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Wohin geht die Reise für DAB+?

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Über DAB+ hört nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung Radio. Andere Empfangsarten werden klar bevorzugt, das hat die neueste Audio-MA jüngst noch einmal belegt. Ohnehin ist die Debatte um DAB+ kürzlich neu entfacht. Was die Gründe dafür sind und wie es mit DAB+ weitergeht …

Lesen Sie hier unsere Analyse der Audio-MA 2019/II:

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Zweimal im Jahr blickt die Radio-Branche gespannt auf die Zahlen der Audio-MA. Bei der neuesten Erhebung hat die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) einige Veränderungen vorgenommen: Neu ist nun zum Beispiel, dass man nun ganz klar feststellen kann, wie viele Zuhörer über DAB+, dem digital-terrestrischen Nachfolger von UKW, erreicht werden.

Wirklich positiv fallen die Zahlen nicht auf: Durchschnittlich 3,76 Millionen Hörer zählt DAB+ demnach pro Tag, insgesamt wird Radio über die verschiedensten Empfangswege aber täglich von rund 54 Millionen Menschen gehört. 144 Minuten beträgt die Verweildauer im Schnitt bei DAB+, 257 Minuten sind es unabhängig von der Empfangsart. Andere Empfangswege werden also klar bevorzugt.

Das dürfte Wasser auf die Mühlen der DAB+-Gegner sein, schon vor wenigen Wochen ist die Diskussion um die Zukunft von DAB+ neu entfacht. Ausschlaggebend dafür ist eine Beschlussempfehlung des niedersächsischen Landtags. „Für eine digitale Radiozukunft“ heißt der entsprechende Antrag der FDP, in dem die Landesregierung darum gebeten wird, DAB+ zugunsten „des Aufbaus zukunftsoffener Technologien“ aufzugeben. Stattdessen soll es der neue Mobilfunkstandard 5G richten, Radio sei technologieneutral zu betrachten und müsse dort empfangbar sein, wo die Hörer sind. DAB+ sei daher nur als „Übergangstechnologie“ zu betrachten.

Ebenfalls ein Knackpunkt: Der kostenintensive Simulcast-Betrieb über DAB+ und UKW. Während die Öffentlich-Rechtlichen diese Kosten über den Rundfunkbeitrag tragen, müssen die privaten Sender diese Mittel mit Werbeeinnahmen stemmen. Der Verband privater Medien (VAUNET) spricht von rund 600 Millionen Euro, die die Öffentlich-Rechtlichen von 2017 bis 2025 für den Umstieg auf DAB+ erhalten. Wenig überraschend begrüßt man dort demnach den Vorstoß des niedersächsischen Landtags.

Dass DAB+ in Niedersachsen über kurz oder lang abgeschalten wird, ist allerdings nicht zu befürchten. Schließlich haben bei der Zukunft des Radioempfangs auch noch andere Bundesländer mitzureden. Zumal bei der Ministerpräsidenten-Konferenz vom 6. Juni beschlossen wurde, dass der erste Bundesmux mit Programmen wie sunshine live, Energy und den Deutschlandfunk-Sendern bis mindestens Ende 2035 bestehen bleiben soll – dieser Beschluss wurde übrigens auch vom niedersächsischen Ministerpräsidenten unterzeichnet.

Letztendlich ist die faktische Wirkung des niedersächsischen Beschlusses also sehr gering. Der Beschluss habe aber erreicht, medienpolitische Unruhe ins Land zu bringen, sagt Thomas Kühnrich von der Gemeinschaftsinitiative „Digitalradio Büro Deutschland“ im Gespräch mit uns. Dass 5G alsbald eine Alternative zu DAB+ werden könnte, glaubt er nicht. Der Aufbau von 5G würde viele Jahre in Anspruch nehmen, zudem müssten ganze Generationen von Endgeräten erst einmal mit 5G ausgestattet werden: „Ob die Mobilfunkanbieter dann bereit sein werden, Geräte zu vertreiben, mit denen man sowohl kostenpflichtige Programme ihrerseits, aber auch kostenlose Angebote übers Radio mit 5G als Ausspielweg empfangen könnte, kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen“. Schließlich hätten die Mobilfunkanbieter mehrere Milliarden für die 5G-Lizenzen investiert, weitere Investitionen für den Netzausbau folgen. In der Tat haben die Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch insgesamt rund 6,6 Milliarden Euro alleine für die 5G-Frequenzen an den Bund gezahlt.

Steckbrief

Daniel Sallhoff stellt sich am Wochenende den Wecker, um die Einschaltquoten vom Vortag zu analysieren. Riskiert in so gut wie jede Fernsehsendung einen Blick. Liebt gute US-Serien und hat ein Faible für gepflegten TV-Trash. Ist auch bei Twitter vorzufinden. Hört noch dazu gerne Musik. Und normalerweise redet er nicht von sich selbst in der dritten Person.
Dass DAB+ weiterhin ein Nischenprodukt ist, belegt auch der Digitalisierungsbericht Audio 2018 von den Medienanstalten: Etwa 93 Prozent der deutschen Haushalte Zugang zu einem UKW-Gerät, hingegen nur 18 Prozent zu einem DAB+-Empfänger. Wie also will man mehr Menschen dazu bringen, auf DAB+ umzusteigen? Laut Kühnrich funktioniere das am besten mit neuen Programmangeboten. Das eigentliche Nutzenversprechen von DAB+ sei neben dem besseren Klang, mehr Sender als über UKW anbieten zu können.

Da passt es nicht gut ins Bild, dass der zweite Mux zum Empfang von bundesweiten Radiosendern weiter auf sich warten lässt: Eigentlich sollte dieser noch im vierten Quartal 2019 an den Start gehen, betrieben von der Antenne Deutschland GmbH & Co. KG, einem Zusammenschluss von Media Broadcast und der Absolut Digital GmbH. Im Mai hatte das Verwaltungsgericht Leipzig in erster Instanz entschieden, dass das Vergabeverfahren durch die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und Neue Medien nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden sei. Bis zu 16 neue Radiosender hätten Platz auf dem zweiten Bundesmux gehabt, erstmals ausgeschrieben wurde der Bundesmux bereits im Dezember 2016. Es wird also vermutlich noch ein langer Weg zu gehen sein, bis DAB+ sich in der breiten Masse durchsetzen wird.

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