Schlüter sieht's

«Schlüter sieht's»: Danke, Dirk

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Dirk Bach hatte viele Gesichter. In Erinnerung bleibt er als Lukas, Dschungelkönig, Sketch-Altmeister und viel mehr.

Im ersten Moment ist es sicher Fassungslosigkeit gewesen, die man empfand, als die Nachricht über die Medien flimmerte. Dirk Bach ist gestorben, mit 51 Jahren. In einem Alter, in dem der Tod für Außenstehende wohl immer überraschend kommt – und deswegen im Falle von Dirk Bach auch ein solches Echo erzeugte, pendelnd zwischen eben jener Fassungslosigkeit und Trauer.

Im ewig jungen, unvergänglich anmutenden Unterhaltungsfernseh-Geschäft, zum dem er jahrzehntelang gehörte, wirkt eine solche Todesnachricht surreal und wie ein Fremdkörper. Wohl auch, weil Bach schon in der Frühzeit des Privatfernsehens mit von der Partie war – und in all den Jahren nie ganz vom Bildschirm verschwand, ähnlich wie sein guter Freund Hape Kerkeling, mit dem er oft zusammenarbeitete.

In Erinnerung bleiben nun die tollen Momente, die uns der Künstler Dirk Bach gegeben hat: insbesondere in der «Dirk Bach Show» der frühen 90er Jahre, als er Millionen Deutsche unterhielt. Bach war der große Star-Komiker aus dieser Zeit, überflügelte in der Pause von Thomas Gottschalks Late-Night dessen Einschaltquoten meilenweit. Automatisch tat er damit viel für die Akzeptanz Homosexueller im TV-Geschäft, die nach Hape Kerkelings unfreiwilligem Coming-Out aufgekommen war. Mit seiner modernen, frischen Show nahm Dirk Bach aber vor allem den späteren Trend der populären Sketch-Comedys vorweg und versuchte selbiges mit dem Sitcom-Genre: «Lukas» lief fünf Jahre lang im ZDF, bis 2001. Nicht zuletzt war Dirk Bach der wahre Dschungelkönig in «Ich bin ein Star, holt mir hier raus» – im Duo mit Sonja Zietlow bescherte er dem deutschen Fernsehen einige der unterhaltsamsten TV-Stunden der vergangenen Jahre.

Dieser begnadete Künstler kannte aber auch eine Welt außerhalb des Fernsehens. Er war ein Mann der Bühne, trat im Theater als Komödiant und als Tragiker auf, als Shakespeare und zuletzt als Heinz Wäscher – einer Figur aus Hape Kerkelings Musical «Kein Pardon». In der legendären Filmvorlage von 1993 hatte Bach einen nicht minder legendären Gastauftritt: Als engagierter, überfreundlicher Hardy Loppmann übt er mit dem selbstverliebten TV-Star Peter Schlönzke einen Sketch für dessen Fernsehshow ein. Am Ende der Probe verletzt sich Loppmann, muss ins Hospital. Noch auf der Krankenbahre ruft er seinem Vorbild Peter Schlönzke hinterher: „Es hat trotzdem sehr, sehr viel Spaß gemacht. Danke, dass ich dabei sein durfte!“ Danke, Dirk Bach, dass wir zusehen durften.

Jan Schlüters Branchenkommentar gibt es jeden Mittwoch nur auf Quotenmeter.de.

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