Die Kritiker

«Terra X – Die Bernsteinstraße»

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Die ZDF-Vorabenddokureihe geht auf Spurensuche nach einer 3.000 Jahre alten Handelsroute.

Die ZDF-Dokumentationsreihe «Terra X» widmet sich in unregelmäßigen Abständen innerhalb einer Sonderreihe gleich für mehrere Episoden einem ausgewählten Thema. Unter anderem bekamen Zuschauer bereits Mehrteiler über Dinosaurier zu sehen oder sahen in einer «Terra X»-Unterreihe «Deutschland von oben». Nun widmet sich die Doku-Vorabendreihe in einem Zweiteiler dem seit Jahrhunderten wie ein wertvolles Mineral verehrten Bernstein.

Der Archäologe Heinrich Schliemann stieß 1874 bis 1876 in Mykene bei der Suche nach Troja auf zahlreiche Bernsteinperlen aus der Bronzezeit, auch in vielen Herrschergräbern im östlichen Mittelmeerraum stießen Forscher auf das häufig an der Ostsee aufzufindende fossile Harz, welches unter anderem in Totenmasken verarbeitet wurde. Dies legte die Vermutung nahe, dass bereits vor über 3.000 Jahren eine rege Handelsroute zwischen den beiden Enden der damals bekannten Welt existiert haben muss, die von der Ostsee quer durch das heutige Deutschland, über die Alpen und bis hin nach Griechenland und Ägypten führte. Im Zweiteiler «Terra X – Die Bernsteinstraße» geht der Archäologe Timo Ibsen dieser Vermutung nach und begibt sich europaweit auf Indiziensuche.

Die Dokumentarfilmer Gisela Graichen und Peter Prestel begleiten jedoch nicht nur Timo Ibsen, der in einem umgebauten VW-Transporter seiner archäologischen Tätigkeit nachgeht, und lassen Geschichtsexperten darüber sprechen, wie der geheimnisvoll glühende Bernstein in vergangenen Jahrhunderten verehrt wurde, sondern skizzieren außerdem in Spielszenen nach, wie die Entstehung der Bernsteinstraße womöglich ablief.

Solche Reenactments sind ein bei vielen historischen «Terra X»-Ausgaben verwendetes Stilmittel, doch selten nehmen sie solch einen Raum ein, wie in diesem Zweiteiler. Erfreulicherweise sind die Spielszenen nicht nur ausführlicher als sonst von «Terra X» gewohnt, sondern auch sorgvoller inszeniert und mit größerer Passion gespielt. Dennoch können sie zwischenzeitlich befremdlich wirken. Sie sind so ausführlich, dass die Autoren sogar, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer aufrecht zu halten, kleine Handlungsfäden eingesponnen haben. So besteht zwischen den ersten Reisenden auf der Bernsteinstraße Misstrauen – durch solch ausführlichen Spielszenen wird zwar Geschichte lebendig, zugleich aber weicht die Dokumentation so ins Spekulative und hinterlässt das Gefühl, dass die Macher eher Interesse daran hatten, einen Historienfilm über die Bernsteinstraße auf die Beine zu stellen.

Zur Abwechslung ist die in «Terra X – Die Bernstraße» getätigte Mischung aus Fakt und Spekulation, Dokumentation und Historienfilm-Anleihen durchaus reizvoll, aber es ist gleichwohl eine unausgewogene Mischung, die innerhalb der hervorragenden ZDF-Dokureihe eher die Ausnahme von der Regel darstellen sollte.

Der erste Teil von «Terra X – Die Bernsteinstraße» ist am Sonntag, dem 14. Oktober 2012, ab 19.30 Uhr im ZDF zu sehen. Der zweite Teil folgt zur gleichen Sendezeit am 21. Oktober.

Kurz-URL: qmde.de/59742
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