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Samstag, 15.30 Uhr, kein Fußball: Welche TV-Sendung profitiert von der Abstinenz des runden Leders?

von   |  3 Kommentare

Seit Mitte März fehlt der Quotenknüller Bundesliga-Konferenz. Doch schauen die Fußballfans nun wirklich stattdessen Privatfernsehen? Eine Quotenanalyse.

Die Fußball-Bundesliga steht wieder in den Startlöchern. Der Ball darf vermutlich im Laufe des Wochenendes wieder rollen. Neben den deutschen Fußballfans freut sich dann auch Live-Anbieter Sky. Da keine Fans mehr in die Stadien können, könnten die Zuschauer zahlen; und die Zahl derer, die sich die Spiele via Abo oder flexibles Abo (Sky Ticket) anbieten. Und die anderen Fernsehsender? Die haben am Samstagnachmittag wieder eine ungleich größere Konkurrenz. Doch stimmt das? Haben die großen Privatsender in den zurückliegenden Wochen von der Fußball-Abstinenz profitiert? Sind die Zuschauerzahlen und Marktanteile der Sendungen am Samstagnachmittag gestiegen? Ein Überblick:

Das Erste
Der öffentlich-rechtliche Sender etwa zeigt am Samstagnachmittag um 16.30 Uhr alle zwei Wochen seine «Weltspiegel Reportage» - zu unterschiedlichen Themen. Drei Ausgaben liefen bis dato während der Bundesliga-Zwangspause. Diese erreichten im Gesamtmarkt 0,62, 0,66 und 1,15 Millionen Zuschauer. Die Quoten bei den Zuschauern ab drei Jahren pendelten zwischen 5,3 und 6,3 Prozent. Somit ergab sich für diese drei Folgen ein Reichweitenschnitt in Höhe von 810.000 Zuschauern und eine Quote von 5,7 Prozent. Ohne Frage – die Produktion ist somit kein Massenerfolg. Mit 4,1 Prozent läuft es zudem auch bei den jungen Leuten schlecht.

Und zuvor? Seit Mitte Januar gab es drei Episoden der Sendung am Samstag um halb fünf nachmittags zu sehen. 0,93, 1,32 und 0,62 Millionen Menschen sahen diese – das ergibt also einen Reichweitenschnitt in Höhe von 960.000 Sehern. Die Quote lag damals im Schnitt bei 5,6 Prozent gesamt und 3,6 Prozent. Die Bundesliga-Pause verhalf der Sendung also zu minimalen Steigerungen bei den Marktanteilen, zugleich aber zu sinkenden Reichweiten.

Das ZDF
Wiederholungen von «Bares für Rares» setzt der Mainzer Sender immer samstags ab kurz nach 16 Uhr ein. Seit dem Bundesliga-Shut-Down kam die Trödelshow mit Horst Lichter am Samstagnachmittag auf bis zu 2,8 Millionen Zuschauer insgesamt. Die Quoten lagen regelmäßig klar oberhalb der Sendernorm, in der Spitze wurden sogar 19,7 Prozent Marktanteil ermittelt. Die Produktion war somit also ein voller Erfolg. Der Quotenschnitt der seit Mitte März gelaufenen Episoden beläuft sich auf 17,3 Prozent Marktanteil. Die Produktion aus dem Hause Warner Bros. Ist somit der große Gewinner der Zeit ohne Fußball. Denn während der Bundesliga-Samstags-Konferenz kam die Trödelshow in diesem Jahr bis dato auf maximal 14,2 Prozent Marktanteil. Die höchste Reichweite lag bei 2,28 Millionen. Die im Februar 2020 gezeigten Episoden am Samstagnachmittag hatten dem Zweiten im Schnitt 12,6 Prozent Marktanteil insgesamt eingebracht; die Trödelshow legte dank der Pause des runden Leders also um 4,7 Prozentpunkte zu.

RTL
Der Kölner Privatsender wiederholt am Samstagnachmittag gleich mehrere Episoden seiner inzwischen nicht mehr in Produktion befindlichen Show «Der Blaulicht Report». In dieser Betrachtung sollen hier jeweils die 15.55-Uhr-Folgen einfließen. 1,13 Millionen Zuschauer insgesamt (9,1% Zielgruppe) holte RTL damit am ersten Bundesliga-Shut-Down-Wochenende. Eine Woche später kam die Blaulicht-Doku auf 1,59 Millionen Zuseher, die Quote bei den Jungen sank in Folge höherer TV-Nutzung auf 8,2 Prozent. 1,30 Millionen insgesamt (10,1% bei den Jungen) schauten am letzten März-Wochenende zu. Die jeweils um kurz vor 16 Uhr gestarteten Abenteuer Zwischen 0,97 und 1,09 Millionen Zuschauer holten die Episoden schließlich noch im Monat April insgesamt – macht eine Reichweite von durchschnittlich 1,19 Millionen Fans während der Zeit ohne Bundesliga. Die Zielgruppenquote lag bei neuneinhalb Prozent.

Zum Vergleich: Im Monat Februar lag «Der Blaulicht Report» im Schnitt bei 1,49 Millionen Zuschauern ab drei Jahren. Die Produktion verlor somit sogar 300.000 Seher, als der Ball nicht mehr rollte. Bei den Jungen verbuchte die Scripted-Reality im Februar im Schnitt 8,3 Prozent, somit führte die Bundesliga-Pause zu einer Quotenzunahme um zwölf Zehntel.

