Popcorn & Rollenwechsel

Einer für mich, einer für euch

von

Es ist ein altes Showgesetz: Manchmal musst du einen Film für die Masse (oder für deine Bosse) machen, bevor du einen Film machen kannst, den du machen willst …

Als Filmfan, noch dazu als einer von der schreibenden Zunft, müsste man, laut Klischee, die Nase rümpfen über diese Filme. Solche, die gemacht wurden, weil sie gemacht werden mussten. Weil ein Filmschaffender Geld brauchte. Oder weil eine Vertragsklausel erfüllt werden sollte. Oder weil das Studio zuerst einen Gefallen verlangt hat, bevor es einen Gefallen zurückzahlt. Aber: Diese Klischeecineasten sind zwar durchaus existent (man verbringe nur ein paar Minuten auf Twitter, in YouTube-Kommentarsektionen oder in der Raucherecke eines Programmkinos), doch schlussendlich auch nur die laut nölende, näselnde Minderheit. Und wir sollten ihr nicht zu viel Macht geben.

Also stellen wir uns, inspiriert von einer Twitter-Diskussion hier doch einfach mal hinter eine Handvoll von pflichtgemäß gemachten Filmen. Gewiss, es ist ein sonderbares Lob, zu sagen, dass ein Filmschaffender seine beste Leistung mit einem "Ich mach das für euch, nicht für mich"-Film absolviert hat. Aber es muss keine heimliche Beleidigung sein. Es ist schließlich keine automatische Herabwürdigung der "Ich mach das für mich"-Werke, wenn man sagt, dass ein Künstler es geschafft hat, bei einer Auftragsarbeit spitzenmäßige Leistung zu vollbringen.

Ein Regisseur, dessen "kalkulierter" Film mir zum Beispiel besser gefällt als seine eigenständig gemachten Arbeiten, ist Shane Black: «Kiss Kiss Bang Bang» ist toll, aber noch ein wenig ungeschliffen, es ist dem Film anzumerken, dass da ein Autor sein Regiedebüt absolviert. «The Nice Guys» ist, und eine laute Minderheit meines Kollegiums wird mich nun hassen, eine lahme Luftnummer, in der sich Regisseur Shane Black zu sehr von den Vorlieben des Autoren Shane Black übermannen lässt und sich in Selbstservice hineinsteigert, ohne drumherum etwas zu bieten.

Aber «Iron Man 3» ist einfach stark: Er vermischt die Stärken Blacks, etwa süffisanten Dialogwitz sowie eine paradox-charmante Verschmelzung aus kindlicher Naivität und spätpubertärem Anecken, mit dem Bombast eines Marvel-Films, und streicht radikal die größten Schwächen der anderen «Iron Man»-Filme (wie etwa austauschbare CG-Kämpfe ohne jegliche Persönlichkeit) aus der Formel.

Und wenn ich gerade schon so provoziere: Der finnische Regisseur Renny Harlin erreichte in meinen Augen seinen Zenit mit «Die Piratenbraut», der all seinen Schwächen zum Trotz ein kurzweiliges Stück Abenteuerkino ist – und das, obwohl Harlin und Hauptdarstellerin Geena Davis durch Verträge zu diesem Film gezwungen wurden. (Am Rande sei notiert, dass Harlins «Nightmare on Elm Street»-Teil völlig unterschätzt ist und er den zweitschwächsten «Stirb langsam»-Film gedreht hat.)

König dieser Kategorie ist aber wohl Irvin Kershner, der eingangs als Fotografieprofessor und Regisseur kleiner Indiekomödien bekannt war – und dann von George Lucas angeheuert wurde, die Fortsetzung zu «Star Wars» zu inszenieren. Kershner lieferte dann kurzerhand den besten Teil der Weltallsaga ab, mit einem exakten Auge für die kleinen Widerhaken in den Charakterzeichnungen, einem visuell punktgenau inszenierten Finalakt und einer versierten tonalen Balance.

Ergänzend würde ich dann noch Rob Zombie erwähnen: Sein «Halloween»-Sequel ist nicht sein bester Film, ich würde ihn aber in die obere Region des Zombie-Schaffens packen. Und vor allem beweist Zombies «Halloween II», dass ein Film, der mit der Attitüde "Ja, meinetwegen, mach ich das halt" ins Rollen gebracht wurde, trotzdem durch und durch die Handschrift seines semi-widerwilligen Schöpfers tragen kann: Zombie wollte ursprünglich keine Fortsetzung zu seinem «Halloween»-Remake drehen, doch als das Studio klar machte, dass es so oder so ein Sequel machen wird, änderte Zombie seine Meinung. Frei nach dem Motto "Wenn sich einer mit meiner Vision anlegt, dann bin ich es" entstand so ein Film, der selbst in der Kinofassung kaum dem entsprechen dürfte, was sich ein Studio von einem Stück sicherer Geldmacherei vorstellt, und der im Director's Cut vollauf einen Zombie-Fiebertraum darstellt.

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