Die Kino-Kritiker

«Pets 2» - Die verrückten Haustiere sind zurück

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Auch in «Pets 2» stehen einmal mehr die Eigenheiten und Spleens unserer geliebten Haustiere im Fokus. Und die erleben diesmal noch absurdere Abenteuer in einem Film, der trotz seiner Flickenteppich-Dramaturgie charmant und liebenswert ist.

Filmfacts: «Pets 2»

  • Start: 27. Juni 2019
  • Genre: Animationsfilm/Komödie
  • Laufzeit: 86 Min.
  • FSK: o.Al.
  • Musik: Alexandre Desplat
  • Buch: Brian Lynch
  • Regie: Chris Renaud
  • Deutsche Sprecher: Dieter Hallervorden, Dietmar Bär, Fahri Yardim, Jan Josef Liefers, Jella Haase, LeFloid, Martina Hill
  • OT: The Secret Life of Pets 2 (USA 2019)
In gewisser Weise ist die Produktionsfirma Illumination sowas wie das Blumhouse der Animationsfilme. Beide Konzerne arbeiten mit (für ihre Verhältnisse) Minimalbudgets und fahren dafür im Umkehrschluss besonders hohe Ergebnisse an den Kinokassen ein. Natürlich ist es immer noch ein gewaltiger Unterschied, ob ein «Get Out» vier oder ein «Ma» fünf Millionen US-Dollar kostet, während «Pets» mit 75 Millionen zu Buche schlägt oder «Ich, einfach unverbesserlich» mit 69 Millionen. Doch gemessen an der jeweiligen Konkurrenz sind das Peanuts. Ein aktuelles Beispiel: Der im August auch bei uns in die Kinos kommende «Toy Story 4» hat mal eben rund das Dreifache an Produktionskosten verschlungen. Dass Illumination erfolgstechnisch mit den ganz Großen des Business – egal ob nun die Firma mit dem Schloss oder jene mit Mondsichel im Logo gemeint ist – mithalten kann, liegt vor allem daran, dass sich die Geschichten der «Minions»-Macher im Gegensatz zur Konkurrenz vornehmlich an ein junges Publikum richten. Und seien wir einmal ehrlich: Auf einem ohnehin so hohen Animationsniveau nimmt man die Feinheiten in Design und Gestaltung erst so richtig wahr, wenn man aus dem Gröbsten raus ist.

Das beste Beispiel für das Illumination-Erfolgskonzept ist da auch direkt das Sequel zum Megahit «Pets»: Mit einem höllisch unterhaltsamen Trailer angekündigt, erzählt der Film nun die Geschichten der in Teil eins etablierten Charaktere weiter. Das ist einmal mehr sehr kurzweilig, weil die Dramaturgie hier weniger an eine zusammenhängende Geschichte erinnert, als an eine Aneinanderreihung von Kurzfilmen. Und auch die Figuren haben nichts an Witz und Charme verloren, sodass die Zutaten gerade für die Kleinen einen sehr unterhaltsamen Kinoabend ergeben werden. Erzählerisch hat «Pets 2» dagegen wenig zu bieten.

Hunde, Katzen, Zirkustiger


Kaum schließt sich morgens die Haustür, beginnt ein buntes Treiben, wenn die ansonsten braven tierischen Mitbewohner ihrem eigentlichen, sehr turbulenten Leben nachgehen, von dem Herrchen und Frauchen nur wenig wissen. Im neuesten Abenteuer wird das geheime Leben von Max & Co. erneut durcheinandergewirbelt, als plötzlich ein kleines Menschenbaby behütet werden muss… und das nicht nur in der tosenden Großstadt, sondern auch beim Familienurlaub auf dem Land, wo unerwartet völlig neue Gefahren an jeder Ecke lauern. Gleichzeitig bleibt es auch in der Stadt aufregend: Spitz-Dame Gidget verliert Quietschebienchen, Max’ Lieblingsspielzeug, an eine Horde neurotischer Katzen und begibt sich notgedrungen mit Hilfe der super-coolen Chloe auf eine waghalsige Undercover-Mission… als vermeintliche Katze! Und das kleine Kaninchen Snowball stellt sich als Superheld Captain Snowball einem gefährlichen Rettungsmanöver – als die Shih-Tzu-Hündin Daisy ihn zur Verstärkung ruft, um einen weißen Tiger aus den Fängen eines bösen Zirkusbesitzers zu befreien. Frei nach dem Motto „Aus großer Kraft folgt große Flauschigkeit“.

