Schlüter sieht's

«Schlüter sieht's»: Abschied und Neuanfang

von
Sheen, Jauch, Sideropoulos, Lattek, Gottschalk: Ihre TV-Abschiede bergen die Chance für Neues.

2011 ist ein Jahr der Abschiede im Fernsehgeschäft: Günther Jauch beendet die Moderation seines Magazin «Stern TV» im Januar. Soap-Fans tragen im August die Serienfigur des langjährigen «GZSZ»-Stars Susan Sideropoulos zu Grabe. Die Sporttalk-Koryphäe Udo Lattek verlässt im Mai nach 16 Jahren den «Doppelpass». Thomas Gottschalk hält sogar noch länger bei einer einzigen Sendung durch: «Wetten, dass..?» mit ihm endet nach 24 Jahren. Und in dieser Woche hatte Charlie Sheen bei «Two and a Half Men» in der deutschen Erstausstrahlung seinen letzten Auftritt.

Mal sind Fernsehabschiede groß inszeniert, wie in Gottschalks Fall, mal sind sie unvorbereitet, wie bei Charlie Sheen: Als die 16. Folge der letzten Staffel mit ihm abgedreht war, konnte noch niemand ahnen, dass Sheen durch seine Eskapaden nicht mehr ans Set zurückkehren durfte. Eine Abschiedsfolge gibt es für Sheen also nicht; die Geschichte um seinen Charakter Charlie Harper wird am Anfang der neuen Staffel kurz – und unwürdig – abgewickelt.

Ein Abschied solcher Stars, seien es nun welche aus dem Show-, Serien- oder Talkgeschäft, birgt die Gefahr, dass das Publikum sich an neue Köpfe nur langsam gewöhnen kann. Anfangs ist man interessiert, wie sich die Nachfolger der etablierten Stars machen: also beispielsweise Ashton Kutcher bei «Half Men» oder Steffen Hallaschka bei «Stern TV». Nach und nach lässt das Publikumsinteresse aber nach. Aufgabe der Neuen ist es, die Chance im Neuanfang zu sehen: Mit einem eigenen Stil müssen die Zuschauer nach und nach (wieder)gewonnen werden – nur so können Nachfolger die großen Stars ersetzen. Denn eine Kopie schneidet immer schlechter ab als das Original.

Der neue Stil, der bei Hallschaka in «Stern TV» oder den Nachfolgern Udo Latteks beim «Doppelpass» eingeführt wird, bringt auch der eigentlichen Sendung etwas: Denn diese erhält automatisch einen frischen Anstrich, der ohnehin nötig geworden wäre. Daher können die Neuen nicht nur alte Zuschauer halten, sondern auch andere Zielgruppen erschließen – wenn es wirklich gut läuft. Insbesondere der kommende «Wetten, dass..?»-Moderator wird eine solche Aufgabe bewältigen müssen: Denn junge Zuschauer braucht das Format dringend.

Der TV-Abschied von großen Fernsehstars ist risikoreich, weil unpassende Nachfolger eine eigentlich erfolgreiche Sendung ruinieren können. Aber er bietet auch die Chance, dass neue Stars heranwachsen, die eine Sendung auf ihre eigene Art prägen und damit TV-Formate immer wieder neu erfinden können. Der TV-Abschied ist damit auch ein nötiges Mittel zum chancenreichen Zweck, in einer schnelllebigen Fernsehlandschaft gute Konzepte und gute Sendungen langjährig erfolgreich zu halten. Zuletzt klappte das oft: beim «Doppelpass» mit frischen Experten und auch bei «Steffen Hallaschka», der nach dem erwarteten Zuschauerrückgang zuletzt wieder steigende Einschaltquoten vorweisen kann. «Two and a Half Men» holt momentan in den USA genauso viele Zuschauer mit Ashton Kutcher wie Charlie Sheen vor einem Jahr und könnten noch einige Staffeln bekommen - das Format erlebt quasi seinen dritten Fernsehfrühling. Besser kann ein Neuanfang nicht funktionieren.

Jan Schlüters Branchenkommentar beleuchtet das TV-Business von einer etwas anderen Seite und gibt neue Denkanstöße, um die Fernsehwelt ein wenig klarer zu sehen. Eine neue Ausgabe gibt es jeden Donnerstag nur auf Quotenmeter.de.

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