Die Wochenschau

Die Thomas-Roth-Premierenwoche

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Zum ersten Mal hat „Wochenschau“-Onkel Gregor Elsbeck eine Woche lang jeden Tag die «Tagesthemen» geschaut. Der Grund: Thomas Roth. Wie sich der neue Anchorman bei seinen ersten Einsätzen geschlagen hat, zeigt eine Spezialausgabe der Kolumne...

SONNTAG - 4. August
Am Tag davor
Caren Miosga ließ es sich nicht nehmen, Sonntagabend in den letzten «Tagesthemen» vor Beginn der dreieinhalbjährigen Thomas-Roth-Ära auf ihren neuen Kollegen am Folgetag hinzuweisen. Klar. Das tat sie aber recht kurz, emotionslos und – wie man es meistens bei ihr hört – mit leiser Stimme. Gemischt mit ihren im Gegensatz dazu zu lauten Einatmern, wirkte das mal wieder sehr nervig und die Vorfreude auf den Neuen wuchs an. Der hatte schon Donnerstag in einer Pressekonferenz von einer Geheimsprache berichtet, die er zusammen mit Miosga eingeführt habe: Russisch. Vielleicht spricht Caren wenigstens das deutlicher...

MONTAG - 5. August
Kurze Premiere
Auf der einen Seite kann es wohl keinen ungünstigeren Start für einen neuen Anchor geben als eine Sendung in der Halbzeitpause des Fußballs, auf der anderen ist es ganz gut zur Eingewöhnung. Roths erste Worte in der Kürze: „Ja, schönen guten Abend, meine Damen und Herren. Sie sehen mich heute hier an diesem Platz zum ersten Mal. Ich freue mich aber, dass ich Sie in den kommenden Jahren in den «Tagesthemen» informieren darf.“ Wieso „aber“? Das eine schließt das andere doch gar nicht aus. Nun ja, sonst blieb Roth ohne Fehler und überraschte als Ex-Washington-Korrespondent mit dem deutsch ausgesprochenen A in NSA.

DIENSTAG - 6. August
Das lustige Hagelkorn
In der ersten regulären Sendung ging es ziemlich humorig zu. Thomas Roth lächelte Jan Hofer freudig an, bevor der seine Nachrichtenblöcke begann und zeigte nicht nur dabei sein glänzendes Gebiss. Bestimmt wird er seine Beißerchen in den USA einem Bleaching unterzogen haben. Da sieht der Zuschauer auch mal gerne über das leichte Zittern mit der linken Hand und die Blicke nach unten bei einem Bildwechsel hinweg. Nachdem Sven Plöger im Wetter ein Foto präsentierte, merkte Roth belustigt zu dem darauf zu sehenden Objekt an: „Dieses Hagelkorn war wirklich ´n ziemlich dickes Ding!“ Stickiges Lachen von Plöger folgte.

MITTWOCH - 7. August
Schalte ins Alte
Bereits an seinem zweiten Einsatz in Hamburg ging es für Thomas Roth schon wieder in die alten Heimaten zurück: Er musste zu seinen Korrespondenten-Nachfolgern in Washington und Moskau eine Doppelschalte machen, um ihnen Fragen zu stellen, die er selbst wohl noch viel besser hätte beantworten können. Von möglichem Unbehagen drüber konnte er sich aber beim Schäkern mit Judith Rakers vor und nach der Sendung ablenken. Die lächelte im Vergleich zu Jan Hofer zurück und schien sich, wie Montag Linda Zervakis, über den Neuen zu freuen. Der wiederholte Mittwoch sein „Kommen Sie gut durch die Nacht!“ vom Vortag.

DONNERSTAG - 8. August
Kraft der zwei Schnäuzer
Spätestens Donnerstag war klar, dass der Schlusssatz mit dem Gut-durch-die-Nacht-Kommen das neue Markenzeichen von Roth ist, denn da brachte er ihn wieder an. Wetterfrosch Plöger wurde erneut von ihm gelobt: „Ein Hoch auf Sven Plöger!“ lautete die Anspielung auf ein neues Hochdruckgebiet. Kreativ! Susanne Daubner lächelte der Thomas ebenso nett an wie den Hofer und die Rakers und im Abspann führten beide dennoch ein scheinbar ernstes Gespräch. Nur das Haar auf Roths rechter Schulter verwirrte etwas. Uli Deppendorf gab den Kommentar und wirkte wie ein gefloppter Klon von Roth. Zwei Schnäuzer – eine Meinung.

