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«Deutscher Fernsehpreis»: Stefan Raab und Jonas Nay gewinnen zweifach

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Das Drama «Homevideo» ist der „Fernsehfilm des Jahres“ 2011 und der «Eurovision Song Contest» war die beste Unterhaltung.

„Nur nicht nervös werden“, hatte sich Joachim „Blacky“ Fuchsberger vorgenommen, als er den Ehrenpreis in seinen Händen hielt und spielte dabei auf seine gleichnamige TV-Spielshow «Nur nicht nervös werden» aus dem Jahr 1960 in der ARD an. Es war der krönende Abschluss der Verleihung des 13. Deutschen Fernsehpreis, die bereits einen Tag vor der Ausstrahlung am Tag der Deutschen Einheit im Coloneum in Köln-Ossendorf über die Bühne ging. Die Laudatio auf Ehrenpreisträger „Blacky“ Fuchsberger hielt Frank Elstner und unterstrich die Eckpfeiler von Fuchsbergers Karriere. Fuchsberger war überglücklich ob der Ehrung beim «Deutschen Fernsehpreis» und bedankte sich einfühlsam für die Unterstützung seiner Frau, die bis heute noch als Managerin und Produzentin für ihn tätig ist. Der mittlerweile 85-Jährige dankte aber auch Frank Elstner für die Laudatio: „Ein wesentlicher Teil davon ist, dass ich so gerne gewesen wäre“, kommentierte „Blacky“ Fuchsberger die Preisübergabe mit großen Worten. Fuchsberger war durch die Edgar-Wallace-Filme in der 1960er Jahre berühmt geworden. Er scheute es auch nicht, in der filmischen Parodie «Neues vom Wixxer» eine Rolle zu bekleiden. So lobten auch deren Protagonisten Oliver Kalkhofe und Bastian Pastewka in einem Einspieler vor der Preisübergabe das Lebenswerk von „Blacky“ Fuchsberger. 1972 war er bei den Olympischen Spielen in München Stadionsprecher. Mit dem Ehrenpreis für „Blacky“ Fuchsberger ging eine glamouröse, aber nicht immer kurzweilige Gala in Köln-Ossendorf zu Ende.

Der krönende Abschluss entschädigte gewissermaßen für jene Momente des 13. «Deutschen Fernsehpreis», bei denen die prominenten Gäste im Studio 30/31 des Kölner Coloneums viel Sitzfleisch brauchten. Die neunköpfige, unabhängige Jury unter der Leitung von Christoph Keese und Christiane Ruff entschied am Tag der Gala über die Preisträger. Leicht gemacht hat man es sich dabei nicht. In den mehrfachen Abstimmungsrunden fiel die eine oder andere schwere Entscheidung. Denn im Vergleich zum letzten Jahr hätten sich die nominierten Fernseh-Inhalte in ihrer Qualität noch einmal gesteigert, befand Christoph Keese vor der Preisverleihung. „In einem insgesamt sehr dichten Jahrgang mit qualitativ hochwertigen Produktionen in allen Genres, hat die Jury ihre Favoriten gefunden“, sagte der Juryvorsitzende. „Herausragende Leistungen bei den großen Fernsehereignissen und in den kleinen Formaten, deren Würdigung wir allen ans Herz legen möchten“, so Keese weiter. Die Moderatoren Nazan Eckes und Marco Schreyl führten unterstützt von namhaften Präsentatoren durch die Gala. Einige von ihnen waren zuvor über den Roten Teppich spaziert; auch in Sachen Organisation und stilistischer Ausrichtung hat sich das Ambiente des «Deutschen Fernsehpreis» verändert und wirkt glamouröser.

