Die Kritiker

«Wer hat Angst vorm weißen Mann?»

von

«Wer hat Angst vorm weißen Mann» ist eine sehr überzeugende Komödie mit ernstem Hintergrund.

Hinter den Kulissen:

Produktion: die film gmbh
Drehbuch: Dominique Lorenz
Regie: Wolfgang Murnberger
Kamera: Peter von Haller
Producerin: Anja Föringer
Inhalt:
Franz Rissmeyer wird von seiner Tochter Zita nach einem Schlaganfall und dessen Behandlung wieder aus dem Krankenhaus geholt. Allerdings ist der urbayerische Metzger, der nach dem Tod seiner Frau Herta noch missmutiger geworden ist, körperlich nun stark eingeschränkt und kann seine geliebte Metzgerei nicht mehr selbstständig weiter führen. Seiner Tochter Zita werden die Arbeit in der Metzgerei und die finanziellen Probleme des Geschäfts jedoch auch zu viel und sie möchte ein erweitertes Bistro aus dem Geschäft machen. Der sture und starrsinnige Franz ist natürlich strikt dagegen und lehnt auch die Pläne seines geldgierigen Sohnes Anton und dessen Ehefrau Mireille strikt ab. Die beiden wollen die Metzgerei in eine schicke Lounge für den benachbarten Fußballclub umbauen.

Um die Arbeit irgendwie zu schaffen, stellt die gutgläubige Zita, alleinerziehende Mutter eines halb-wüchsigen Sohnes, während des Krankenhausaufenthalts ihres Vaters den farbigen Asylbewerber Alpha aus dem Kongo an, den sie nun notgedrungen schwarz beschäftigt. Dem erzkonservativen Franz ist das alles andere als recht und er möchte den „Neger“ so schnell wie möglich wieder los wer-den und aus seiner Metzgerei schmeißen. Doch dann kommt es zu einem dramatischen Unfall: Bei einem Streit um das Wechseln einer Glühbirne erleiden Alpha und Franz einen so heftigen Strom-schlag, dass Franz dabei stirbt. Sein Geist bleibt nach seinem Tod jedoch auf der Erde und spricht mit seinen Mitmenschen: das Problem: Nur Alpha kann ihn hören und sehen.

Nach dem ersten Schock darüber, dass ihn nur der ungeliebte Asylbewerber versteht, macht Franz in seiner Not einen Deal mit Alpha: Wenn Alpha ihm als ausführende Hand hilft zu verhindern, dass sein Sohn Anton das gesamte Erbe an sich reißt und Zita leer ausgeht, verspricht Franz danach für immer ins Reich der Toten zu verschwinden und Alpha in Ruhe zu lassen. Anton hat gemeinsam mit seiner Frau das von Franz aufgesetzte Testament verschwinden lassen, dass zu Gunsten von Zita ausgestellt war. Während ihrer „Mission“ kommt es immer wieder zu neuen Problemen im Umfeld von Alpha und Franz und auch zwischen den beiden Männern läuft es nicht glatt.

Darsteller:


Andreas Giebel («München 7») als Franz Rissmeyer
Brigitte Hobmeier («Sommer in Orange») als Zita Rissmeyer
Tony Mpoudja («Mutter muss weg») als Alpha
Simon Schwarz («Wer’s glaubt, wird selig») als Anton Rissmeyer
Marlene Morreis («Der Alte») als Mireille Rissmeyer
Markus Krojer («Die Perlmutterfarbe») als Claudio Rissmeyer
Tilo Prückner («Bis zum Horizont, dann links!») als Dr. Helmut Kirschner
Christian Lerch («Sommer der Gaukler») als Ludwig Hackl
Monika John («Siska») als Frau Hartmeiser

Kritik:


„Wie soll ein Neger wissen, wie man Weißwürscht kocht?!“ oder „So ein billiger Sarg, kann i froh sein, dassd mir kein gebrauchten kafft hast.“ Mit diesen und ähnlichen Sprüchen ist Andreas Giebel als starrköpfiger Metzgermeister Franz Rissmeyer das Herzstück der TV-Komödie von Wolfgang Murnberger. Giebel spielt den konservativen Bayer, für den die Bewohner des nächsten Häuserblocks schon Ausländer sind, überragend und gibt mit seiner ruppigen Art und dem bayerischen Dialekt immer wieder Anlass für ehrliche Lacher. Der schwergewichtige Metzger, der erst seiner Familie und dann seinem „Komplizen“ Alpha mit seinem Starrsinn das Leben zur Hölle macht, ist mit seinen bayerischen Schimpftiraden eindeutig der Zuschauerliebling des Films. Die Tatsache, dass nur und ausgerechnet Alpha mit ihm kommunizieren kann, ermöglicht einen interessanten Dialog der beiden. Besonders pikant ist die Tatsache, dass sonst keine Person über die Kommunikation der beiden etwas weiß. Auch Brigitte Hobmeier spielt die überlastete und verzweifelte Zita, die gegen ihren Bruder und dessen intrigante Ehefrau ankämpfen muss, überzeugend.

«Wer hat Angst vorm weißen Mann?» ist eine überaus gelungene TV-Komödie, die mit ihrem guten Mix aus Unterhaltung und Gesellschaftskritik nicht nur die Lacher auf ihrer Seite hat, sondern auch zum Nachdenken über das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und den gegenseitigen Respekt anregt. Das beständige Klischee über die erzkonservativen und rassistischen Urbayern und ihre Vorurteile, wird zwar bedient, jedoch auf eine humorvolle Art und mit dem Lerneffekt sich mit der eigenen Einstellung auseinanderzusetzen. Trotz der anfänglichen Antipathie und den rassistischen Bemerkungen gegenüber dem Asylbewerber nähert sich Franz dem Kongolesen immer weiter an und beginnt ihn allmählich zu akzeptieren.

Auch an Wortwitz fehlt es der in München spielenden Komödie nicht. Besonders amüsant sind die Einflüsterungen des Metzger-Geistes für Alpha, die der hilfsbereite Afrikaner versucht mit demselben bayerischen Dialekt widerzugeben. Untermalt werden die Szenen oft mit launiger bayerischer Musik gemischt mit afrikanischen Trommelklängen. Dieser Musikmix unterstreicht das Thema zwar recht passend, wäre aber für die Komödie nicht so plakativ nötig gewesen.

Insgesamt ist «Wer hat Angst vorm weißen Mann?» eine flott erzählte und kurzweilige Mulit-Kulti-Geschichte, die ihre Bezeichnung als Komödie durchaus verdient hat. Natürlich sollte man als Zuschauer dieses Films dem Genre bayerische Komödien nicht ganz abgeneigt sein, um sich für den Film zu begeistern. Aber alle Andreas Giebel-Fans und auch viele andere Zuschauer werden bei diesem Streifen, der den Spagat zwischen lockerer Unterhaltung, Spannung und Gesellschaftskritik schafft, ihre wahre Freude haben.

Das Erste zeigt «Wer hat Angst vorm weißen Mann?» am Mittwoch, den 9. Oktober 2013, um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/66341
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