FREITAG - 9. August
Wie der Anfang, so das Ende
Die Alltagswoche begann für Thomas Roth bereits mit wegen König Fußball verkürzten «Tagesthemen» und genauso endete sie auch. Montag war es der DFB-Pokal, Freitag der Bundesliga-Auftakt. Bei Roth war dagegen Montag der Auftakt und Freitag hätte es vielleicht einen Pokal gegeben für das schönste Lächeln. Diesmal galt es Jens Riewa. Der fand es toll. Mail-Anbieter GMX wurde von Roth komplett englisch ausgesprochen. Das wird die NSA ärgern. „Damit entlassen wir Sie ins Wochenende“ sagte der Anchorman am Schluss der kurzen Sendung. Doch wie, bitteschön, sollten wir denn mit dem Satz gut durch die Nacht kommen?

SAMSTAG - 10. August
Erstmals nicht in Schwarz
Die ganze Woche lang trug Thomas Roth einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd. Samstag war es dann erstmals ein grauer Anzug (wahrscheinlich von Lanz ausgeliehen) mit hellblauem Hemd. Passte zu den weißen Haaren. Und erstmals wurde Roth auch von zwei Kollegen flankiert: Mit der Rakers klappte es wie Mittwoch und Okka Gundel (Schwester von Gausula) lächelte den Anchorman sogar noch ausufernder an als er sie. Von seinem Lieblings-Sven wollte Roth nicht die „Schock-Nachricht“ hören, dass der Sommer schon zu Ende ist. Die bekam er auch nicht. Seine erste «Tagesthemen»-Woche war aber echt zu Ende. Ein Schock!


Nein, natürlich war es das noch nicht ganz: Thomas Roth hat am Sonntagabend noch eine Ausgabe moderiert, doch die konnte durch den – nennen wir es mal ganz vornehm – „Redaktionsschluss“ dieser Kolumne am Sonntagnachmittag nicht mehr aufgegriffen werden. Das ist auch ganz gut so, denn als eigentlich notorischer «heute-journal»-Zuschauer hätte ich nicht unbedingt noch eine Folge der «Tagesthemen» an sich zusätzlich sehen wollen. Seit der große Uli Wickert weg ist, war für mich ebenso das dröge ARD-Nachrichtenmagazin praktisch weg und ich musste mir den so geliebten Typus des charismatischen Anchorman vom älteren Schlag in Cläuschen Kleber beim ZDF suchen. Doch jetzt ist endlich Thomas Roth zur Stelle. Er hat nun in seinen ersten Tagen zwar noch nicht ganz den gewünschten „Bumms“ in die «Tagesthemen» gebracht, aber erste eigene Duftnoten konnte er bereits setzen. Roth tut gut. Mit seiner sonoren Stimme, mit seinem Lächeln, mit seiner Erfahrung in der Sache, mit seinem Aussehen. Er wusste, dass die Zuschauer von ihm einen obligatorischen Abschiedssatz à la Wickert und Buhrow erwarten und er hat ihn gebracht. Sein „Schönen guten Abend!“ zu Beginn der Sendung ergänzt diesen sogar noch. Kein Versprecher war in der ersten Woche von Roth zu vernehmen, was aller Achtung wert ist. Je mehr er in den kommenden Wochen in die Abläufe des Formats hineinfindet, desto mehr wird er auch seinen eigenen Stil dort prägen können. In der Premierenwoche wirkte es teils noch so, als ob er sich zunächst lieber mal aus Sicherheitsgründen den Gegebenheiten anpassen und niemanden zu sehr verwirren wollte. Das sollte jedoch nicht über seine Eigenständigkeit hinwegtäuschen. Die modische Kehrtwende hat er schon Samstag geschafft, die inhaltliche wird folgen. Dafür müssen demnächst Roth´sche Moderationswochen folgen, die nicht durch zu viel Fußball verkürzt werden und dafür sollte Roth in Kürze mal endlich seine erste Interview-Schalte zu einem Politiker bekommen, die in der ersten Woche noch fehlte. Darauf kann man gespannt sein, denn einerseits sagte Roth im Vorfeld, dass er die Sprache der «Tagesthemen» „absolut angemessen“ finde und auch nicht vorhabe, daran etwas zu ändern. Andererseits bemerkte er aber gleichzeitig, dass er sich selbst so mitbringen würde, wie er ist. Auch das ist absolut angemessen. Damit wird er den Klassiker womöglich in Zukunft nach und nach mit neuem Glanz versehen können, obwohl er vom alten Schlag ist. Schafft er das tatsächlich, wird er mich als «Tagesthemen»-Zuschauer partiell zurückgewinnen. Dann wird es schade sein, dass er nur dreieinhalb Jahre diesen Job machen kann. Wir werden ihn weiterhin gespannt im Auge behalten. Nächsten Sonntag folgt wieder eine normale „Wochenschau“. Kommen Sie gut durch die Woche!

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