Die Kritiker

«Menschen Hautnah: Mein Prinz kommt aus Amerika»

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Am 02.05.1972 bringt Romana im Flower Hospital in New York ein Baby zur Welt – wie vier weitere deutsche Frauen. Draußen warten fünf jüdische Paare, die diese Babys freudig entgegen nehmen. Sie haben viel für diese Babys bezahlt. Sie werden sie aufziehen, mit viel Liebe und Geld. Sie werden ihnen die beste Ausbildung ermöglichen. Doch ein Geheimnis bleibt für die Kinder und den Rest der Welt: dass ihre leiblichen Eltern Deutsche sind.

Romana ist zum Zeitpunkt der Adoption 19 Jahre alt und sehr verliebt in Peter. Sie schreibt ihm aus New York Liebesbriefe. Darin steht, dass sie das gemeinsame Baby nur für ihn weggeben wird. Peter hatte über die Möglichkeit, Kinder in Amerika zur Adoption freizugeben, in der Zeitung gelesen und Romana gedrängt, das gemeinsame Kind dort zu gebären und abzugeben.

Wenn Romana nach ihren Erlebnissen vom 2.5.1972 befragt wird, bricht sie in Tränen aus. Die Adoption in Amerika wird für sie zum schlimmsten Alptraum. Als sie ihr Baby mit den dunklen Haaren sieht, will sie es nicht mehr hergeben. Doch es ist zu spät. Peter trennt sich endgültig von Romana, als sie wieder in Deutschland ist. Aber er wird nach seinem Sohn suchen, 30 Jahre lang, bis er ihn endlich findet.

Brian, heute 38 Jahre alt, ist in einer guten jüdischen Familie aufgewachsen. Heute ist er IT-Direktor eines Medienunternehmens. Seit er 16 ist, sucht er seine leiblichen Eltern. Nun ist er überglücklich und will Weihnachten nach Deutschland kommen.

Romana fiebert der ersten Begegnung mit ihrem Sohn Brian entgegen. Endlich kommt ihr Prinz aus Amerika. Sie möchte ihm sagen, dass sie ihn nicht freiwillig abgegeben hat – das soll sie von ihrem Schuldgefühl befreien. Als Romana und Peter ihrem Sohn Brian am Flughafen zum ersten Mal begegnen, bricht Romana in heftiges Weinen aus....

Kritik
Das größte Problem der neuen Ausgabe von «Menschen hautnah» ist sicherlich die vollständig fehlende Distanz der Macher zu den Menschen, die sie porträtieren. Der Umgang mit dieser tragischen Thematik geschieht hier in keinster Weise differenziert, geschweige denn investigativ. Man lässt die beteiligten Parteien einfach erzählen, ohne nachzuhaken oder die beschriebenen Gegebenheiten in irgendeine Art von übergeordnetem Kontext einzuordnen. Damit bleibt die Dokumentation leider durchaus sehr einseitig und ihr Informationsgehalt geht aufgrund der bloßen, vollkommen unkommentierten Schilderungen eines Einzelschicksals gegen Null.

Ebenso ist es bedauerlich, dass ein großer Teil der Sendezeit auf die nachehelichen Konflikte zwischen Brians Eltern entfällt (endlose Schuldzuweisungen inklusive), wobei die Sympathien von den Machern sowohl durch Off-Kommentare als auch die Schnitttechnik äußerst suggestiv gelenkt werden. «Menschen hautnah: Mein Prinz kommt aus Amerika» von Silvia Kaiser und Maren-Kae Freese ist damit leider eine kaum erträgliche und unendlich rührseelige wie informationslose Dokumentation.

WDR Fernsehen strahlt «Menschen hautnah: Mein Prinz kommt aus Amerika» am Donnerstag, den 17. Februar 2011, um 22.30 Uhr aus.

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