Popcorn & Rollenwechsel

Loki – und andere zweischneidige Schwerter

von

Marvel genießt das Vertrauen der Kinogänger. Doch das Studio sollte gegen seine Luxusposition ankämpfen!


Diese Kolumne enthält Spoiler für «Thor – The Dark Kingdom»!

Marvel kann sich wahrlich nicht beklagen. «Iron Man 3» nahm diesen Kinosommer weltweit mehr als eine Milliarde Dollar ein und der neue «Thor»-Film startete in den USA mit mehr als 86 Millionen Dollar, womit er einer der größten Hits des Jahres ist. Aber eine blühende Gegenwart muss nicht immer eine strahlende Zukunft bedeuten. Marvel Studios steht vor einigen Entscheidungen, die große Auswirkungen auf dieses Film- und Fernseh-Imperium haben könnten. Denn einige der Stärken Marvels haben das Zeug dazu, über Zeit zu Hindernissen zu werden.

Da wäre etwa Tom Hiddlestons Loki: Der listige Gott ist ein absoluter Fan-Liebling, weshalb seine Rolle in «Thor – The Dark Kingdom» dank einiger Nachdrehs gegenüber dem ursprünglichen Skript ausgebaut wurde. Die Fangirls finden ihn sexy, beim Gesamtpublikum kommen sein Witz und Hiddlestons Charisma enorm an. Zudem hat Lokis Dynamik mit seinem Adoptivbruder Thor das Potential, auch dramatischere Szenen zu tragen – es ist verführerisch, Loki immer wieder in Marvel-Filmen zu verwenden. Doch es wäre fatal, eine derart beliebte Figur zu überreizen. Loki ist als Meister von Lug und Trug zwar cool, jedoch kann er nicht unendlich viele Filme tragen. «Thor – The Dark Kingdom» deutet an, einen Ausweg zu finden, ehe Loki ausgelutscht ist – aber dann kommt erneut ein „Er ist doch nicht tot!“-Twist. Nochmal sollte sich Marvel dies nicht erlauben, ehe es jegliche Wirkung verliert.

Generell baut sich Marvel so etwas wie eine filmische Wohlfühlgarantie auf. Wer ein Ticket für einen Marvel-Film löst, erlebt Spannung, vor allem aber auch Spaß und Spektakel. Dieses Image sorgt für blindes Vertrauen beim Publikum, sollte allerdings alsbald gebrochen werden, ehe es Marvel Studios völlig eingrenzt. Noch könnte ein etwas dramatischerer Marvel-Film vom Publikum akzeptiert werden – wenn das Unternehmen zu lange wartet, steht zu befürchten, dass der Hauch Abwechslung von Kinogängern als Verrat angesehen wird. Dabei hat das Marvel-Archiv allerlei grimme Figuren und Storylines übrig, die sich enorm fürs Kino eignen. Nicht aber zwangsweise für große Blockbuster. Was ein weiteres Problem darstellt: Marvel steht im Kino für große Popcorn-Unterhaltung. Das ist verlässlich, lockt Leute an, die aufwändiges Entertainment suchen. Aber es wird Zeit, dass die Marvel Studios auch selber einen kleineren, raueren Film produzieren, um den Weg für mehr Vielfalt zu ebnen.

Und dann ist schließlich die Frage mit dem alle Produktionen einenden Universum. Dass Marvels Eigenproduktionen in Film und Fernsehen einer Kontinuität folgen, ist ein geniales Alleinstellungsmerkmal und macht süchtig. Wer «Iron Man 3» gesehen hat, ist daher noch eher geneigt, den nächsten Film von Captain America zu verfolgen. Aber wenn die sieben angekündigten Marvel-Serien bei Netflix und Co. dazustoßen, wird es langsam unübersichtlich. Kann Marvel die Kontinuität und innere Logik des Universums bewahren? Und ist es möglich, solch ein Netz an Filmen und Serien zu spinnen, ohne Gelegenheitszuschauern den Eindruck zu vermitteln, sie hätten zu viel verpasst, als dass sie sich nun sorglos etwa «The Avengers 3» ansehen könnten?

Wir dürfen gespannt sein. 2014 kehrt Captain America auf die Leinwand zurück, in einem Film, der tonal und stilistisch fern ab seines ersten Films liegt. Und danach sorgt James Gunn mit «Guardians of the Galaxy» für schrill-absurden Space-Spaß, der sich in allerlei Belangen (wie schon die erste Abspannszene von «Thor – The Dark Kingdom» zeigt) enorm vom bisherigen Marvel-Universum distanziert. Wenn das alles beim Kinopublikum ankommt, dann hat Marvel die Zuschauer wirklich in der Hand.

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