Nach der Aufzeichnung im Studio strahlte der Doppelgewinner Jonas Nay mit der Gala-Dekoration um die Wette. Mit seiner ersten großen Rolle im Film «Homevideo», in dem es um das Thema Mobbing geht, hat Jonas Nay gleich zwei Fernsehpreise abgeräumt. Denn «Homevideo» von Kilian Riedhof mit Wotan Wilke Möhring und Jonas Nay ist der „beste Fernsehfilm“ 2011. Der Nachwuchs-Schauspieler Jonas Nay hat dabei so authentisch gespielt, dass die Jury ihm auch den Förderpreis verlieh. Den bekam er von Bettina Zimmermann überreicht. Nay war auf der Bühne sprachlos. Denn mit dem Preis verbunden ist eine Geldsumme von 15.000 Euro. „Soviel Geld habe ich noch nie auf einmal verdient“, freute sich Jonas Nay. Der 21-jährige Jungschauspieler verkörpert einen Teenager, der durch einen Zufall zum Cyber-Mobbing-Opfer wird und keinen anderen Ausweg als den Tod sieht. „Das intensive Spiel von Newcomer Jonas Nay ist zutiefst bewegend. Seine schonungslose und präzise Darstellung eines Teenagers, der unaufhaltsam im Strudel der Ereignisse ertrinkt, fesselt und quält zugleich. Nay liefert sich der Kamera aus und bringt den Zuschauer mit seinem eigenen Gefühlskampf in Bedrängnis“, urteilt die Jury.

Starke Autoren- und Regie-Leistungen prägen den „Fernsehfilm des Jahres“. Das ARD/Arte-Drama «Homevideo» gewann vor «In aller Stille» (ARD) mit Nina Kunzendorf, Maximilian Brückner und Michael Fitz, «Die fremde Familie» (ARD) mit Katja Riemann, «Die Hebamme – Auf Leben und Tod» (ZDF) mit Brigitte Hobmeier, und «Undercover Love» (RTL) mit Anja Kling und Henning Baum. Der opulente History-Zweiteiler «Hindenburg» von Regisseur Philipp Kadelbach gewann vor «Go-West – Freiheit um jeden Preis» (ProSieben) und «Der kalte Himmel» (ARD) den Fernsehpreis als „bester Mehrteiler“. Besonders überzeugten die Jury an der «Hindenburg» auch das Szenenbild und die Special Effects von Benedikt Herforth und Denis Behnke. Als „beste Serie“ setzte sich «Weissensee» durch. Die Ost-Berliner Familiensaga, mit Hannah Herzsprung, Florian Lukas, Katrin Sass, Uwe Kockisch und Jörg Hartmann großartig besetzt, spinnt sich um Liebe, Intrige und Politik. Die sechsteilige Serie hat sich gegen «Doctor’s Diary» (RTL) und «Der letzte Bulle» (Sat.1) behauptet. Zehn Schauspieler traten derweil in den beiden Kategorien „bester Schauspieler“ und „beste Schauspielerin“ gegeneinander an. Nina Kunzendorf erhielt den Fernsehpreis für ihre Interpretation der zerrissenen Mutter und Kommissarin aus «In aller Stille». Jörg Hartmann gewann mit seinem überzeugenden Spiel als Stasi-Karrierist in der Serie «Weissensee».

Das fulminante Opening beim «Eurovision Song Contest 2011» beeindruckte auch die Jury des «Deutschen Fernsehpreis». Anke Engelke, Stefan Raab und Judith Rakers moderierten das spektakuläre TV-Ereignis live aus Düsseldorf. Mit dem «Eurovision Song Contest» entscheidet die ARD die Kategorie „Beste Unterhaltung“ somit in diesem Jahr für sich – vor den beiden RTL-Showproduktionen «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» und «Let’s Dance». „Beste Comedy“ ist neue Staffel von «Ladykracher». Die Brainpool-Produktion mit Anke Engelke überzeugte die Jury. Auch nominiert waren Vorjahressieger «heute-Show» (ZDF) und erstmals «Die Bülent Ceylan Show» (RTL). Der Newcomer «Stellungswechsel – Job bekannt, fremdes Land» (kabel eins) setzte sich mit überraschenden interkulturellen Einsichten gegen das Auswanderer-Format «Goodbye Deutschland» (VOX), sowie die ZDF-Produktion «Der Wettlauf zum Südpol» durch. Als große Oper überzeugte die Inszenierung «RTL Boxen: Klitschko vs. Haye – Der Kampf» und punktete so gegen die Live-Übertragung von «heimspiel! extra: Frankfurt Marathon» (HR) und das WDR-Format «sport inside». ARD-Fukushima-Experte Ranga Yogeshwar erhielt den Preis für „Beste Information“. Neben Yogeshwar waren Antonia Rados als Korrespondentin für Ihre Nahost-Berichterstattung, insbesondere aus Libyen (RTL/n-tv) und Rolf-Dieter Krause als Korrespondent für seine Brüssel-Berichterstattung zur Euro-Krise (ARD) nominiert.

