Schwerpunkt

Die 17. Quotenmeter.de-Fernsehtasse: Show, Reality, Information

von

Von der ganz großen Bühne bis hin zur gekonnt gemachten Kammerunterhaltung, von weltbewegenden Themen hin zu Themen, die bei aller Trivialität die Welt bewegen ...

Unsere Webchannel-Nominierungen

  • Jung & Naiv: Aufklärerische, punktgenaue politische Interviews (nicht nur) für ein junges, wissbegieriges Publikum
  • KinoPlus: Von hitzig bis grüblerisch, von detailversessen bis gesamtheitlich – hier wird gewitzt wie informativ über das Medium Film debattiert
  • maiLab: Mai Thi Nguyen-Kim erklärt die Chemiewelt auf alltägliche Weise und die große, weite Welt mit chemischen Begründungen.
  • strg_f: Aufwühlende Aufklärungsreportagen und eindrucksvolle, kompakte Erklärungsvideos über Medien, die Gesellschaft und die Politik
  • Walulis (Daily): Komödiantische kommentierte Nachrichten (oder ist es tagesaktuelle Komik?) und gewitzte Einordnungen von Medienthemen sowie Themen, die die Nachrichten dominieren
Die erste Staffel startete denkbar kurz nach dem Nominierungszeitraum für den 16. Quotenmeter.de-Fernsehpreis, fuhr danach regelrechte Spitzenquoten ein und wurde im Frühling dieses Jahres mit einer noch stärker aufgenommenen zweiten Staffel fortgeführt. Die Rede ist von der selbsternannten "verrücktesten, besten Show der Welt" – «The Masked Singer» aus dem Hause EndemolShine Germany. Nun ist aber die Fernsehtassenzeit der Rätsel- und Gesangsshow gekommen: Die Show, die Fernsehdeutschland jeweils wochenlang zum Diskutieren, Spekulieren und Mitfiebern eingeladen hat, schnappt sich sogleich vier Nominierungen – darunter als "Beste Show mit einer Laufzeit über einer Stunde" und für Matthias Opdenhövels Moderation.

Eine weitere neue Show, die bleibenden Eindruck hinterlassen hat, ist «Das große ProSieben-Wohnzimmer-Festival», ein wahrer Marathon an launigen, virtuellen Interaktionen zwischen einem bestens aufgelegten Moderationsduo (Joko Winterscheidt & Steven Gätjen) und Stars aus aller Welt. Von allen Corona-Videokonferenzshows der vergangenen Wochen war sie es, die einen starken Spagat zwischen ungezwungenem Chaos und geordnetem, kohärenten Konzept meisterte. Diese Vereinigung aus Trubel und "Hey, einer muss hier das Heft fest in der Hand halten!" bringt zudem Steven Gätjen eine Nominierung als bester Moderator ein – und zwar für Staffel zwei von «Joko & Klaas gegen ProSieben». Der Reality-Neustart «Queen of Drags», der sich nach heftiger Vorabkritik als respektvolle, passionierte Präsentation der Drag-Kultur entpuppte, heimst derweil Nominierungen als "Beste Reality" und für die Titelmusik ein.

ProSieben ist darüber hinaus im Showsektor für die mittlerweile eingesessenen Formate «Late Night Berlin» (Beste Show mit einer Laufzeit von maximal einer Stunde) und «Das Duell um die Welt» (Beste Show mit einer Laufzeit von über einer Stunde, Jeannine Michaelsen als Beste Moderatorin) nominiert. Während «Late Night Berlin» über die Jahre immer mehr in seine Nische eingefunden hat, unterhielt «DudW» die Preisjury mit seiner Mischung aus "Können diverse Promis es besser als Joko und Klaas?"-Abwandlungen alter Aktionen und filmisch aufbereiteten, neuen Einfällen. Auch wenn der eröffnende Sketch darüber, dass man dem Fernsehen nie glauben sollte, im Edin-Hasanović-Clip ganz offensichtlich nicht bei allen Rezipienten seine Botschaft gezielt platzieren konnte …

