Die Kino-Kritiker

«Yesterday»: Eine Beatles-RomCom in einer Welt ohne Beatles

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Die Grundidee von «Yesterday» ist originell, doch in der Umsetzung ist diese Romantikkomödie banal.

Filmfacts «Yesterday»

  • Regie: Danny Boyle
  • Produktion: Tim Bevan, Eric Fellner, Bernie Bellew, Matthew James Wilkinson, Richard Curtis, Danny Boyle
  • Drehbuch: Richard Curtis
  • Story: Jack Barth, Richard Curtis
  • Cast: Himesh Patel, Lily James, Ed Sheeran, Kate McKinnon
  • Musik: Daniel Pemberton
  • Kamera: Christopher Ross
  • Schnitt: Jon Harris
  • Laufzeit: 117 Minuten
  • FSK: ohne Altersbeschränkung
Sind es die Kunstwerke allein, oder doch diejenigen, die sie erschaffen haben, und der Augenblick, indem sie entstehen, die beeinflussen, ob sie die Welt im Sturm erobern? Irgendwo, tief, tief, tief vergraben in Danny Boyles musikreicher Romantikkomödie «Yesterday» steckt diese Frage: Der Film handelt vom erfolglosen Singer-Songwriter Jack Malik (Himesh Patel), dessen Sandkastenfreundin Ellie (Lily James) zu seinen wenigen Fans gehört und nebenher als seine Managerin fungiert. Als Jack eines Nachts während eines weltumspannenden Stromausfalls vom Bus getroffen wird, verliert er ein paar Zähne. Der Rest der Welt verliert derweil sämtliche Erinnerungen an die Beatles und jegliche Beweise ihrer Existenz. Als Jack dies bemerkt, ist er völlig von den Socken. Zunächst ratlos, fast panisch ob seiner sonderbaren Situation, beschließt er letztlich, sämtliche Beatles-Songs, an die er sich erinnern kann, zu rekonstruieren und mit diesen einst erwiesenen Megahits seine Karriere anzuschieben.

Doch der Karrierepfad ist hart und steinig: Manche erachten "Jacks" Lieder als gut, teilen aber nicht seine immense Begeisterung. Andere feiern seine Songs, können aber mit ihm als Künstler nichts anfangen. Erst, als Popstar Ed Sheeran (gespielt von Popstar Ed Sheeran) ihn im Fernsehen sieht und als Vorband anheuert, und Jack von der grellen Musikmanagerin Debra Hammer (Kate McKinnon) Hilfe erhält, gerät der Stein ins Rollen – was jedoch Jacks Beziehung zu Ellie verkompliziert ..

Die eingangs angerissenen Fragen, ob der Wert eines Kunstwerks von seinem Platz im gesellschaftlichen und kulturellen Zeitgeist und dem Image seines Künstlers abhängig ist, verwirft «Yesterday» rasch. Recht zügig, nachdem wir erzählerisch in der Welt ohne Beatles angelangt sind, verfällt diese musikreiche Komödie in die althergebrachte Dramaturgie von Musiker-Biopics. Obwohl die Möglichkeit bestanden hätte, mit dem zentralen Gimmick einen Kommentar auf dieses Genre in die Wege zu leiten, verharrt «Yesterday» stattdessen im Genrestandard: Es geht darum, wie Jack sukzessive die Karriereleiter hinaufklettert, mit dem ungewohnten Ruhm hadert, seine Kindheitsfreundin verprellt, ihr hinterher trauert und es mit vermessenen Ratschlägen seines Managements zu tun bekommt. All dies gewürzt mit Beatles-Coverversionen im Singer-Songwriter-Stil.

Es ist fast so, als würde «Bohemian Rhapsody» statt Queen-Originalaufnahmen nur etwas sanfter geartete Coversongs aufweisen und seinen Plot von den Aufs und Abs der Rockband beibehalten, nur, dass irgendwelche fiktiven Figuren diese Probleme durchmachen. So ist «Yesterday» in seinen beliebigen Momenten (nur halt mit den Beatles, statt mit Queen). Aber es gibt auch eine kleine Handvoll gewitzter Augenblicke. Dazu zählt eine fast schon sketchartige Sequenz, in der Jack seinen Eltern voller Stolz "Let it Be" vorspielen möchte, seine Eltern sich aber nicht einmal für einen kurzen Augenblick konzentrieren können. Diese Szene persifliert das Musiker-Biopic-Klischee, dass großartige Evergreens schon vom ersten Augenblick an als etwas Großes erkannt werden. Zudem profitiert sie von Patels prägnanter, lustigerweise gleichwohl minimalistischer Art, Frust zu zeigen.

Auch alle Szenen rund um Kate McKinnon, die als raffgierige, wichtigtuerische Managerin stets die grausame Wahrheit über das Showgeschäft ausspricht und dennoch ihren Willen durchsetzt, schlicht, weil sie mit Ruhm und Geld lockt, sind gewitzt und spitzfindig. Primär verfolgt Boyle in diesem für seine Verhältnisse sehr gemächlich (bis beliebig) inszenierten, ruhig erzählten Film ein anderes Ziel als das Persiflieren des Showgeschäfts oder das Hinterfragen, welche Rolle der Interpret im Großmachen eines Songs spielt: Der Löwenanteil des Films handelt davon, dass Jack sehr spät realisiert, wie sehr ihm seine Weggefährtin Ellie verfallen ist.

Es ist ein Thema, das Drehbuchautor Richard Curtis nicht fremd ist, und das er in seinen eigenen Regiearbeiten bereits mannigfaltig variiert hat – zuletzt im ungeheuerlich charmanten «Alles eine Frage der Zeit». Doch in «Yesterday» geht Curtis' Mixtur aus überspitzten Elementen (hier: das Beatles-Gimmick) und entspannter Kuscheldramaturgie nicht auf: Egal, wie strahlend Lily James auch lächelt, ihre Ellie ist eine konturlose, nichtssagende Figur, die sich allein dadurch definiert, dass sie Jack anhimmelt. Und selbst der ist lasch charakterisiert: Er ist schüchtern, spielt gerne Musik und ist vom plötzlichen Ruhm überfordert. Mehr macht ihn nicht aus, so dass es schwer fällt, mit diesem potentiellem Filmpaar mitzufiebern und mitzuschmachten.

Frei von klassischen Curtis-Bonmots ist das «Yesterday»-Skript zwar nicht, und ab und zu bricht Boyles stilisiertes Händchen dann doch aus, aber all dies hilft nur denkbar wenig: «Yesterday» ist Fluff. Nicht von der bezaubernden Wohlfühlsorte, für die Curtis bekannt ist. Sondern von der unbedeutenden "Schon bei Beginn des Abspanns zerfallen die Erinnerungen an ihn"-Sorte. Schade.

«Yesterday» ist ab dem 11. Juli 2019 in vielen deutschen Kinos zu sehen.

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