Die Kritiker

«Schade um das schöne Geld»

von

Story


In dem verschlafenen Örtchen Greetsiel in Ostfriesland bleibt den Bewohner neben großen Träumen von einem besseren Leben nur der Alltagstrott: Die schwangere Mirabel und ihre Freundin Gloria belegen in der örtlichen Fischfabrik Tiefkühlpizza, ihr Chef Klaas Jonkers plagt sich mit seiner Ehefrau, während er ein Verhältnis mit Gloria hat, der Bademeister Menno träumt insgeheim vom Surfen im Atlantik, Bruno möchte als Busfahrer endlich Anerkennung finden und Mirabels Brüder, die Jonkers Fischmüll illegal in der Nordsee entsorgen, wären lieber in Florida.

Die glücklose Situation scheint sich zu wenden, als die Tippgemeinschaft von Kioskbesitzer Arie Tammen überraschend den Lottojackpot in Höhe von 25 Millionen Euro gewinnt. Doch statt Freude herrscht schon bald Frust: Mirabel, Menno und die Brüder Piet und Jimmy werden vom Gewinn ausgeschlossen. Während Menno mit Gloria anbandelt, um an den Millionen beteiligt zu werden, schmiedet Mirabel mit Busfahrer Bruno einen tollkühnen Plan, um die habgierigen Mitspieler um ihr Geld zu bringen und um sich an Gloria zu rächen, die eine Zukunft mit dem Vater ihres Kindes plant.

Darsteller


Heike Makatsch («Keine Lieder über Liebe», «Tatsächlich... Liebe») ist Mirabel Blinker
Uwe Ochsenknecht («Das Boot», «Die Wilden Kerle») ist Klaas Jonkers
Armin Rohde («Kleine Haie», «Lola rennt») ist Walter Zotebier
Christian Ulmen («Mein neuer Freund», «Dr. Psycho») ist Bruno Karras
Cosma Shiva Hagen («7 Zwerge», «Speed Racer») ist Gloria Hasselt
Ingo Naujoks («Tatort» als Martin Felser, «Lauf um dein Leben») ist Piet Blinker
Milton Welsh («Antikörper») ist Jimmy Blinker
Catrin Striebeck («Gegen die Wand») ist Adele Jonkers
Marc Hosemann («Liebe Deine Nächste», «Investigating Sex») ist Menno Düül
Gustav Peter Wöhler («Das Wunder von Lengede», «7 Zwerge») ist Arie Tammen

Kritik


Knauserigkeit kann man Lars Beckers Film mit dem biederen Namen «Schade um das schöne Geld» wahrlich nicht vorwerfen. Mit Heike Makatsch als schwangere Arbeitern Mirabel, Uwe Ochsenknecht als Unternehmer Klaas Jonkers, Armin Rohde als Dorfbürgermeister Walter Zotebier, Christian Ulmen als hilfsbereiten und chronisch verspäteten Busfahrer Bruno, Cosma Shiva Hagen als Gloria und Ingo Naujoks als zwielichtiger Piet gibt sich die eingeschworene deutsche Schauspielprominenz die Ehre und im Film gegenseitig die Klinke in die Hand.

Die Voraussetzungen stimmen, die Handlung auch: In einem kleinen Kaff gewinnen einige Tagträumer den großen Lottojackpot, aber nachdem sich Bürgermeister Zotebier, Unternehmer Jonkers und Kioskbesitzer Arie Tammen als habgierige Aufschneider gebärden und die Hälfte der Tippgemeinschaft wegen unbezahlter Lottoscheine vom Gewinn ausschließen, ist der Ärger groß. Bademeister Menno, Exfreund von Mirabel und Vater ihres Kindes, versucht über eine Beziehung zu Gloria, vom Gewinn zu profitieren. Mirabel und Busfahrer Bruno versuchen derweil, die anderen Teilnehmer mit einem raffinierten Plan zu hintergehen und sich an Gloria und Menno zu rächen.

Komisch ist der Film dabei nur am Rande. Martin Brambach hat als Bankangestellter, der sich köstlich über Düüls Bademeistergetue amüsiert, eine überzeugend witzige Gastrolle; in der Hauptbesetzung spielt Marc Hosemann als stereotyper Ostfriese Menno Düül den einzig ansatzweise witzigen Part im Film, der den Zuschauer an und zu schmunzeln lässt. An einen Oliver Krüdener oder Oliver Törner, die in der Sat.1-Serie «Deich TV» trockenen norddeutschen Humor abfeiern, reicht die Charakterdarstellung aber längst nicht heran. Damit befindet sich Hosemann in bester Gesellschaft: Trotz einstündigem Vorgeplänkel bleiben alle Protagonisten erstaunlich oberflächlich und wirken in ihren großen und kleinen Schicksalen und Beziehungen leider oft zu bemüht. Der raffinierte Plan von Mirabel und Bruno wird als eigentlicher Höhepunkt des Films in einer knappen halben Stunde abgehandelt, die sich nach der Langatmigkeit der Einleitung aber erstaunlich frisch und verhältnismäßig temporeich zeigt.

Am Ende bleibt ein aus vielen Handlungssträngen zusammengewürfelter Film, der sich zu spät auf seine Hauptmotive besinnt. Dabei ist der ZDF-Montagsfilm nicht schlecht, aber wirklich spannend oder witzig ist die wirre Millionenjagd trotz prominenter Besetzung auch nicht. Die belanglosen Geschichten rund um die Dorfbewohner bleiben in ihrer zeitraubenden Ausführlichkeit ohne Tiefe und langweilen den Zuschauer mehr als dass sie zur Einheitlichkeit der Handlung beitragen würden. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen.

Das ZDF zeigt «Schade um das schöne Geld» am 16. Februar 2009 um 20:15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/33163
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