Unsere Sport-Nominierungen

  • MagentaSport - DEL-Konferenz: Das Format lebt nicht nur vom schnellsten Mannschaftssport der Welt und entsprechend vielen Toren, sondern auch vom gleichermaßen unterhaltend wie analysierend agierenden Duo Basti Schwele und Rick Goldmann
  • Sky 90: Der Sky-Talk hat sich in den vergangenen Monaten neu erfunden - wieder stärker am jeweiligen Spieltag orientiert sorgte auch der Umzug ins große Sky-Studio für frischen Wind. Wie immer exzellent und knallhart fragend: Moderator Wasserziehr. Sehr sehenswert: Ein Corona-Talk im März, dieser allerdings mit Moderator Michael Leopold.
  • Sky Premier League - Match of the Week: Mit dem neuen Aushängeschild des englischen Fußballs ist auch ein neuer Stil bei Sky eingekehrt: Moderator/Kommentator Schmidt-Sommerfeld agiert locker und jugendlicher als bisher gewohnt. Herausragend: Die Analysen von Co-Kommentatoren wie Mladen Petric.
  • Sportschau Thema: Vertiefende Informationen zu wichtigen Themen, besprochen in angemessener Länge. Besonders herausgestochen hat eine Sendung rund um die Bedeutung von Fans und Ultras - bis zur Coronapandemie ein wichtiges Thema im deutschen Fußball.
  • Sky-Topspiel der Woche: Seit dieser Saison fokussieren sich die Berichte viel stärker auf Taktik und Statistik - dadurch gewinnt die Produktion. Stark auch: Die Analysen des nun festen Co-Kommentators Lothar Matthäus.
von Manuel Weis
Die ProSiebenSat.1-Gruppe ist im nonfiktionalen Bereich zudem drei weitere Male nominiert. So holt sich Luke Mockridge für seine unverfälscht-launige Art eine Moderatoren-Nominierung ab (seine «Great Night Show» spielt mit ihren prägnanten Grafiken darüber hinaus in der Sparte "Bestes Main-Title/On-Air-Design" mit), während Martina Hill sich mit ihrem herrlichen komödiantischen Timing eine Nominierung als beste Moderatorin sichert.

Die Mediengruppe RTL derweil kann sich im Unterhaltungssektor Hoffnungen auf Preise für eine bewährte, aber immer wieder spaßige Show machen, sowie für einen qualitativ gelungenen Neustart: Als Beste Show mit einer Laufzeit von maximal einer Stunde ist das temporeiche Dating «Take Me Out» nominiert, das Ralf Schmitz mit prägnanter Selbstironie präsentiert. Bei den längeren Shows mischt derweil «Alles auf Freundschaft» mit, der mit lobenswerter Kollegialität abgehaltene, gewitzte Wettstreit zwischen Tim Mälzer und Sasha auf der einen, Publikums-Herausforderern auf der anderen Seite. Im Reality-Segment ist die Mediengruppe RTL sogar die dominierende Kraft:

Nominiert sind der immer wieder für Aufsehen sorgende Dauerrenner «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!», die weiterhin Firmen-und-Investoren-Talks faszinierend aufbereitende VOX-Gründershow «Die Höhle der Löwen» sowie das stets genauso lehrreiche wie unterhaltsame «Jenke-Experiment». Tim Mälzer bringt der Sendergruppe zudem noch eine Nominierung ein – nämlich für «Kitchen Impossible», den weltumspannenden, filmreif erzählten Kochwettbewerb auf VOX. Als Anwärter auf die Moderatoren-Fernsehtasse ist darüber hinaus Oliver Pocher mit dabei, und zwar für seine ebenso ungehaltene wie unberechenbare Art, durch die RTL-Primetime zu führen. Die Video-on-Demand-Plattform Netflix kann derweil auf eine Nominierung für «Wer kann, der kann» (Beste Show mit einer Laufzeit von maximal einer Stunde) pochen – also für die Backshow, in der kontrolliertes (?) Versagen aufmunternd zelebriert wird.

