Serientäter

«Rome»: Die Serie, die «Game of Thrones» erst möglich machte

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Es war im Oktober 2003, als sich der US-Sender HBO und die BBC darüber verständigten eine Serie in Co-Produktion zu schicken, die mit einem Budget von 100 Millionen Dollar für die erste Staffel allein, die teuerste Serienproduktion ihrer Zeit werden sollte. In Retrospektive findet man in Artikeln zur Serie immer wieder die Redensart „ihrer Zeit voraus“.

«Rome» erzählt die fiktive Geschichte der befreundeten Centurionen Titus Pullo (Ray Stevenson) und Lucius Vorenus (Kevin McKidd) im römischen Reich, die geschickt in historische Ereignisse um die Herrscherschicht wie Cleopatra (Lyndsey Marshal), Caesar (Ciarán Hinds), oder später Augustus (Simon Woods) eingeflochten wird. Im Vergleich zum ahistorisch fantastischen «Game of Thrones» samt Magie und Drachen, setzt «Rome» auf eine reelle Darstellung der Ereignisse im historischen Rom. Doch während der Stoff ein anderer ist, sind neben dem Budget auch die thematischen Überschneidungen unverkennbar. Beide Serien wurden zum Archetyp dominierender Topoi wie Gewalt, Intrigen, Zwielichtigkeit und Sex.

In ihren jeweiligen Premierenstaffeln holten beide Serien zwischen zwei und drei Millionen Zuschauer vor die Fernsehgeräte und avancierten schnell zu Kritikerlieblingen. Dies sind zwar ordentliche Werte für den Pay-TV Riesen, aber weit entfernt von dem, was günstiger produzierte Hitserien wie «Die Sopranos» oder «Six Feet Under» zu Hochzeiten generierten. Warum lief die eine der beiden Serien also für weitere sieben Staffeln und die andere wurde noch vor Sendebeginn der zweiten Staffel abgesetzt?

Im Gespräch mit Entertainment Weekly gab Serienschöpfer Bruno Heller, der nachfolgend die erfolgreiche Procedural-Serie «The Mentalist» für den Networksender CBS produzierte, 2014 folgendes zu Protokoll: „Sie (HBO) haben eine Menge über Geschäftssinn und wirtschaftliche Vernunft gelernt, nämlich (das,) was man nicht tun sollte. «Rome» war die erste Show, die HBO außerhalb des Landes mit großem Budget drehte. Die Fehler, die wir gemacht haben, sind die Fehler, aus denen «Game of Thrones» gelernt hat. Viele der Regisseure und Produzenten sind die gleichen. «Thrones» ist eine brillante Show, brillant ausgeführt. Einer der Gründe, warum es so weitergehen wird, ist, dass es eine Reihe von Büchern gibt, die versichern, dass du eine Struktur hast. Eine der Herausforderungen aus HBO-Sicht war, dass «Rome» eine große und ehrgeizige Struktur hatte, aber wir erfanden sie, während wir weitermachten, anstatt diese wunderbaren Bücher zu haben.“

Wäre «Rome» nicht gewesen, so ist anzunehmen, dass «Game of Thrones» trotz der Buchvorlage ein ähnliches Schicksal ereilt hätte und damit vielleicht ebenfalls frühzeitig der Stecker gezogen worden wäre. Doch die Exekutive von HBO, welche Gerüchten zufolge die Absetzung «Romes» schon kurze Zeit später bereute, budgetierte «Game of Thrones» nicht nur besser, sondern bewies auch mehr Geduld und Vertrauen in eine positive Entwicklung der Serie. Dieses Vertrauen sollte durch stetig steigende Quoten belohnt werden.

Dass HBO zudem offensichtlich nicht nur daran interessiert ist, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen, sondern diese auch zu korrigieren, zeigt das Beispiel «Deadwood». 2004, ein Jahr vor «Rome» gestartet und ebenfalls wegen zu hoher Kosten überraschend nach Staffel drei abgesetzt, hat die brillante Westernserie nun 13 Jahre später doch noch eine Fortsetzung erhalten. Am 31. Mai zeigte HBO mit «Deadwood: The Movie» einen wohlverdienten, abschließenden Film. Es bleibt abzuwarten, ob HBO weiter im Archiv zu früh geendeter Serien sucht und dort möglicherweise auf «Rome» stößt. Es gäbe wohl keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, nach dem Ende von «Game of Thrones» um eine solche hoch-budgetierte Kultserie wiederzubeleben. „Sag niemals nie”, hieß es dazu 2014 von Heller. „Lustigerweise sind die Sets immer noch da. Sie sehen wunderschön aus und sind einsatzbereit.“

Die Tatsache, dass «Rome» seinerzeit als Reaktion auf das Ende von «Die Sopranos» erschaffen wurde, um einem möglichen Zuschauerschwund entgegenzuwirken, dürfte allerdings nach dem Ende von «Game of Thrones» selbst ohne die Wiederbelebung von «Rome» ein gutes Zeichen für neuerliche Ambitionen ähnlicher Art beim US Pay-TV Riesen sein, das Credo „Es ist kein TV. Es ist HBO“ fortzuführen.

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