Kino-Check

Neu im Kino: Kalenderwoche 17

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Ein schwuler Jim Carrey, Sandra Bullocks Schmach, andere Ligen und Miley Cyrus' Flucht vor Hannah Montana. Quotenmeter.de mit den Kinoneustarts der Woche.

«I Love You Phillip Morris»


Steven Jay Russel, Polizeibeamter und Familienvater, manövriert sich eines sonnigen Tages in einen verheerenden Verkehrsunfall. Verheerend nicht etwa, da sein physisches Ich zu Schaden kommt, sondern er endlich die Wahrheit in Augenschein nimmt: Steven ist so heterosexuell wie Daniel Radcliff talentiert ist. Die Vergangenheit als Cop zu seinem Vorteil nutzend, avanciert der allerorts begehrte Mann zu einem Con Artist, der mit Identitätsbetrug seinen neuen Lebenstil finanziert. Nach kurzer Zeit findet sich Russel in einer Vollzugsanstalt wieder, die große Liebe nur wenige Zellen entfernt: Phillip Morris wird sein Geliebter, doch nennenswert lange hält es Russel nicht hinter schwedischen Gardinen. Mit den simpelsten Einfällen entkommt er immer wieder aus dem Gefängnis.

Der Baustein für einen grandiosen Film ist mit dieser tatsächlich wahren Geschichte gelegt. Darüberhinaus steigert auch die Besetzung der Hauptrollen das Interesse: Jim Carrey und Ewan McGregor schlüpfen in die Rollen Russel und Morris – Kritiker bescheinigen den beiden bereits eine fantastische Chemie als Liebespaar. Ohnehin machte man die Beziehung der beiden zum Zentrum. Russels Ausbrüche sind im Film auf die Entlassung Morris' zurückzuführen, ohne den er einfach nicht sein möchte, während in der Realität schlicht die Freiheit und nicht zuletzt der alleinige Reiz im Vordergrund zu stehen scheinen. Regie führten John Requa und Glenn Ficarra, die seit Jahren gemeinsam Drehbücher schreiben («Bad Santa», «Cats & Dogs», «Die Bären sind los»). Auch für den Screenplay der ungewöhnlichen Romanze zeichnen sie sich verantwortlich, obwohl nähere Details Steve McVickers Buch «I Love You Phillip Morris: A True Story of Life, Love und Prison Breaks» entstammen. Neben dem Liebesabenteuer sollten auch die einzelnen Fluchtversuche unterhalten: Neben dem Entkommen durch Zivilkleidung und anderen Ideen, täuschte Russel 1988 vor, an AIDS erkrankt zu sein, ließ sich in ein Krankenhaus überführen, nahm die Identität eines Arztes an und informierte daraufhin die Strafanstalt von seinem angeblichen Tod. Ob er seine derzeigte 144-jährige Strafe absitzen wird, ist in zweifachem Sinne fraglich.

OT: «I Love You Phillip Morris» von John Requa und Glenn Ficarra; mit Jim Carrey, Ewan McGregor, Leslie Mann, Rodrigo Santoro und Antoni Corone.

«Verrückt nach Steve»


Wir schreiben das Jahr 1951. Präsident Truman beendet den Kriegszustand mit Deutschland, Phil Collins wird geboren und «All About Eve» räumt im Rahmen der Oscar-Verleihung gebührend ab: Mit sechs Academy Awards inklusive Bester Film, Beste Regie und Bestes Drehbuch wurde Joseph L. Mankiewiczs Arbeit ausgezeichnet und gilt auch noch zum heutigen Zeitpunkt als eines der bedeutensten Filmwerke. «All About Steve», dessen Titel eine Referenz zu dem Klassiker darstellt und hierzulande unter dem Namen «Verrückt nach Steve» vertrieben wird, machte ebenfalls von sich Reden, allerdings stets angesichts der markanten Defizite. Sandra Bullock und Bradley Cooper übernahmen die Hauptrollen der Komödie - letzterer ist spätestens seit «Hangover» der neue Favorit Hollywoods für amüsante Intermezzos und wird auch Steve mit Sicherheit hinreichend Charme verliehen haben. Das Problem liegt, neben der schlicht unergiebigen Story, bei Bullocks Figur Mary Horowitz. Bereits in der kurzen Laufzeit des Trailers bleibt der Aufbau von Sympathie erfolglos. Keine Überraschung also, dass sie für ihr Porträt mit der Goldenen Himbeere bedacht wurde, dem Anti-Oscar. In fünf Kategorien nominiert, erhielt «Verrückt nach Steve» auch die Ehrung für das schlechteste Leinwandpaar. Mit einer Menge Humor nahm Bullock den Preis persönlich entgegen und pochte darauf, wirklich die schlechteste Leistung abgeliefert zu haben. Der folgende Tag brachte daraufhin einen Oscar für «The Blind Site» mit sich.

