Die Kritiker

«Trackers - Rote Spur»

von

Die vom ZDF koproduzierte Serie aus Südafrika gefällt durch ihre erzählerische Vielfältigkeit.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
James Gracie als Lemmer
Sandi Schultz als Janina
Rolanda Marais als Milla
Ed Stoppard als Lucas
Trix Vivier als Flea
Thapelo Mokoena als Quinn
Avital Lvova als Jessica

Hinter der Kamera:
Produktion: Three River Fiction und Scene23
Drehbuch: Jozua Malherbe, Amy Jephta und Kelsey Egan
nach dem Roman von Deon Meyer
Regie: Jyri Kähönen
Kamera: Ivan Strasburg
Um eine Floskel zu bemühen: Südafrika ist ein Land der Gegensätze. Dort treffen einige der größten und bekanntesten Metropolen des Kontinents auf weite, endlose Nationalparkprärie, und eine von Rassismus geprägte Vergangenheit auf die stabilste schwarze Mittelschicht Afrikas. Bei dieser Vielfalt und Gegensätzlichkeit macht es vielleicht sogar Sinn, dass «Trackers – Rote Spur», einer der bekannteren Serien-Exporte des Landes, mit zahlreichen, unterschiedlichen Plots beginnt, deren innerer Zusammenhang erst nach und nach ersichtlich wird:

Der fiktive Geheimdienst PBI heuert die Journalistin Milla (Rolanda Marais) an, die aus einer gewalttätigen Ehe ausgebrochen ist. In ihrem neuen Job macht sie sich nun sofort nützlich und recherchiert eifrig einer dilettantischen radikalislamischen Zelle hinterher, die irgendetwas Großes im Schilde führt. Millas Chefin will jedoch nicht zu früh Alarm auslösen – schließlich steht nun die ganze Behörde zur Disposition, nachdem sich der letzte terroristische Plan als Finte entpuppt hat.

Derweil lässt sich der gutaussehende und schweigsame Lemmer (James Garcie) von seinem ungelenken jüngeren Partner durch die brütende Hitze des Krüger-Nationalparks kurven. Eigentlich will er mit den illegalen Warentransporten über die Grenze von Simbabwe schon länger nichts mehr zu tun haben. Doch das aktuelle Angebot ist zu verlockend. So wuchten die Beiden zusammen mit der Tierärztin Flea (Trix Vivier) dann irgendwann mitten in der Nacht ein Paar Nashörner auf ihren Truck – und der nächste Hinterhalt lässt sicher nicht lange auf sich warten.

Wenig später wird mitten in Kapstadt ein Amerikaner von zwei Kriminellen aus seinem Sportwagen gezerrt. Als einer der Gangster sich in das nächste Township flüchtet, setzt der Ami ihm nach und schafft es sogar, den Namen des Hintermannes aus dem Typen rauszubekommen – den er sofort anruft, um sich die Unmengen Bargeld wiederzubeschaffen, die sich in seinem gestohlenen Auto befanden. Nach einem unbescholtenen Touristen aus Übersee klingt das eher nicht…

Obwohl dieses Nebeneinander (scheinbar) völlig verschiedener Handlungselemente zu Beginn allzu diffus wirkt, gelingt es «Trackers» doch alsbald, diese Plots ziemlich elegant miteinander zu verweben und dabei auch inhaltlich glaubwürdig zu bleiben. Ebenso gefällt, dass sich die Serie zügig von allzu überreizten Klischees trennt. Denn die emotional stärkste und gefassteste Figur ist jene Frau, die sich jahrelang von ihrem gewalttätigen Ehemann hat demütigen lassen. Sehr filigran und trotzdem angenehm nachdrücklich verdeutlicht uns die Serie mit dieser Erzählung, dass – entgegen einem weiterhin landläufig bestehenden Bild – eben kein Widerspruch darin besteht, eine toughe, belastbare, aufmerksame Persönlichkeit zu sein und doch Opfer von (häuslicher) Gewalt zu werden.

Gleichzeitig gefällt der sinnvoll getaktete Vorwärtsdrang, mit dem «Trackers» seine Geschichte erzählt, auch wenn sich aus manchen Wendungen im weiteren Handlungsverlauf zusehends unnötige Wiederholungen ergeben und manche Plot Devices zunehmend stereotyp anmuten: lange Observierungen, Maulwurfsjagden und etwas zu theatralisch inszenierte Showdowns vor pittoresker Kulisse.

Das ZDF zeigt drei Folgen von «Trackers – Rote Spur» ab Montag, den 5. Oktober 2020, jeweils ab 22.15. Alle Folgen sind bereits in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Kurz-URL: qmde.de/121757
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