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Sonntagsfragen

Sonntagsfragen an Michael C. Hall

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«Dexter»-Star Michael C. Hall sprach mit Quotenmeter.de über den US-Autorenstreik, den Ausflug ins Networkfernsehen und natürlich darüber, ob man eine Serie mit einem sympathischen Serienkiller machen darf.

Waren Sie eigentlich schon zuvor einmal in München?
Ja, das ist aber schon etwa 20 Jahre her. Ich weiß noch, dass ich mir damals eine Rokoko-Kirche angesehen habe. Das war bei einer Tour durch Europa.

Eigentlich hätte im Münchner Hofbräuhaus ein Fotoshooting stattfinden sollen. Das war den Betreibern dort aber nicht ganz recht. Verstehen Sie das?
Eigentlich schon. Andererseits spiele ich nur einen Serienkiller – ich bin ja keiner. Ich hoffe aber, dass ich dort heute Abend noch ein Bier trinken darf.

Macht es eigentlich Spaß am Set Menschen umzubringen?
Ja! Das ist ein tolles Gefühl. Ich glaube, jeder Schauspieler mag es, in seiner Rolle von sich möglichst weit wegzukommen. Und die Handlungen von Dexter sind mir doch sehr fremd. Deshalb finde ich die Rolle auch so interessant, das ist ein ganz anderes Level als das, was ich zuvor gemacht habe. Sie müssen sich vorstellen: Am Set ist uns manchmal auch langweilig: Sie drehen eine Szene, in der Sie nach Feierabend zu Hause sitzen, Sie drehen eine Szene, in der sie sich unterhalten und dann dürfen Sie jemanden umbringen. Natürlich ist das spannender.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Ich habe mit Forensikern und Polizisten gesprochen. Als wir den Piloten drehten, lebte ich noch in New York. Manchmal habe ich Menschen, die dort allein auf den Straßen waren, verfolgt. Ich bin ihnen nach Hause nachgelaufen – also nicht bis ins Haus rein und ich habe sie auch nicht umgebracht (lacht). Ich habe zudem Bücher über Serienkiller gelesen und mir ist so immer bewusster geworden, dass die Figur Dexter ein fantastischer Charakter ist.

Wie wichtig sind für Sie die Einschaltquoten?
Wir erzählen Geschichten und hoffen, dass die Menschen sie ansehen. Im Fall von «Dexter» tun dies mehr und mehr Menschen. Allerdings haben wir bei Showtime mehr künstlerische Freiheit, weil Showtime sich nicht nur durch Werbung finanziert.

Im Sommer lief «Dexter» bei CBS – die Quoten waren nicht so toll. Waren Sie enttäuscht?
Ich war nervös. Der Autorenstreik hatte dazu geführt, dass CBS «Dexter» ins Programm nahm. Ich hatte bei «Dexter» aber unterschreiben, weil wir auf einem kleinen Sender zu sehen sind – und deshalb war ich dann irgendwo auch froh, dass wir nicht die ganz große Aufmerksamkeit bekamen. CBS hätte sich das Format sonst geangelt, hätte vielleicht gesagt, dass Jeniffer Carpenter nur noch die Hälfte sagen darf – es hätte Werbeunterbrechungen gegeben. Ich glaube, der Ausflug zu CBS war eine Chance die Serie neuen Zuschauern näherzubringen. Und all die können sie künftig bei Showtime sehen.

Darf man denn einen sympathischen Serienmörder zeigen?
Das ist der Reiz der Serie. Ich glaube nicht, dass die Menschen «Dexter» mögen, weil er ein Serienkiller ist. Ich glaube, dass sie das Leben mögen, das er lebt. Dexter ist eine interessante Figur. Die Show inspiriert viele – wir alle haben unsere Schattenseiten und wir alle fürchten uns vor schattigen Plätzen. Dexter ist da ähnlich und doch anders – das macht es interessant. Zudem beschäftigen sich viele Zuschauer auch intensiv mit der Frage, ob sie Dexter jetzt mögen sollen oder ihn doch sehr „strange“ finden.

Ist «Dexter» denn für Sie ein Held?
Das kommt ganz darauf an. Ganz wie man es sehen will: Vielleicht ist er ein Held, vielleicht ist er aber auch ein kaltblütiger Psychopath. Er hat in jedem Fall einen interessanten Charakter.

Gibt es Gemeinsamkeiten? Also Sie sind sicher kein Serienmörder, aber haben Sie Ähnlichkeiten?
Ein Schauspieler und seine Figur haben immer Ähnlichkeiten - «Dexter» ist auch eine Version von mir.

Beneiden Sie Dexter manchmal?
Er ist ein sehr aktiver Mensch. Da wäre ich gerne ähnlich wie er.

Wie beeinflussen Sie denn persönlich die Geschichten, die in «Dexter» erzählt werden.
Es ist ja so, dass ich mich wie kaum ein anderer mit der Figur Dexter beschäftige. Deshalb weiß ich sehr gut, wie «Dexter» denkt und fühlt. Seit Staffel 3 bin ich nun auch Produzent der Serie und kann somit die Entwicklung mit bestimmen. Die Autoren freuen sich über diesen weiteren Input. Ich lege zum Beispiel viel Wert auf die Voice-Over-Elemente – da erfährt der Zuschauer sehr wichtige Dinge.

Showtime hat eine vierte und fünfte Staffel bestellt. Können Sie sich denn auch eine sechste vorstellen?
Als wir die erste Staffel beendet haben, konnte ich mir keine zweite vorstellen. Aktuell beschäftige ich mich nur mit Staffel vier, denke noch nicht einmal an Staffel 5.

Stört es Sie, dass es Menschen gibt, die Michael C. Hall jetzt nur noch als Dexter sehen?
Das ging mir bei David Fisher aus «Six Feet Under» genauso. Ich glaube, David Fisher war Dexters erstes Opfer (lacht). Aber ich verstehe es, wenn Menschen mich jetzt stark mit der Rolle des Dexter Morgan verbinden.

Wie schwer ist es denn, eine Figur ohne Emotionen zu verkörpern?
Das war das Schwierigste zu Beginn. Im Endeffekt war genau das aber der Reiz – Dexter ist keine normale Rolle. Und genau das ist auch einer der Gründe, warum mir die Arbeit so viel Spaß macht.

Schwuler Bestatter, Serienkiller… würden Sie nicht einmal gern eine normale Rolle spielen?
Ja, das habe ich zu meinem Agenten auch schon gesagt. Einen normalen Mann möchte ich gerne spielen. Vielleicht einen Doktor, der sich verliebt. Oder einen Bienenzüchter. Natürlich müssen in der Geschichte trotzdem außergewöhnliche Dinge passieren, aber jemand Normalen würde ich wirklich gerne einmal spielen.

Welche Veränderungen beobachten Sie als Schauspieler derzeit im US-Fernsehen?
Es gibt weniger Drama-Serien, für den Sommer sind viele Reality-Programme angekündigt. Ich bin froh, dass ich zu einer anderen Zeit ins Fernsehgeschäft eingestiegen bin und ich bin glücklich, dass ich für einen Bezahlsender arbeiten darf. Ich darf noch wirkliche Charaktere spielen. Darüber bin ich wirklich dankbar.

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben und alles Gute. Im Übrigen: Für alle Fans der Serie, die die zweite Staffel noch nicht kennen: Am kommenden Wochenende wiederholt Premiere alle Episoden.

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