Die „Beste Dokumentation“ ist «Wärst Du lieber tot?» (ZDF), einem Film von Christina Seeland über das, was das Leben ausmacht, aus der Sicht von behinderten Menschen. Außerdem nominiert waren «Geheimsache Mauer – Die Geschichte einer deutschen Grenze» (ARD), «Hunger» (ARD), «The other Chelsea – Eine Geschichte aus Donezk» (ZDF) und «Und wir sind nicht die Einzigen» (3sat/ZDF). Mit enormer Rechercheleistung setzte sich «die story: Adel vernichtet – Der bemerkenswerte Niedergang des Bankhauses Oppenheim» (WDR) gegen die Reportage «Heute ist gestern und morgen» (Arte/WDR) sowie die ZDFneo-Reihe «Wild Germany» mit Manuel Möglich durch. Der «Deutsche Fernsehpreis» wurde erneut auch für „Besondere Leistungen“ vergeben. So gewannen Denis Scheck und Andreas Ammer mit ihrer Sendung «Druckfrisch – Neue Bücher mit Denis Scheck» (ARD) die „Besondere Leistung Information“. Rolf Seelmann-Eggebert wurde als Adelsexperte der ARD-Royalty-Berichterstattung mit der „Besonderen Leistung Unterhaltung“ geehrt, insbesondere für «Küss mich, Kate! Prinz William traut sich!».

Den Preis „Besondere Leistung Fiktion“ erhielten die Regisseure der Trilogie «Dreileben» (ARD): Christian Petzold, Dominik Graf und Christoph Hochhäusler überzeugten mit diesem Fernseh-Experiment. Entstanden sind drei Filme von drei verschiedenen Regisseuren, die eine Geschichte aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln erzählen. Einen Fernsehpreis gab es dann noch vom Publikum. Bis zum Nachmittag am Tag der Verleihung durften die TV-Zuschauer im Internet und via Telefon über den „Besten Entertainer“ abstimmen. Stefan Raab siegte knapp mit 41,5 Prozent der Stimmen vor Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf mit 41 Prozent und vor Günther Jauch mit 17,5 Prozent. Zur Auswahl als „Bester Entertainer“ standen zunächst 13 Moderatoren und Moderatorenpaare. Vier Tage vor der Verleihung stand die Nominierung der ersten Drei fest. Gemäß Statut ist die Auszeichnung von internationalem Fernsehen nicht vorgesehen. Dennoch hat die Jury im Laufe des Fernsehjahres international arbeitende Fernsehmacher gesehen, die sie mit einer „Lobenden Erwähnung“ hervorhebt: CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen hat unter schwierigen Bedingungen von den Krisenorten des Jahres, wie zum Beispiel Ägypten und Liybien, berichtet. Produzentin Rola Bauer stemmte gemeinsam mit einem internationalen Konsortium die achtstündige Mini-Serie «Die Säulen der Erde» (Sat.1/Tandem Communications). Zu den Laudatoren an dem Gala-Abend zählten außerdem Heiner Lauterbach, Hannes Jaenicke, Johann König, Bettina Zimmermann, Steffen Hallaschka, Christine Neubauer, Oliver Pocher, Johannes B. Kerner, Dieter Nuhr, Ulla Kock am Brink, Judith Rakers und Markus Lanz. Unterm Strich gingen elf Preise an die ARD, inklusive Dritte und Arte. Zwei Fernsehpreise erhielt RTL. Jeweils ein Preis geht an ZDF, Sat.1, ProSieben und kabel eins.

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