Drehbuchautorin Kim Barker und Regisseur Phil Traill haben sich für ihr Spielfilm-Debut defintiv keinen Gefallen getan, die Handlung des Filmes lässt zu wünschen übrig: Mary, die auf beruflicher Basis Kreuzworträtsel entwirft, wird mit Kameramann Steve verkuppelt, der an ihrer Art jedoch keinerlei Gefallen findet. Doch sein Gegenüber ist hin und weg und beschließt ihrem Geliebten gänzlich zu folgen, unerheblich wohin es ihn auch ziehen mag. Steves Mitarbeiter Hartman (Thomas Haden Church) macht sich einen Spaß aus der Angelegenheit und behauptet, sein Kollege habe etwas für Stalkerin Mary übrig. Das einzig Überraschende an «Verrückt nach Steve» dürfte das Ende des Filmes sein. Den Großteil des Publikums wird es vermutlich auch zufrieden stellenn, denn so hart es auch klingt: Kein Mann sollte mit einer Frau wie Mary gestraft werden.

OT: «All About Steve» von Phil Traill; mit Sandra Bullock, Bradley Cooper, Thomas Haden Church, Ken Jeong und DJ Qualls.

«Mit dir an meiner Seite»


«The Untitled Miley Cyrus Project», wie «Mit dir an meiner Seite» zu Beginn der Produktion noch genannt wurde, feiert hierzulande annähernd einen Monat nach der Veröffentlichung in den Vereinigten Staaten seine Premiere. Im amerikanischen Original lautet der Titel «The Last Song» nach Nicholas Sparks gleichnamigen Bestseller. Eben dieser wurde allein für einen Zweck verfasst: Um einen Film mit Miley Cyrus daraus zu fertigen, mit dessen Hilfe die junge Darstellerin ihren «Hannah Montana»-Status schließlich ablegen und gänzlich in das Filmgeschäft einsteigen könne. Eigentlich wurde der Roman selbst erst nach dem Screenplay angefertigt. Letzterer entstand durch Sparks und seinen ehemaligen College-Mitbewohner Jeff Van Wie. Angeregt wurde alles von Cyrus selbst, die in einem Gespräch mit der Disney-Führungsetage über ihre Zukunft verhandelte und zu Protokoll gab, einen Film drehen zu wollen, der «Nur mit Dir – A Walk to Remember» ähneln sollte. Diesem wiederum liegt ein Buch Sparks zu Grunde, der daraufhin kontaktiert und engagiert wurde. Ein durchaus ungewöhnlicher Anlauf für eine Teenager-Romanze, deren Entstehen im Folgenden mit nicht wenigen erwähnenswerten Ereignissen einherging. Zuerst wurde Julie Anne Robinson zur Regisseurin ernannt. Eine Frau, die mit Episoden der Serien «Blackpool» und «Viva Blackpool» ihren Ruf festigte und anschließend mit «Grey's Anatomy» sowie «Big Love» nachlegte. «The Last Song» ist ihr Spielfilmdebut, das aus Sicht der Iszenierung sicherlich Haltung bewahrt. Wie inzwischen so gut wie jeder Erdenbürger weiß, haben sich Cyrus und Co-Star Liam Hemsworth am Set verliebt – eher unbekannt ist, dass Autor Sparks kurzzeitig am Talent des Sternchens zweifelte. Nachdem er den Screenplay beendet hatte, stellte sich dem 44-Jährigen die Frage, ob eine 16-Jährige, die bisher lediglich für den Disney Channel gearbeitet hat, der seiner Ansicht nach recht komplexen Rolle gerecht werden könnte. Beantworten wird diese Frage die Quotenmeter.de-Kinokritik am Freitag.

