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True-Crime-Trend: Wie Netflix und Co. den Hype weiter befeuern

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In den USA widmen sich eigene Sender 24 Stunden am Tag nur wahren Kriminalfällen. Wie die Anbieter an ihre Geschichten kommen und an die Fälle herantreten.

Was genau ist True Crime?

True-Crime-Formate im Fernsehen widmen sich der Darstellung realer Kriminalfälle, überwiegend der von Mordfällen oder anderen Straftaten, die sich entweder durch besondere Schwere oder aufgrund einer besonders ungewöhnlichen, perfiden, abscheulichen oder anderweitig Aufsehen erregenden Vorgehensweise der Täter für die Inszenierung als True-Crime-Story eignen. Während etwa die Jagd nach Serientätern (insbesondere Serienmördern) und deren Verbrechen besonders häufig Gegenstand der eigentlichen Geschichten sind, analysieren regelmäßig erscheinende Werke in gesellschaftskritischer Form auch aktuelle (z. B. rechtliche) Problematiken oder Fälle, die derzeit generell mediales Interesse genießen.
Wikipedia
Dass True-Crime-Formate in den USA eine große Anziehungskraft besitzen, ist nicht neu, denn dies zeigt sich seit Jahrzehnten an Sendungen wie «Dateline». Doch in den vergangenen Jahren erlebte das Genre einen zweiten Frühling. Der aktuelle Hype begann mit dem Podcast «Serial», über dessen Fall HBO zuletzt eine eigene Serie veröffentlichte und schwappte auch auf die heimischen Bildschirme über. Den Anfang machten HBO und Netflix mit ihren Erfolgsserien «The Jinx» und «Making a Murderer». Mittlerweile wird den Krimifans aber auch abseits der Bezahl-Plattformen Krimi-Unterhaltung mit wahrhaftigem Charakter geboten. Vor allem Kabelsender nutzen immer öfter True-Crime-Formate, um ihr Publikum zu erweitern.

Im vergangenen Herbst gingen diesbezüglich gleich mehrere Dokumentationen und Serien an den Start. Die Dokus «Sugar Town» bei Investigation Discovery, «Dirty John» auf Oxygen, sowie die auf einem Drehbuch basierende gleichnamige Serie auf dem Sender Bravo. Zudem startete im März «The Act» bei Hulu und Netflix veröffentlichte gleich eine ganze Reihe an neuen Produktionen, darunter eine Serie zum bekannten Fall Madeline MacCann. Wie können sich die Sender in so einem umkämpften Markt behaupten? Und wie kommt so viel Content überhaupt zusammen?

Investigation Discovery


Investigation Discovery (ID) liegt im linearen Fernsehen an der Spitze der Nahrungskette. Mit durchschnittlich knapp 1,1 Millionen Zuschauern in der Primetime im Jahr 2017 ist ID der erfolgreichste Sender, der sich im Krimi-Sektor bewegt. Damit werden sogar andere etablierte Sender wie FX, AMC, CNN, A&E oder Bravo übertrumpft. Im Jahr 2018 liefen über 650 Stunden frischer Crime-Inhalte über die Bildschirme. ID etablierte sich als erster Sender, der rein auf solche Programme fokussiert. „Wir waren die ersten, die erkannt haben, dass ein möglicherweise großer Markt kommen kann, wenn wir nur versuchen den größtmöglichen Fokus daraufzulegen und Führer auf diesem Gebiet werden“, so Henry Schleiff, Group President von ID und drei weiteren Discovery Networks, gegenüber dem US-Magazin „Vulture“.

Obwohl der Sender 24 Stunden sieben Tage die Woche True Crime zeigt, gibt es dennoch ein gewisses Auswahl-Verfahren hinter all den Geschichten, die erzählt werden. So werden vor allem risikoreiche Handlungen mit vielen Drehungen und Wendungen bevorzugt, die in einer zufriedenstellenden Auflösung enden. Dabei geht es nicht ausschließlich um bekannte Fälle, sondern auch viele unbekannte Begebenheiten finden einen Platz im Programm. Beliebt für die Programmplaner sind vor allem Geschichten, in denen es nicht um wahllose Gewalt geht, sondern um Intrigen zwischen Bekannten, da hierbei noch spannendere Begebenheiten auftreten und noch mehr Wendungen und Motive auftauchen.

Was Investigation Discovery zusätzlich von der Konkurrenz unterscheidet, liegt bereits im Namen. Die Zuschauer dürfen den Ermittlern genauestens über die Schulter schauen, was den Kern des Zuschauerinteresses ausmacht, weniger das Verbrechen an sich. Das ‚Warum‘ und nicht das ‚Wie‘ steht im Mittelpunkt. Die große Konkurrenz von Netflix, HBO und Co. bewertet Henry Schleiff durchaus positiv, denn somit werde das Genre nur noch beliebter, was im Umkehrschluss noch mehr Zuschauer zu ID bringe.

Um das Programm zu füllen setzt der Sender vor allem auf interne Entwicklerteams. Dazu hören sie diverse Podcasts, lesen zahlreiche Artikel und schicken diese dann an Produzenten weiter, die mit Ideen antworten. So werden viele Shows aus dem Boden gestampft, was aber nicht heißt, dass es nicht auch Vorschläge von außen gibt. Zu einem Kampf um externe Projekte kommt aufgrund der Stellung als Marktführer allerdings selten.

Oxygen


Beim Konkurrenz-Sender Oxygen kann man ein ähnliches Schema beobachten. Der Sender hat sich vor wenigen Jahren komplett neu aufgestellt, sendet nun 24 Stunden am Tag True-Crime-Formate und besitzt eine ähnliche Zielgruppe wie ID, verzeichnet jedoch im Schnitt dreimal weniger Zuschauer. Executive Vice-President of Original Programming Rod Aissa scharrt jeden Morgen die Verbrechen der zurückliegenden Nacht um sich, um neue Ideen zu kreieren. Nach dem Umbruch hin zum ausschließlichen Ausstrahlen von Krimi-Formaten hat Aissa zudem einen anderen Wandel erkannt: „Es gibt eine kleine Gruppe von Menschen, die es wirklich gut macht und jetzt gibt es eine ganze Menge anderer, die nach und nach dazulernt, wie man gute Storys pitchen kann.“

Oxygen versucht aber andere Wege zu gehen als die großen Konkurrenten Investigation Discovery oder gar NBC («Dateline»). Es wird ein vielfältigeres Programm geboten - mit Shows, die in jeder Episode ein anderes Verbrechen untersuchen. Beispiele dafür sind «Snapped» und «In Ice Cold Blood». Auch konnte Oxygen Dick Wolfs Serie «Cold Justice» mit ins Programm aufnehmen, nachdem es TNT aus selbigem gestrichen hatte.

Damit will Oxygen den Zuschauer aktivieren, ihn zum Mitdenken zu bewegen und ihn somit selbst zum Detektiv-Sein verleiten. Aissa hegt eine besondere Faszination für Geschichten, die sich um verschwundene Frauen drehen: „Diese Geschichten werden meist ausgeblendet oder die Ermittlungen dauern einfach zu lange und sind meist herzzerreißend. Und doch sind es grandiose Storys, denn man will die Gerechtigkeit, die sie verdienen.“ Deswegen bestellte er auch eine neue Serie, die sich um das Verschwinden von Phoenix Coldon aus St. Louis in 2011 drehen soll. Der Programmplaner achtet bei seiner Auswahl auf entweder bekannte Fälle oder auf Geschichten, die ein schlüssiges Ende haben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Netflix und Lifetime an True-Crime-Formate herantreten.

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