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Statistisch gesehen

Versunken im Hochsommerloch

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ProSieben füllt den Sommer wieder mit Fun-Trash zum kleinen Preis. Sehen wirklich so viel weniger Zuschauer fern als im Winter?

Statistisch gesehen werden in diesem Jahr knapp zwei Fünftel der Deutschen Urlaub im eigenen Land machen. Viele weitere sparen sich den Stress ganz und lassen sich die Laune lieber vom Sommerprogramm im eigenen Wohnzimmer verhageln.

Das deutsche Fernsehen ist wie jedes Jahr ins Sommerloch gefallen, was für viele Sender eine wahre Erleichterung ist, führt der Weg doch schließlich aus dem viel tiefer gelegenen WM-Loch heraus. Genau genommen, befinden wir uns schon länger im Sommerloch, den eines der sichersten Anzeichen war bereits im Mai zu sehen: Sat.1 startete die jährliche Wiederholung der Asterix-Reihe. Das Post-WM-Sommerloch oder viel schöner und allgemeiner ausgedrückt Hochsommerloch hingegen hat seine eigenen Erkennungsmerkmale. Eines davon: ProSiebens alljährlicher Versuch, mit obskuren Spielshows das sonnenstichgeplagte Publikum zu ködern. Bislang oft ein hoffnungsloses Unterfangen.

Oder erinnert sich noch jemand an «Giulia in Love?!» und das «Sommermädchen 2009»? Oder vielleicht an «Germany's Next Showstars» und «Deutschlands schrecklichste ...»? Eigentlich alles Sendungen, an die man sich auch überhaupt nicht erinnern möchte. So wie zum Beispiel «superspots - Die besten Clips im Umlauf» oder «Look of Love». Tatsächlich lief all das erst vor einem Jahr im Sommerloch- und Hochsommerloch-Programm von ProSieben. Überlebensrate statistisch gesehen gleich null. Zugegeben, «switch reloaded» und «Elton vs. Simon - Die Show» haben den harten Winter überlebt und kehren auf den Bildschirm zurück, aber die waren schon vor dem Sommer 2009 erfolgreich.

Und dieses Jahr? Der erste Anwärter auf den ProSieben-Sommerflop des Jahres ist bereits gestartet: Die Telefonscherze-Show «Phreak» lief äußerst durchwachsen und sofern die wenigen Zuschauer nicht blind und taub waren, dürften auch sie die Show in der nächsten Woche meiden. Während die Nonsens-Spielshow «Crazy Competition» sich zunächst sogar als moderater Sommerhit erwies, stehen die nächsten Bewährungsproben bereits an: Die mit C-Prominenz besetzte Softie-Version der US-Spielshow «Solitary» startet genauso wie «League Of Balls», die Mutprobenshow für echte Kerle.

Wie kommt das, dass im Sommer - vorsichtig formuliert - überwiegend Leichtgewichte der TV-Unterhaltung ins Rennen geschickt werden, die vermutlich nicht sonderlich viel gekostet haben? Wieviele Zuschauer fehlen im Vergleich mit dem Winterprogramm wirklich, weil sie die Abende lieber am Strand oder falls nicht vorhanden doch zumindest im Biergarten verbringen? Dazu eine 360-Grad-Wendung vom Trash-TV zu den Daily Soaps. Denn da diese das ganze Jahr über auf demselben Sendeplatz laufen und im Allgemeinen dieselbe Konkurrenz haben, lassen sich die saisonalen Veränderungen der Reichweiten besonders gut beobachten. Das hier sind die aus den Reichweiten und Marktanteilen von «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» berechneten Zahlen der Zuschauer, die jeweils insgesamt (also nicht bloß RTL) ferngesehen haben in den letzten sechs Monaten - und logischerweise zwischen 19.40 Uhr und 20.15 Uhr:



Woher die Delle in der Mitte kommt? Keine Ahnung. Hatten wir vielleicht gutes April-Wetter? Klingt nach einer ziemlich abenteuerlichen Erklärung. Im Allgemeinen zeigt sich das Sommertief aber überdeutlich. Seit Januar hat der Vorabend bald ein Drittel seiner Zuschauer verloren. Klar, die kommen wieder, aber eben erst wenn das Laub von den Bäumen fällt. Und dabei ist das nur der Vorabend und nicht die späteren Stunden, die im Winter bitterkalt und im Sommer angenehm lauwarm sind. Dazu ein Blick auf das schwierige sommerliche Umfeld, in dem sich ProSiebens «Crazy Competition» schlagen muss: Rund 9,8 Millionen Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren sahen während der ersten beiden Folgen überhaupt fern. Als man sich der Sender im Januar ebenfalls am Donnerstag an der Installation eines "Winterloch"-Programms aus «Die Model-WG» und «Jana Ina & Giovanni» versuchte, standen noch rund 13 Millionen fernsehbereite junge Menschen zur Verfügung - das ProSieben-Programm verschmähten sie jedoch in großen Teilen.

Das Sommerloch existiert also und kostet die Sender ein Viertel bis Drittel an potentiellen Zuschauern. Selbst Formate mit starker Zuschauerbasis trifft das. Der Verlauf der Reichweiten von «GZSZ» schaut so ähnlich aus wie die oben dargestellte Kurve. Viele Zuschauer pausieren offenbar im Sommer und steigen im Herbst wieder ein. Ein Verhalten, an das man bei Soap-Anhängern nicht unbedingt geglaubt hätte.

Wir müssen wohl einsehen: Weniger Zuschauer, weniger Werbung, weniger vernünftiges Programm. Aber vielleicht ist die Prophezeihung auch zu einem Teil selbsterfüllend. Vielleicht würden auch im Sommer mehr Leute fernsehen, wenn es tatsächlich etwas gäbe, was sich lohnen würde, einzuschalten. Ob wir es je erfahren werden?

Oft steckt mehr hinter den Zahlen des TV-Geschäfts als man auf den ersten Blick sieht. Oder weniger. Statistisch gesehen nimmt sie unter die Lupe.

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