Die Kritiker

«Single Parents»: Eine Wohlfühl-Serie wie aus dem Bilderbuch

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Die neue Eltern-Comedy «Single Parents» feiert in dieser Woche Deutschlandpremiere bei Sky One. Wir haben in die ersten beiden Folgen vorab reingeschaut …

Facts zu «Single Parents»

  • Schöpfer: Elizabeth Meriwether («New Girl») & JJ Philbin («The O.C.»
  • Staffeln: 2
  • Episoden: 45 (26.9.2018-13.5.2020)
  • Produktion: Elizabeth Meriwether Pictures, JJ Philbin Productions, ABC Studios, 20th Century Fox Television
Sky One hat in letzter Zeit einiges in neue Serien investiert, unter anderem im Comedy-Bereich: Neben «The Unicorn» und «Schooled» kommt nun noch «Single Parents» neu dazu – eine kurzlebige Elternkomödie von ABC, die nach nur zwei Staffeln und 45 Folgen im Mai ein jähes Ende fand. In den USA haben zum Schluss nicht mal mehr zweieinhalb Millionen Menschen zugesehen.

Viel wird Sky One also nicht von dem Format haben, dennoch können sich zumindest solche Serienfans über die Deutschlandpremiere freuen, die auf eine kuschelige Wohlfühl-Serie gewartet haben, die man mal so „Nebenbei“ konsumieren kann – denn genau diese Qualität hat «Single Parents». Die Handlung der Pilotfolge ist schnell erzählt und erfordert keine Aufmerksamkeit von 100 Prozent, was ja in Zeiten von hochkomplex erzählten Serien wie «Westworld» oder «Dark» nicht immer schlecht sein muss.

Alles beginnt damit, dass der alleinerziehende Will Cooper (Taran Killam, «New Girl») Elternvorstand („room parent“) der Klasse seiner kleinen Tochter Sophie wird. Mit viel Enthusiasmus stürzt er sich in diese neue Aufgabe und macht auch gleich in seiner Eröffnungsrede keinen Hehl daraus, Single zu sein. Das bedeutet für ihn: Viel Zeit und Energie in dieses Ehrenamt zu stecken. Und dafür zu sorgen, dass die Eltern voll mit eingebunden werden.

Das gefällt einer eingeschworenen Clique aus Single-Müttern und Single-Vätern überhaupt nicht: Sie wollen den Neuen deswegen dazu bringen, auf ein Date zu gehen, um ihn loszuwerden. Also schmieden Angie (Leighton Meester, «Gossip Girl»), Douglas (Brad Garrett, «‘Til Death»), Poppy (Kimrie Lewis, «Scandal») und Miggy (Jake Choi) einen Plan, wie sie Will unter die Haube bringen können. Für Charakterarbeit bleibt da wenig Zeit, es geht direkt in die Vollen. Nach und nach merkt die Truppe, wie sehr Will sich in seiner Elternrolle verloren hat – dafür spricht nicht nur, dass seine Wohnung voller Kindersachen ist. Auch das Verhalten, das er an den Tag legt, passt dazu.

Das führt zwar zu einigen Schmunzel-Momenten. Leider fehlt es «Single Parents» an Tiefe, bei entscheidenden Momenten – etwa wenn Will davon erzählt, wie er die Zweisamkeit vermisst – ist im Zweifel der schnelle Gag wichtiger. Nun gut, als Comedyserie für Zwischendurch ist das sicherlich verkraftbar. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass die Figuren zumindest in den ersten Folgen unterm Strich zu schablonenhaft bleiben. Will wird beinahe karikaturhaft naiv und schusselig dargestellt – auch was seinen Umgang mit Frauen angeht. Wie sich die Gruppe gefunden hat und was sie verbindet, das erfährt man zunächst nicht. Auch die Tatsache, dass Will so schnell eingebunden wird, muss man wohl einfach schlucken, um «Single Parents» gucken zu können. Zugutehalten kann man der Serie so wenigstens, recht kurzweilig zu sein.


Weitere Stereotypen in «Single Parents»: Der großkotzige Geschäftsmann Douglas, der nur wenig von seinen Gefühlen zeigen will und sich dementsprechend schwertut, eine Männerfreundschaft mit Will einzugehen. Angie, die Bindungsangst hat und ihr Mutterdasein gerne als Ausrede dafür benutzt, keine Zeit für engere Beziehungen zu haben. Der verpeilte und jung gebliebene Miggy, dessen Traumberuf es ist, Starkoch zu werden. Poppy, die vor Selbstbewusstsein strotzt, sich aber sorgt um ihren Sohn, der ohne eine Vaterfigur aufwächst. Das ist alles bestimmt nichts Innovatives, was da bei «Single Parents» aufgefahren wird. Trotzdem macht es von Beginn an den Eindruck, dass das Ensemble stimmig und eingespielt ist. Hinzu kommt, dass «Single Parents» einen liebevollen Umgang mit seinen Figuren pflegt. Die Kinderdarsteller wissen zu überzeugen, auch wenn ihnen gelegentlich Sätze in den Mund gelegt werden, die mehr als offensichtlich von erwachsenen Autoren stammen. Auch darüber kann man aber getrost hinweg sehen.

Fazit: Wer eine Serie sucht, die leicht zu verdauen ist und bei der man am Ende immer ein gutes Gefühl hat, der wird bei «Single Parents» fündig. Mit dem ebenfalls von ABC und 20th Century Fox produzierten «Modern Family» kann «Single Parents» aber zum Beispiel nicht mithalten.

Sky One strahlt «Single Parents» ab dem 30. Juli immer donnerstags ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen aus, die Folgen werden auch auf Abruf bei Sky Go und Sky Ticket verfügbar sein.

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