360 Grad

NitroGlitzerin

von
Mit RTL Nitro und Glitz starten in Kürze zwei neue Spartensender. Können sie sixx und ZDFneo Konkurrenz machen? Eine Analyse.

Haben Sie all die NitroGlitzerin-Witze in der letzten Woche auch schon zur Genüge gehört? OK, lassen wir das und sehen uns lieber einmal an, wie die beiden neuen Sender ihr Programm nun so bestreiten wollen.

Liest man sich die Programmtabelle von RTL Nitro durch, stößt man leider auf keine explosive Mischung aus Blockbusterserien und innovativen Spielereien, sondern bekommt einen ganz anderen Eindruck: nämlich den einer heruntergewirtschafteten Messiwohnung, in der es vielleicht die ein oder anderen Schätze geben mag («Modern Family» und «Nurse Jackie»), in der aber die über die Jahre in den Schmuddelteppich eingetretenen Pizzareste schon seit langem die Farben ihrer sehr tristen Umgebung angenommen haben. Man kommt sich vor wie an einem Wühltisch beim örtlichen Factory-Outlet. Alles, was so im Lager vor sich hin gammelt und an dem der Zahn der Zeit schon tüchtig genagt hat, soll endlich raus. «Knight Rider», «Simon und Simon», «Quincy», «Drei Engel für Charlie». All das wirft man wahllos in den Äther. Das ist bei der RTL Group nicht neu, bietet sich einem schließlich bei Super RTL zumindest in der Prime-Time und im Spätprogramm kein grundsätzlich anderes Bild. Mit dem einzigen Unterschied, dass man dort in der Endlosschleife uralte eigenproduzierte Sitcoms von «Alles Atze» bis «Nikola» abnudelt und auf eine weitere Ausschlachtung des sinkenden «DSDS»-Sterns setzt.

Das Programmumfeld bei der neuen Senderin Glitz wirkt da zumindest im direkten Vergleich schon attraktiver. Anders als bei RTL Nitro setzt man auf deutlich mehr Erstausstrahlungen von US-Ware und das Spektrum reicht dabei vom viel gelobten «Parks and Recreation» mit dem ehemaligen «SNL»-Star Amy Poehler über das recht ansehbare «Parenthood» bis hin zu Lisa Kudrows Improvisationssitcom «Web Therapy». Hat RTL Nitro, je nach Standpunkt, maximal zwei neue Hitserien aus den USA im Programm, während man den Rest des Sendetages mit Wiederholungen von gerne einmal dreißig Jahre alten Sendungen bestreiten will, ist bei Glitz eine eindeutige Ausrichtung als frauenaffiner Sender zu erkennen, der mit deutlich mehr neuen Programmfarben aufwarten kann.

Doch dabei belässt man es beim neuen Sender aus dem Hause Turner nicht. Denn anders als bei RTL Nitro setzt man unter anderem mit zwei Formaten mit Eva Padberg und Dana Schweiger auch auf eigenproduzierte Lifestyle-Shows. Ferner plant man ein Talkformat mit der Kunsthistorikerin Judith Milberg und bestreitet den Samstag mit ein paar Kochsendungen. Das alles klingt zwar nicht sonderlich innovativ, lässt aber immerhin erkennen, dass man nicht nur schnell einen Sender zur Ausstrahlung von ein paar Serien hochgezogen hat, die man für das Hauptprogramm für zu risikoreich hält, und nun notdürftig den restlichen Sendetag irgendwie füllen muss. Glitz scheint anders als RTL Nitro ein Konzept und eine klare Ausrichtung zu haben. Denn RTL Nitro rettet auch der pathetische Slogan „Fernsehen für Helden“ nicht mehr. Und wenn Wiederholungen von «Knight Rider» schon „Fernsehen für Helden“ ist – wie würde man dann in Köln wohl «Mitten im Leben» und «Familien im Brennpunkt» treffend zusammenfassen wollen?

Was bei sixx funktioniert, soll wohl auch bei RTL Nitro funktionieren. Doch sixx hatte von Anfang an eine klare Struktur und eine klare Zielgruppe. Es gab eine klar definierte Klientel, für die man Programm machen wollte, was man mittlerweile auch sehr erfolgreich tut. Denn mit Marktanteilen, die sich teilweise schon um die ein Prozent in der Zielgruppe bewegen, ist sixx für Spartensenderverhältnisse zweifellos gut aufgestellt. Ob RTL Nitro angesichts des doch recht desaströsen Programmumfelds in absehbarer Zeit ähnliche Erfolge feiern können wird, scheint fraglich. Denn es fehlt an einem Konzept, das darüber hinausgeht, ein Abstellplatz für «Modern Family», «Nurse Jackie» und das im Mutterland allenfalls durchschnittlich erfolgreiche «Chase» zu sein.

Unter anderen Vorzeichen hat es das ZDF mit ZDFneo vorgemacht, wie man einen Spartensender hochziehen muss. Man begann klein mit Erstausstrahlungen von US-Ware, die in den ersten Sendewochen noch nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen, setzte aber im weiteren Verlauf der Sendergeschichte immer mehr auf klar ausgerichtete eigenproduzierte Ware. Der erste wirkliche Lichtblick am Neo-Himmel war wohl die erste Staffel von «Stuckrad Late Night», endgültig etabliert als ein Zufluchtsort für die jungen urbanen Intellektuellen hat man sich im Spätsommer letzten Jahres mit «NeoParadise» und dem TV Lab, aus dem hervorragende Formate entstanden sind. Natürlich geht so etwas nur, wenn man nennenswerte Geldsummen im Hintergrund hat und sich nicht durch Werbung refinanzieren muss. Klar, dass sich die privaten Sendeanstalten, für die die Einschaltquote der Brötchengarant ist, das mit ihrem etablierten Geschäftsmodell nicht leisten können. Umso mehr muss man hoffen, dass man auf dem Lerchenberg Kurt Beck nicht an den Stecker lässt.

Doch auch sixx macht gutes Programm. Wenn auch mit anderem Anspruch und einer anderen Zielgruppe als ZDFneo. Glitz könnte sixx mit seiner ähnlichen Ausrichtung langfristig gesehen vielleicht durchaus Konkurrenz machen. Doch bei RTL Nitro beschränkt sich die Relevanz allein auf die nun geschaffenen Sendeplätze von «Nurse Jackie» und «Modern Family». Wenn das mal nicht in die Luft fliegt...

Mit 360 Grad schließt sich auch nächsten Freitag wieder der Kreis.

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