Hintergrund

Peacock: Chancen und Probleme

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Am 15. Juli startete der neue Streamingdienst von NBCUniversal in den Vereinigten Staaten. Der Konkurrenzdruck ist groß, der Werbemarkt ist eingebrochen.

Noch ein weiterer Streamingdienst erblickt 2020 das Licht der Welt. Matt Strauss, der von NBCUniversal-Chef Steve Burke zum Peacock-Leiter berufen wurde, wird sich nach lediglich zehn Monaten Aufbauarbeiten an dem Erfolg des Dienstes messen müssen. Die Erfolgsaussichten für Streamingdienste sind gut, die Refinanzierung dagegen schwer. Netflix verbuchte bis heute keinen Gewinn, Prime Video von Amazon ist keine Geldruckmaschine, sondern lediglich ein Anreiz, um Prime zu abonnieren. Die jüngsten Starts von Disney, Apple, WarnerMedia und Quibi sind bislang Millionengräber.

Dennoch war der Start von Peacock, der seit drei Monaten für Comcast-Abonnenten erprobt wird, unausweichlich. Im Jahr 2019 verlor Comcast im Vergleich zum Vorjahr 671.000 Abonnenten, das ist ein Minus von 3,2 Prozent. Bei den NBCU-Kabelsendern gingen die Einnahmen um 2,2 Prozent zurück. Die Zahlen von NBC, den Kabelsendern und den Universal Studios sind zwar noch fantastisch, aber die Corona-Pandemie setzt die Geschäfte massiv unter Druck. Peacock wird gerade einmal mit neun fiktionalen Formaten starten, das Aushängeschild, die Olympischen Spiele, wurden auf das Jahr 2021 verschoben.

Die Ausgangslage für Peacock ist fast schon katastrophal: Es wird ein werbefreies Modell für knapp zehn US-Dollar pro Monat geben, aber durch die Pandemie haben unzählige Amerikaner ihr Leben verloren und weit darüber hinaus noch viel mehr ihren Job. Die werbebasierte Version, die fünf US-Dollar kostet, muss überhaupt erst einmal Werbekunden finden. Viele Fernsehsender leiden aufgrund der schwächelnden Wirtschaftsleistungen der einzelnen Länder an Umsatzeinbußen. Auch wenn Peacock nur fünf Minuten Werbung pro Stunde zulässt, muss dieses Budget erst gewonnen werden.

Die Ziele von Peacock sind ehrgeizig: NBCUniversal investiert in den ersten zwei Jahren zwei Milliarden US-Dollar in den Streamingdienst, der 2024 mit um die 30 Millionen Abonnenten einen Umsatz von 2,5 Milliarden US-Dollar einfahren soll. In vier Jahren soll der Break-Even erreicht werden. NBCUniversal investiert nicht nur viele amerikanische Dollar in den Dienst, man verzichtet auch auf viel Geld. Denn: Prestige-Formate wie «The Office» werden langfristig von Netflix & Co. abgezogen und sollen das Angebot von Peacock attraktiver gestalten.

Zwar kann sich ein großer Teil der Amerikaner vorstellen, Peacock zu verwenden, allerdings gibt es auch bereits eine Abonnenten-Müdigkeit auf. Bereits der vielversprechende Streamingdienst Quibi erwies sich als Flop und Chef Jeffrey Katzenberg versucht das Ruder herumzureißen. Ursprünglich war das Angebot für Smartphone hergestellt worden, aber inzwischen verhandelt man mit Amazon über Verbreitungswege via Fire-Oberfläche.

In den vergangenen drei Monaten hat das Peacock-Team einige Lehren aus dem Testlauf ziehen können. Bei der Corona-Pandemie suchten die Comcast-Kunden nach Abwechslung und wollten bei dem Streamingdienst vor den Auswirkungen der Corona-Pandemie flüchten. Die Zuschauer fragten nicht Nachrichten nach, sondern setzten auf Klassiker wie die Alfred Hitchcock-Filme und «E.T.». Auch Sitcoms wie «30 Rock», «Frasier» und «Alle lieben Raymond» erfreuten sich einer großen Beliebtheit. Außerdem werde man weitere digitale Kanäle respektive Abspielstationen starten, da viele Zuschauer einfach eine Plattform wählen, statt in der Vielzahl der Angebote sich Serien oder Shows heraussuchen.

Die Corona-Pandemie hat den amerikanischen Markt auf den Kopf gestellt. Zwar werde Peacock das aktuelle Programm von NBC und Telemundo zeigen, aber die Produktion von neuen Inhalten steht auf wackeligen Beinen. Die Corona-Infektionen in den Vereinigten Staaten von Amerika könnten zum nächsten Shutdown führen, das Land kann die Ansteckungszahlen aktuell nicht bremsen. Wenn Corona weiter wütet, müssen die NBC-Sender Reruns zeigen, der Werbemarkt wird weiter schrumpfen und die Amerikaner werden sich hüten, sich einen weiteren kostenpflichtigen Dienst sich nach Hause zu holen.

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