Möchte man ein besonders harsches Wort in den Mund nehmen, so könnte man Drehbuchautor Brian Lynch (schrieb auch schon das Skript zu Teil eins) und Regisseur Chris Renaud (ebenfalls auch für Teil eins verantwortlich) vorwerfen, hier besonders faul vorgegangen zu sein. Denn schaut man sich einmal den Verlauf dessen an, was in «Pets 2» mit Müh und Not als eine Geschichte zusammengehalten versucht wird, dann wird man das Gefühl nicht los, die verschiedenen Handlungsstränge wären für sich genommen zwar auf einer «Pets-Mini-Movies»-DVD gut aufgehoben, funktionieren gemeinsam als Langspielfilm aber nur bedingt. Und das ist noch nicht mal so weit hergeholt, denn zu den Minions gibt es solche Kurzfilmsammlungen ja bereits. So aber eröffnet «Pets 2» zwar auf sehr charmante Weise in jenem Wohnhaus, dessen Bewohner wir bereits in «Pets» kennen- und zum Teil lieben gelernt haben, löst sich aber schon nach kurzer Zeit in seine Einzelteile auf. Max (Jan Josef Liefers) und sein Hundekumpel Duke (Dietmar Bär) fahren gemeinsam mit der Familie in den Urlaub, die unsterblich in Max verliebte Hundedame Gidget (Jella Haase) darf in Max‘ Abwesenheit auf sein Lieblingsspielzeug aufpassen (und versagt kläglich), während Snowball (Fahri Yardim) sich in die abenteuerliche Rettungsmission eines Zirkustigers stürzt, wobei er unter anderem den im Rollstuhl sitzenden Hunde-Senioren Pops (Dieter Hallervorden) wiedertrifft.

Natürlich bekommen auch Figuren wie die Katzendame Chloe (Martina Hill) oder das Meerschweinchen Norman (LeFloid) wieder ihre Auftritte spendiert – einige länger, andere kürzer. Sodass letztlich zwar alle bekannten, den Charme der (garantiert zur Reihe anwachsenden) Filme wieder mit an Bord sind – am tranigen Drehbuch ändert das allerdings auch nicht viel.

Ein Film, drei Geschichten


«Pets 2» funktioniert von der Struktur her wie ein Episodenfilm – und als solcher ist es hier genauso wie mit den meisten Vertretern des Genres: Die Qualität ist von Handlungsstrang zu Handlungsstrang schwankend. Am besten ist jener, in dem sich alles rund um den Urlaub von Max und Duke sowie die um ein weiteres Mitglied angewachsenen Menschenfamilie dreht. Wie der sehr um das kleine Baby besorgte Max lernt, nicht nur über sich selbst hinauszuwachsen, sondern auch dem Zweibeiner endlich mehr zuzutrauen, ist süß, rührend und gibt zudem ausgerechnet den erwachsenen Zuschauern eine sehr smarte Botschaft mit auf den Weg, mit deren Hilfe sich die Macher klar gegen sogenannte Helikopter-Eltern aussprechen und stattdessen daran appellieren, ein gesundes Mittelmaß zwischen Behütung und Vertrauen in die Fähigkeiten des eigenen Kindes zu entwickeln. Darüber hinaus ist Max‘ Selbstfindungstrip, den er mithilfe des resoluten Hofhundes Rooster bestreitet, ein einziges großes Abenteuer und mit einem Truthahn als ultimativem Szenendieb wäre diese Episode letztlich ideal gewesen, um sie als zentrale Handlung auszuwählen. Stattdessen nimmt sie jedoch nur rund ein Drittel der Laufzeit ein.

Die anderen beiden werden von zwei Episoden gefüllt, die erzählerisch kaum was zu bieten haben, aber immerhin mit einigen der Filmlieblinge beinhalten sowie über die Aspekte Humor (insbesondere über Slapstick) und Kurzweil funktionieren. Wenn der überdrehte Hase Snowball hier zum Superhelden mutiert und einen dressierten Zurkustiger aus seiner Gefangenschaft befreien will – der, das muss man zugeben, die traurigsten Tigeraugen hat, die jemals in einem Animationsfilm zu sehen waren – dann wird aus «Pets 2» ein abgedrehtes Comicabenteuer, nur eben mit tierischen anstatt menschlichen Superhelden. Das ist zeitweise überraschend düster; Etwa wenn es Snowball immer wieder gegen böse Wachhund-Widersacher aufnehmen muss, deren Äußeres ganz schön unheimlich aussieht. Die FSK-Freigabe ab null Jahren ist daher mit Vorsicht zu genießen. Witzig und actionreich in Szene gesetzt («Pets 2» macht optisch im Vergleich zu Teil eins nochmal einen großen Sprung nach vorn), ist diese Geschichte jedoch allemal.

Genauso der dritte Handlungsstrang, in dem Gidget bei der Suche nach Max‘ Lieblingsspielzeug plötzlich in der Wohnung einer verrückten Katzenlady landet. Hier kommt tatsächlich noch am ehesten der Ursprungsgedanke der «Pets»-Reihe zur Geltung, denn die Geschichte gewährt uns einen Blick dahinter, was passiert, wenn wir unseren Haustieren den Rücken zudrehen. Gleichzeitig ist sie ob ihrer Spannungsarmut und der fehlenden Pointe doch klar die schwächste – und das trotz des Crashkurses „Wie ich mich als Hund wie eine Katze verhalte“, den Spitz Gidget von Katzendame Chloe erhält.

Fazit


Durch die unbeholfen wirkende Episodenfilmstruktur fühlt sich «Pets 2» nicht wirklich rund an. Erzählerisch kann er mit den Animationsfilm-Großkalibern wie Pixar und Co. ebenfalls nicht mithalten. Ein Hit wird der Film wohl trotzdem, da er durch seine Kurzweil und seinen Humor vor allem das junge Zielpublikum bespaßen wird. Und das ist ja auch völlig okay.

«Pets 2» ist ab dem 27. Juni bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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