Die Kritiker

«Der Doc und die Hexe»

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Inhalt
Dr. Sophie Schöner ist Internistin, die sich jedoch über die chinesische Akupunktur, asiatische Meditations- und Heilmethoden und die Homöopathie der alternativen Medizin zugewendet hat. Nach einjähriger Fortbildung in China kehrt sie nach Berlin zurück, um an einer Klinik eine neu geschaffene Stelle für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) anzutreten. Sophie soll mit ihren Heilmethoden andere Abteilungen unterstützen, darunter auch die Chirurgie, die der Starmediziner Dr. Hans Wunderlich, genannt Dr. Wu, leitet. Dieser ist ein überzeugter Anhänger der klassischen Schulmedizin und lehnt alternative Behandlungsmethoden grundsätzlich ab.

Unweigerlich tritt Sophie somit in Konkurrenz zum Chefchirurgen. Nicht nur, dass sie medizinisch völlig unterschiedlich denken und handeln, "dank" Sophie und der neuen TCM-Stelle werden Dr. Wu Gelder, die er für sich beantragt hat, nicht bewilligt. Zudem wird die junge Ärztin in den Räumen seiner Abteilung untergebracht. Die beiden Ärzte treffen öfter aufeinander als ihnen lieb ist, doch über kurz oder lang müssen sie lernen miteinander umzugehen. Dass sich die beiden überaus attraktiv finden, macht die Sache nicht gerade einfacher. Und so nimmt das Konkurrenzspiel seinen Lauf. Zu den Fürsprechern Sophies gehört Professor Dr. Fritz, Chefarzt und Leiter der Klinik. Nicht zuletzt nach geschickter Intervention von Sophies eifrigfürsorglicher Mutter Margot ist er von der jungen Ärztin und deren Können besonders angetan und nimmt dadurch gar in Kauf, den erfolgreichsten Mediziner seiner Klinik zu verlieren. Denn Dr. Wu ist hin und her gerissen zwischen seiner Karriere im Klinikum und der lukrativen Idee einer eigenen chirurgischen Praxis. Dr. Georg Burger, Assistenzarzt der chirurgischen Abteilung, malt sich eine ansehnliche Zukunft ohne Dr. Wu aus, für dessen Stelle er sich Chancen ausrechnet.

Sophie behandelt unterdessen ihre Patienten so, wie sie es für richtig hält - mit Herz und Verstand und alternativ. Sie kümmert sich auch um Moritz, den pubertierenden Sohn des Starchirurgen, der seit dem Kindesalter unter Asthma leidet. Weder die Schulmedizin noch sein Vater konnte ihn bisher von seinen Leiden befreien - nun setzt seine Mutter Paula alle Hoffnung auf Sophies Heilkunst und die Traditionelle Chinesische Medizin, zum Entsetzen von Dr. Wu. Als Moritz aus Frust über das interesselose Verhalten seines Vaters plötzlich verschwindet und seine lebenswichtigen Medikamente nicht zur Hand hat, schlägt seine Mutter Alarm. Moritz erleidet einen Anfall - im letzten Moment ist Sophie zur Stelle und rettet ihm das Leben…

Darsteller
Dominic Raacke («Tatort») ist Dr. Hans Wunderlich
Christiane Paul («Die Welle») ist Dr. Sophie Schöner
Wotan Wilke Möhring («Das letzte Schweigen») ist Dr. Georg Burger
Esther Schweins («Die Anruferin») ist Paula Wunderlich
Gundi Ellert («Totentanz») ist Hanni Haberer
Anna Hausburg («Katie Fforde - Festtagsstimmung») ist Carli
Peter Lerchbaumer («Tatort») ist Prof. Dr. Jan Fritz
Susu Padotzke («Forsthaus Falkenau») ist Veronika Ramisch
Vincent Redetzki («Für Miriam») ist Moritz Wunderlich
Katrin Saß («Weissensee») ist Margot Schöner
Rike Schmid («Butter bei die Fische») ist Melanie Waldmann
Elena Uhlig («Mit Herz und Handschellen») ist Dr. Beate Schneller
u.a.