Veronica 'Ronnie' Miller (Disney ließ den Charakter von Cyrus umtaufen, zuvor war von Kirby die Rede) leidet schwer unter der Scheidung ihrer Eltern. Ihre Antwort: Rebellion. Auch von der Tatsache, die Ferien im Strandhaus ihres Vaters (Greg Kinnear) verbringen zu müssen, ist sie wenig begeistert. Doch als sie sich in Will (Hemsworth) verliebt, wendet sich das Blatt für die musikalisch begabte Dame. Die gute Nachricht ist, dass die Nebenrollen mit Greg Kinnear, Kelly Preston, Bobby Coleman und Carly Chaikin ausgezeichnet besetzt sind. Das kann man wahrlich nicht von besonders vielen Filmen des Genres behaupten. Ob Miley allerdings Hannah entkommen kann, ist eine andere Frage. Fans dürfen sich immerhin auf ein neues Lied namens 'When I Look at You' freuen, das ursprünglich für ihr nächstes Album geschrieben wurde.

OT: «The Last Song» von Julie Anne Robinson; mit Miley Cyrus, Greg Kinnear, Liam Hemsworth, Kelly Preston und Bobby Coleman.

«Zu scharf um wahr zu sein»



Vom ewigen Nebendarsteller zur Hauptrolle: Jay Baruchel, der in näherer Vergangenheit durch Engaments in «Numb3rs», «Beim ersten Mal», «Fanboys» und nicht zuletzt «Tropic Thunder» auf sich aufmerksam machte, tritt mit «Zu scharf um wahr zu sein» weitaus deutlicher ins Rampenlicht. Dem Film mag vermeintlich eine kalkulierbare Gagdichte beschieden sein, doch um solide Comedykost handelt es sich wohl zweifellos; das angemesse Timing für das Genre hat Baruchel immerhin mehr als einmal unter Beweiß gestellt. An seiner Seite spielt Alice Eve, die in diversen britschen und amerikanischen Fernseh- und Kino-Produktionen mitwirkte, wobei sie mit «Crossing Over» mit Harrison Ford ihren bislang größten Coup landete. Weniger bekannt aber nicht minder gelungen sind ihre ersten Erfolge «Big Nothing» und «Starter for 10» (Beide 2006). Ergänzt wird der Cast unter anderem durch Mike Vogel («Cloverfield») und Krysten Ritter, die vor Kurzem in der zweiten Staffel «Breaking Bad» einen bleibenden Eindruck hinterließ. Für Regisseur Jim Field Smith markiert «Zu scharf um wahr zu sein» ebenfalls einen Schritt auf neues Terrain. Zuvor meist als Comedian in verschiedenen Radiosendungen und Fernsehformaten unterwegs, setzte Smith auch einige Werbekampagnen für Burger King oder AOL in Szene.

Das Drehbuch schrieb Sean Anders, der im Jahr 2005 mit «Never Been Thawed» in den Funktionen des Schauspielers, Regisseurs und Autors die Kritiker auf ganzer Linie überzeugte. Weniger honoriert sind hingegen seine folgenden Filme «Spritztour» und «Hot Tub Time Machine». «Zu scharf um wahr zu sein» dreht sich um Kirk, einen Sicherheitsangestellten des Pittsburgh International Airports, der das Glück hat, der wunderschönen Molly das am Flufhafen vergessene Mobiltelefon zurückzugeben. Die beiden werden wider Erwarten ein Paar, was nicht nur die Familien und Freunde, sondern auch Kirk selbst erstaunt. Doch an seinen Bemühungen, seiner Freundin etwas Aufregendes zu bieten, könnte die Beziehung letztlich scheitern.

OT: «She's Out of My League» von Jim Field Smith; mit Jay Baruchel, Alice Eve, Krysten Ritter, T.J. Miller, Mike Vogel und Linsay Sloane.

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