Doch auch die öffentlich-rechtlichen sind durchaus in den nonfiktionalen Kategorien präsent. Neben der finalen Staffel der ZDFneo-Inkarnation der detailverliebten, bissigen, kreativen Show «Neo Magazin Royale» (Beste Show mit einer Laufzeit von maximal einer Stunde) ist auch ihr abendfüllender Ableger «Lass dich überwachen! Die PRISM is a Dancer Show» (Beste Show mit einer Laufzeit von mindestens einer Stunde) nominiert, der mit viel Humor und ebenso fiesen wie schönen Überraschungen das Versteckte-Kamera-Konzept in die Smartphone-Ära bringt. Das Erste kann derweil auf eine Tasse für das knackige, lockere Vorabendquiz «Wer weiß denn sowas» hoffen. Zudem treten sogleich vier öffentlich-rechtliche Produktionen in der Sparte Beste Comedy an und versuchen somit, sich gegen den passionierten Wahnsinn von Oliver Kalkofe und Peter Rütten beim Tele-5-Filmschrecken «SchleFaZ» zu behaupten.

Die Bandbreite in der Kategorie "Beste Comedy" ist enorm – und ein Paradebeispiel, was deutsche Fernsehcomedy kann, wenn die Kreativen schalten und walten lässt: Von erleuchtender Satire («Die Anstalt») über kreative Sketchcomedy («Kroymann»), hin zu einer frohen, munteren, originellen Musik-Comedy («Leider laut») und einer vor Ideen nur so triefenden Meta-Parodie auf Samstagabendshows («Showtime, Herr Kessler»). Für letztere erhält außerdem Michael Kessler die einzige öffentlich-rechtliche Moderatoren-Nominierung dieses Jahres. Bei den Moderatorinnen gibt es dagegen sogleich drei öffentlich-rechtliche Nennungen – für die stets faire, aufklärende und Haltung bewahrende Dunja Hayali, für die großen Entertainment-Qualitäten von Carolin Kebekus und für Annie Hoffmanns ansteckende Serienbegeisterung (und nachvollziehbar geäußerten Frust) bei «Seriös».

Im informativen Segment haben die öffentlich-rechtlichen ebenfalls eine klare Dominanz – sei es für Informationen über eine Pandemie, die unser aller Alltag verändert («ARDextra: Die Corona-Lage»), für ein Magazin, das stets Wissen aus allen möglichen Bereichen eindrücklich visualisiert («Terra X») oder für den «Weltspiegel», der unseren Blick über den üblichen Tellerrand lenkt. Doch gut gemacht muss nicht gleich politisch relevant sein: «Seriös – Das Serienquartett» macht vor, wie ein Talkmagazin über TV auszusehen hat und geführt werden muss und darf sich so als leichtgängigste Magazin-Nominierung des Jahres dazugesellen. Das meinungsstarke und unerbittliche, aber auch sehr pointierte «So! Muncu!» sichert sich derweil eine Fernsehtassen-Nominierung für den privaten Kanal n-tv.

Bei den Dokumentationen und Reportagen hat letztlich das öffentlich-rechtliche Fernsehen eine Quotenmeter.de-Kaffeetasse garantiert, denn alle fünf nominierten Sendungen sind gebührenfinanziert. Thematisch reichen sie von aktueller Weltpolitik («Brexit – Das Endspiel»), aufwühlenden medizinischen Schicksalen («Traumatische Geburt – Gewalt im Kreißsaal») und geschichtsträchtigen Personalien («Der Jude und sein Dorf») bis hin zu Medienrezeption/Massenkommunikationskritik («Public Relations – Manipulation der Massen») und dem ungewöhnlichen Borough-Park-Porträt «Rachels Rettungsdienst - Ultraorthodoxe Jüdinnen im Einsatz».
Was sind eure Favoriten? Stimmt über sie ab und verhelft ihnen zum spülmaschinenfesten Quotenmeter.de-Fernsehpreis!

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