Kritik
Der ewige Kampf zwischen der Schulmedizin und weiterer alternativer Heilmethoden – hier der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) – bietet die Grundlage für den TV-Zweiteiler, den das ZDF ab Montag, den 20. September 2010, im Programm zeigt. X-Mal gehört, zigmal gesehen - wenig innovativ denkt man dann folgerichtig. Denn erwartungsgemäß wird in der letztendlichen Umsetzung auch kaum ein Klischee ausgelassen. Entschädigend wirkt allerdings der zugrunde gelegte Humor, den die Drehbuchautoren Harald Göckeritz («Tatort») und Gerlinde Wolf («Ladylike - Jetzt oder nie») nach einer Idee von Kathrin Richter («Der Kriminalist») und Gabriela Sperl («Die Flucht») in die Geschichte eingebaut haben. Ergebnis: im Stile alter Screwball-Komödien hetzen die Protagonisten damit durch 180 Minuten seichter, aber durchaus auch mal spritziger Handlung. Einzig die Länge der Produktion verwundert da ein wenig. Denn von Eventcharakter und ausgefallener Thematik ist hier nichts zu sehen.

Im Mittelpunkt stehen Christiane Paul als Dr. Sophie Schöner und Dominic Raacke als ihr „Kontrahent“ und potenzieller Loveinterest Dr. Hans Wunderlich. Beide Figuren verkörpern eine andere medizinische Weltanschauung und lassen das ihrem Gegenüber auch spüren. Wie das Ganze am Ende dann ausgeht – naja, 3x dürfen sie raten…
Sowohl Paul als auch Raacke überzeugen in ihren Rollen, harmonisieren vor der Kamera durchaus miteinander und man merkt ihnen auch an, welch Spaß es macht, diese Art von Komödie zu drehen. Raacke könnte man mit seinem Rollenbild sogar als deutsche Antwort auf «Dr. House» verstehen. Aber auch der Rest der Besetzung ist durchaus erlesen. Wotan Wilke Möhring agiert als Oberarzt Dr. Georg Burger sehr wohl auf Augenhöhe, mit u.a. Esther Schweins und Katrin Saß sind sogar die Nebenrollen prominent besetzt.

Neben guter und gutgelaunter Darsteller bekommt man als Zuschauer aber auch eine Menge verschiedener, mehr oder weniger realistische Krankheitsbilder zu sehen. Zudem wird der Klinikalltag samt Hierarchie- und Kompetenzgerangel als solches ganz gut dargestellt. Dabei hätte man an dieser Stelle ruhig noch mehr Wert auf Realismus legen können. Denn der Alltag auf Station ist um einiges härter.

Ausstattungstechnisch gibt es wenig bzw. gar nichts zu bemängeln. Aufwendige und zudem rechts viele Sets wurden in die Geschichte eingearbeitet, stets mit Liebe zum Detail versehen. Auch der Kameraarbeit von Peter Döttling kann man nur ein positives Zeugnis ausstellen. Die Darsteller werden ins rechte Licht gesetzt, der Mix aus Nah- und Gesamtszenenaufnahmen stimmt.

Wenn soviel positives berichtet wird, warum dann also ein so durchschnittliches Abschneiden am Ende? Im Grunde sind es dann doch der recht vorhersehbare Verlauf der Handlung und die arg ausgedehnt Sendedauer, die der Komödie von Vivian Naefe («Fünf-Sterne-Kerle inklusive») das Genick brechen. Mehr Mut zur Innovation, der eine oder andere unerwartete Twist in der Handlung – schon sähe es da wesentlich besser aus. So bleibt ein grundsolider Zweiteiler, den man sich gern mal anschauen kann und darf. Wunder darf man nur nicht zu viele Erwarten.

Das ZDF zeigt «Der Doc und die Hexe» am Montag, den 20. September 2010, um 20:15 Uhr. Teil 2 folgt am Mittwoch, den 22. September 2010 um 20:15 Uhr.

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