Sat.1
Auf die gleiche Programmfarbe setzt Sat.1 am Samstagnachmittag, hier werden um 16 Uhr alte Folgen von «Auf Streife – Die Spezialisten» gesendet. Im Monat April kamen diese auf Zuschauerzahlen zwischen 400.000 und 600.000 Sehern, im März lag die höchste Reichweite während der Bundesliga-Pause bei 0,69 Millionen. Im Schnitt holte die Sendung aus dem Hause filmpool um 16 Uhr also auf 0,58 Millionen Zuschauer. Bei den Umworbenen im Alter zwischen 14 und 49 Jahren kamen die Ordnungshüter auf 6,2 Prozent. Auch hier der Vergleich mit den durchschnittlichen Februar-Werten: 620.000 Menschen sahen die Sendung, als die Bundesliga noch spielte, also rund 40.000 mehr als während der Pause des runden Leders. Bei den Umworbenen wurden im Februar 5,5 Prozent erzielt, die Quote stieg also um sieben Zehntel, seitdem Alaba, Reus und Co. nicht mehr gegen den Ball treten.

VOX
VOX setzt nachmittags auf mehrere Wiederholungen seiner «Shopping Queen» – an dieser Stelle soll die jeweils letzte immer gegen 16 Uhr betrachtet werden. Seit dem Bundesliga-Shut-Down kommt die Sendung aus dem Hause Constantin Entertainment auf 0,75 Millionen Zuseher – dieser Wert wurde maßgeblich von einer Episode Ende März beeinflusst, die mit 1,21 Millionen Zuschauern einen ganz ungewöhnlich hohen Wert erreichte. Im Schnitt holte die Sytling-Show bei den 14- bis 49-Jährigen neun Prozent Marktanteil. Noch im Februar, als die Bundesliga noch aktiv war, kam «Shopping Queen» am Samstagnachmittag auf nur 5,8 Prozent Marktanteil. Zweistellige Marktanteile, die während des Shut-Downs überwiegend auftraten, waren im Februar nicht denkbar. Die Gesamt-Reichweite lag im zweiten Monat des Jahres bei rund 670.000. Sowohl Reichweite als auch Quote stiegen demnach zuletzt.

Kabel Eins
Die amerikanische Drama-Serie «Eureka» ist Teil des Programms von Kabel Eins am Samstagnachmittag. Unter anderem starten Folgen hier um 16.30 Uhr, also parallel zum eigentlichen Beginn der zweiten Halbzweiten in der Bundesliga. Im Februar noch erreichte die Produktion im Schnitt 0,42 Millionen Fans ab drei Jahren, bei den Umworbenen waren es 4,5 Prozent Marktanteil. Ohne den rollenden Ball bei Sky steigerte sich «Eureka» in den zurückliegenden Wochen auf durchschnittlich 0,43 Millionen Zuseher, bei den jungen Leuten lag die ermittelte Quote nun bei 5,6 Prozent – ein Plus von elf Zehnteln.

ProSieben
Der Münchner Sender setzt am Samstagnachmittag auf US-Ware. In der Regel startet um kurz vor 16 Uhr eine alte Episode der Chuck-Lorre-Produktion «Two and a Half Men». Diese Folge soll die Vergleichsweise liefern. Die zu dieser Zeit gesendeten Folgen bescherten der roten Sieben im Februar noch im Schnitt 7,9 Prozent Marktanteil bei den Jungen – die Quoten änderten sich hier von Woche zu Woche kaum. Die durchschnittliche Reichweite im Gesamtmarkt lag bei rund 430.000 Menschen. Seit der Bundesliga-Pause sank die ermittelte Reichweite dieser Episoden auf etwa 400.000 Zuschauer, bei den 14- bis 49-Jährigen auf 8,8 Prozent. Einmal holte die Serie sogar zweistellige Ergebnisse, das war zuletzt zu Beginn des Januars 2020 möglich; auch hier rollte der Ball nicht.

RTLZWEI
Immer gegen 15.20 Uhr ist es bei RTLZWEI am Samstag Zeit für eine weitere Folge von «Der Trödeltrupp». Die Produktion von Good Times bescherte dem Münchner Sender seit Mitte März im Schnitt fünf Prozent Marktanteil bei den Umworbenen. Ein direkter Vergleich fällt schwer, da RTLZWEI noch im Februar auf Wiederholungen von «Hartz und herzlich» setzte, die zu leicht unterschiedlichen Zeiten – teils schon um 14.20 Uhr – starteten. Zumindest Ende Februar fuhr RTLZWEI gegen die Bundesliga mit Werten von knapp über drei Prozent aber schwächer. Mitte Februar waren aber auch mal 6,3 Prozent drin.

Fazit: Die großen Gewinner der Bundesligapause sind die Samstagnachmittag-Ausstrahlungen von «Bares für Rares» und «Shopping Queen». Zahlreiche Sendung verbuchen aber auch steigende Marktanteile trotz niedrigerer Sehbeteiligung. Das lässt darauf schließen: Bei zahlreichen Fußballfans bleibt der Fernseher am Samstagnachmittag inzwischen aus.


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Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
05.05.2020 20:42 Uhr 1
Die ollen Fußball Kamellen aus 2008 kann sich die ARD sonstwo hinstecken....ich dachte echt, ich sehe nicht recht, als da das Spiel unserer Jungs gegen Portugal von 2008 lief!!
second-k
06.05.2020 01:20 Uhr 2


Welche Sendung hättest du dir in der Zeit gewünscht? Das ist mir aus dem Beitrag jetzt nicht ganz klar geworden.
Sentinel2003
06.05.2020 03:29 Uhr 3
Keine Ahnung, aber, DAS war zumindest für MICH ein Grund schnell wegzuzappen!!!

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