer Frau, die sich aus Rachemotiven den Umwerbungen eines nahezu wildfremden Manns hingibt, gerät in dieser TV-Produktion denkbar flach: Kurz erblicken Victoria und der Fernsehzuschauer, wie der vermeintliche Göttergatte einer Tabledancerin zuschaut – wenige Sekunden voller dramatischer Betroffenheitsmusik, und finsteren Blicken später gerät Victoria ins Wanken. Daraufhin lässt sich kurz der Kunstraubplot blicken – aber bloß, um die weitere Entwicklung des Flirts zwischen Edward und Victoria hinauszuzögern und künstlich Spannung zu erzeugen.

Dabei ist «Hafen der Düfte» inszenatorisch einwandfrei: «Danni Lowinski»-Regisseur Peter Gersina beweist in Hongkong ein Auge für atmosphärische Bilder, erweckt mit bewusstem Einsatz von Schatten und Neonlichtern sowie lebhaften Kameraeinstellungen von Kameramann Jan Fehse ein reizvolles Bild Hongkongs zum Leben. Doch da sich der Löwenanteil dieses Hongkong-Ausflugs um Ferres hier nicht vorhandenes Schauspiel dreht, ist diese visuelle Pracht nur ein sehr schwacher Trost.

«Hafen der Düfte» ist am 7. Dezember 2013 um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/67770
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