Die Kino-Kritiker

«Marie Curie - Elemente des Lebens» – Eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus war

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Die Biografie der Physikerin ist mit Rosamund Pike hochkarätig besetzt. Wir sahen den Film.

Im Corona-Jahr gab es schon etliche sogenannte ‚Biopics‘, die sich mit dem Leben und Schaffen berühmter Wissenschaftler Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts beschäftigten. Neben den Elektrizitätsgenies Nikola Tesla («Tesla» mit Ethan Hawke in der Titelrolle) und Thomas Edison («Edison – Eine Liebe voller Licht» mit Benedict Cumberbatch) sticht dabei vor allem Marie Curie heraus. Die polnisch-französische Physikerin (1867-1934) entdeckte gemeinsam mit ihrem Ehemann die Elemente Polonium und Radium und prägte den Begriff Radioaktivität.

In dem Film «Marie Curie – Elemente des Lebens» wird sie von Rosamund Pike («Gone Girl») dargestellt. Als Vorlage diente Regisseurin Marjane Satrapi («Persepolis») der Comicroman „Radioactive: Marie & Pierre Curie: A Tale of Love and Fallout“ von Lauren Redniss. Allein aus diesem Umstand ist der Beweis erbracht, wie sehr diese vor 100 Jahren tätige Wissenschaftlerin in unsere heutige Zeit passt. Sie war eine fortschrittliche Frau, und zwar auf allen Ebenen. All das möchte dieser Film vermitteln, der ursprünglich im Frühjahr ins Kino kommen sollte, dann im Sommer gestartet wurde und nun bereits im Angebot der Streamingdienste steht.

Zwischen Wissenschaft und Liebe
1891 emigriert Marie Sklodowska (Rosamund Pike) nach Frankreich, um in Paris Physik zu studieren. Doch sie wird angefeindet, nicht nur wegen ihrer Herkunft, sondern vor allem, weil sie eine Frau ist. Denn die Wissenschaft wird von Männern dominiert, die kein weibliches Wesen ertragen können, das vielleicht auch noch klüger als sie ist. Einzig Pierre Curie (Sam Riley) ist von ihr fasziniert. Die beiden verlieben sich, heiraten und forschen fortan zu zweit.

Dabei müssen sie zunächst etliche Rückschläge hinnehmen, bis sie mit einer Entdeckung die Welt revolutionieren. Die Elemente Radium und Polonium bieten viele Möglichkeiten, sie sind aber zugleich Segen und Fluch, weil die radioaktiven Strahlen ebenso gefährlich sind. 1903 winkt der Nobelpreis, doch Marie fühlt sich als Frau zurückgesetzt. Als Pierre bei einem Unfall zu Tode kommt, erfordert es doppelte Kraftanstrengung für die Witwe, weiter zu forschen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, reist sie mit einem Röntgenwagen bis an die Front, um Soldaten das Leben zu retten.



Ein starkes Frauenporträt
Marjane Satrapi versucht, möglichst alle Facetten ihrer Heldin zu erfassen. Marie Curie, die Wissenschaftlerin, die Frauenrechtlerin, die Ehefrau, die Mutter und die Lebensretterin. Damit hat sie sich für einen Zwei-Stunden-Film mehr vorgenommen als sie erfüllen kann. Keine Frage, Rosamund Pike gibt alles, um Marie Curie gerecht zu werden. Sie spielt dabei auch eigenwillige Charakterzüge ihrer Figur aus, die nicht immer sympathisch wirken, aber stets zum Ausdruck bringen, dass sie sich nichts gefallen lässt. Dass hinter der hartgesottenen Forscherin auch eine empfindsame Ehefrau, Mutter und Geliebte, steckte, kommt im Film oft zu kurz. Womöglich hätte man nicht alle Stationen ihres Lebens abhandeln müssen, insofern wirkt „Marie Curie – Elemente des Lebens“ schon wie ein klassischer, wenig innovatives Biopic. Trotzdem verliert man als Zuschauer nie das Interesse an ihr.

Ihre Höhen und Tiefen, ob privat oder beruflich, füllen den Film aus. Ebenso wichtig sind Satrapi die wissenschaftlichen Erklärungen, um auch Nicht-Wissenschaftlern nahezubringen, was Marie Curie über ihre Generation hinaus geschaffen hat. Damit bedient sich die Regisseurin eines Tricks, um immer wieder Bezüge zur Gegenwart herzustellen. Zwischen Handlungsszenen sind Ausschnitte zu sehen, welche Folgen Curies Entdeckungen für die nächsten Jahrzehnte hatte. Positive Bilder, wie Röntgenstrahlen zur Erkennung von Krebserkrankungen eingesetzt werden, wechseln mit apokalyptischen Bildern über den ersten Atombombenabwurf und die Katastrophe von Tschernobyl.



In letzter Konsequenz funktioniert der Film mit dem, was er erzählen möchte, und wer sich darauf einlässt, die dramaturgischen Schwächen annehmen kann, erlebt ein starkes Frauenporträt. Nicht zuletzt wegen Rosamund Pike, die sich vom schurkischen Bond-Girl in «Stirb an einem anderen Tag» zu einer ernsthaften Schauspielerin entwickelt hat, die in David Finchers «Gone Girl» ebenso begeisterte wie an der Seite von Daniel Brühl in «7 Tage in Entebbe».

Fazit: Ein umfassendes Filmporträt über eine starke Frau. Etwas überladen und ein wenig konservativ umgesetzt, aber faszinierend genug, um Marie Curie kennenlernen zu wollen.

«Marie Curie - Elemente des Lebens» gibt es aktuell bei vielen Diensten zum Leihen oder Kaufen.

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