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Die Wunschvorstellungen des Herrn T., Eishockey nun im Free-TV

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Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat sich entschieden: Das Allheilmittel Free-TV soll nun die Probleme der Sportart lösen. Oftmals verschwindet die Sportart aber sogar nur ins Internet-TV. Dort gibt’s eine Mini-Übertragung.

Wenn selbst das vielleicht verrückteste DEL-Play-Off-Spiel seit einiger Zeit (noch dazu zwischen den Leadern Berlin und Mannheim) nur rund 90.000 Menschen mit Sky-Abo vor die TV-Geräte zieht, dann lässt sich unumwunden feststellen: Die Deutsche Eishockey Liga hat ein Problem. Die Sportart Eishockey ist in Deutschland seit Jahren auf dem Rückmarsch – im Norden noch weit mehr als im Süden. Eine exakte Ursachenforschung würde vermutlich den Rahmen sprengen – Faktoren wie Wirtschaftlichkeit, Auf- und Abstieg zwischen DEL und 2. Liga und natürlich auch die öffentliche Präsenz spielen sicherlich wichtige Rollen.

Die Führungsetage der DEL – mitunter heftig kritisiert – hat für die Misere des deutschen Clubeishockeys vor allem die geringe TV-Präsenz ausgemacht. Spätestens seitdem die Zuschauerzahlen von Sky für jedermann zugänglich sind, mehrten sich die Stimmen, dass es ja nicht sein könne, dass Vorrundenspiele kaum über 10.000 oder 15.000 Zuschauer hinauskommen. Und auch bei Sky wurde das Murren lauter: Eine Spielübertragung kostet dem Vernehmen nach knapp 100.000 Euro – also einen Zehner pro Zuschauer.

Die Partnerschaft zwischen Sky und der DEL stand also nach fast 20 Jahren auf sehr wackligen Füßen – und sollte mit dem Finden eines Free-TV-Senders beendet werden. Problem nur: Keine wollte sich 70 oder 80 Spiele ans Bein binden. Die Sender wissen sehr genau, dass man mit einer Vielzahl davon keine Quote machen wird. Und so präsentierte die DEL am Montag in München nun einen Vertrag. Die Meinung, dass dieser eine Verbesserung gegenüber dem Kontrakt von Sky darstellt, hat Geschäftsführer Gernot Tripcke aber recht exklusiv.

ServusTV kommt hierzulande auf derzeit 0,0 Prozent Marktanteil – kaum Sendungen haben überhaupt 10.000 Zuschauer. Die technische Reichweite liegt bei knapp 80 Prozent - in Berlin aber nur bei 70 Prozent, in Bayern dafür bei 100 Prozent.. Für den Red Bull-Sender ist Eishockey also sicherlich eine große Chance. Deshalb ging man am Montag in München auch gleich mal in die Vollen und sprach von einer Benchmark, die bei 150.000 Zuschauern liege. Wie Servus TV dies realistisch erreichen will, ist fraglich – zumindest im ersten Jahr. Dem Vernehmen nach zahlt ServusTV pro Saison ebenfalls drei Millionen Euro und stemmt auch die Produktion. Den Clubs fällt also die gleiche Summe (200.000 Euro) zu wie bisher bei Sky. Aber: ServusTV wird nur ein Spiel pro Woche übertragen – und dabei wohl häufig beim EHC Red Bull München vorbeischauen, auch wenn man am Montag noch versprach, den zum gleichen Konzern gehörenden Verein nicht bevorzugen zu wollen. Die Augen der Fans werden sich darauf sicherlich richten.

Ein weiteres Spiel der Woche wird künftig gar nur im Internetfernsehen bei Laola1.tv zu sehen sein. Die Deutsche Eishockey Liga befindet sich dort in der Gesellschaft von Frauen-Beach-Volleyball und anderen Randsportarten. Entsprechend sieht die Produktion dann auch aus, die muss nämlich vor allem eines sein, günstig. Nur fünf Kameras (davon zwei fest am Hallendach über dem Tor installiert) werden das Geschehen einfangen – fraglich, ob das Zuschauen dann wirklich Spaß macht.

Bei Sky in Unterföhring wird man den Verlust der Rechte verkraften können. Die Häufigkeit wie oft der Kanal auf seinem Nachrichtensender Sky Sport News HD über eine Sportart berichtet, ist ein gutes Instrument zu erahnen, für wie attraktiv die Entscheider dort eine Sportart halten. Abseits der Play-Off gab es nur sehr vereinzelt Meldungen über das deutsche Eishockey und somit scheint der Blick in Unterföhring eher nach vorne gerichtet zu sein. Spekuliert wird, dass bald die Basketball-Bundesliga wieder bei Sky aufschlagen könnte.

Eishockey-Fans können sich nun also auf freien Zugang zu Ligaspielen freuen, die von ServusTV sicherlich in anständiger Qualität präsentiert werden. Nur die Liga an sich macht nicht den Schritt nach vorne, den sie gerne gemacht hätte. Dafür hätte man einen größeren Sender (etwa Sport1) mit ins Boot holen müssen. Nur die wissen eben auch ganz genau um den Zustand der DEL. Was Trpicke und Co. planen um ihre Situation in den dritten Programmen (gerade der BR könnte mehr über die DEL berichten, wenn er wollte) zu verbessern, ist unklar. Hier liegt das bis dato ungenützte Potenzial. Und: So manchem Fan, der heute noch über den Deal jubelt, könnte genau dieses schon bald angesichts der reduzierten Anzahl der TV-Spiele und der Schmalspur-Internet-Übertragung vergehen.

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