Die Kritiker

«Big Manni»

von

Mit «Big Manni» verfilmt das Erste einen der größten Wirtschaftsskandale der bundesdeutschen Geschichte als launige Gaunerkomödie. Das hat ein G'schmäckle, und ist trotzdem gut erzählt.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Hans-Jochen Wagner als Manfred Brenner
Nina Gnädig als Irene Brenner
Ben Braun als Markus Brenner
Jürgen Hartmann als Armin Pfortner
Felix Eitner als Bärlach
Robert Schupp als Stoschek
Natalia Belitski als Felicia Brandt

Hinter der Kamera:
Produktion: Polyphon Pictures GmbH
Drehbuch: Johannes W. Betz und Jürgen Rennecke
Regie: Niki Stein
Kamera: Michael Schreitel
Produzentin: Sabine Tettenborn
Zugegeben, man braucht ordentlich Chuzpe, wenn man es so machen will wie Manfred Schmider, aus dem dieser Film Manfred Brenner (Hans-Jochen Wagner) – den titelgebenden „Big Manni“ – macht: Nicht sonderlich gelenk, aber mit dem klaren Ziel vor Augen, als Unternehmer jede Menge Kohle zu scheffeln, hangelt er sich von einer schmierigen und nicht bis zum Ende durchdachten Geschäftsidee zur nächsten, bis ihm durch Zufall der ganz große Fisch über den Weg läuft: Ein Ingenieur hat imposante Zeichnungen von allerlei konfusen Vorrichtungen unter dem Arm, aus denen ein Horizontalbohrsystem werden soll, das, einmal fertig, die ganze Baubranche auf den Kopf stellen wird. Manni ist ganz Ohr und beschafft sich mit seinen üblichen windigen Methoden frisches Geld, um die Idee voranzubringen.

Schon früh schlagen seriöse Fachleute Alarm: Die eigentümliche Konstruktion von Flowtex – so der Name des dubiosen Unternehmens – ist für einen Einsatz in deutschen Böden völlig ungeeignet. Auch der sich zuerst von der Welt und den Bankern missverstanden fühlende Ingenieur ist sich seiner Sache bald nicht mehr so sicher und tüftelt mit den von Manni beschafften Geldern herum, ohne jemals nennenswerte Fortschritte zu erzielen. Doch Finanzierungsmöglichkeiten findet das Unternehmen immer, und gerade die ehrwürdigsten badischen Institutionen wie die Landesbank und der Wahlkreisabgeordnete glauben nur zu gern die offensichtlichen Schwindeleien und Betrugsgeschichten.

Heraus kommt schließlich einer der größten Wirtschaftsskandale der bundesdeutschen Geschichte, in dem sich all die deutschen Mittelstandstugenden von Fleiß, Disziplin und Zusammenhalt als aufgeblasener Betrug, Größenwahn und Korruption erweisen – eine Lesart, die dieser Film zumindest am Rande zulassen will, indem er den kurzen badischen Wirtschaftsdienstweg à la „I‘ schwätz‘ amol mit dene vom Finanzamt“ als das vorführt, was er ist.

Da «Big Manni» diese Geschichte unbedingt als Gaunerkomödie erzählen, aufgrund seiner zurückhaltenden Verfremdung aber gleichzeitig nah an den tatsächlichen Ereignissen bleiben will, muss er die komplexen Firmengeflechte und Betrugskonstruktionen leider bis an den Rand der Verstehbarkeit stauchen. Bliebe dies die einzige negative Konsequenz der Genre-Wahl, wäre das freilich ein verkraftbares Problem: Etwas unangenehmer ist es da schon, dass uns dieser Film Wirtschaftskriminalität als launiges Ganovenstück erzählt – denn das hat, um im Ländle-Jargon zu bleiben, durchaus ein G’schmäckle.

Man kennt diese Diskussion schon von Scorseses «Wolf of Wall Street»: Ist es adäquat, die Perversionen von Wirtschaftskriminellen als irgendwie doch mitfühlige Komödie zu erzählen, den Verbrecher aus Egomanie und Gewinnsucht dabei zum Helden zu machen und ihn trotz aller Problematisierung doch einen netten Kerl sein zu lassen? «Big Manni» kann man in diesem Dilemma sogar noch mehr den benefit of the doubt zugestehen als dem amerikanischen Finanz-Blockbuster: Schließlich dekonstruiert er die tatsächlichen Rahmenbedingungen, die all die Schweinereien erst möglich gemacht haben, deutlich präziser und mitunter auch erzählerisch eleganter. Sein humoriger Duktus verbietet ihm dann jedoch die letzte intellektuelle Konsequenz, und entlässt Manni mit einem halbwegs aufrichtigen Abtritt vor dem Abspann deutlich ehrbarer aus der Geschichte, als er das verdienen würde.

Wie klug kontextualisiert und angenehm unaufdringlich «Big Manni» all die frappierenden Unglaublichkeiten schildert, kann hingegen sehr gut gefallen, während Hans-Jochen Wagner mit seiner einnehmenden Präsenz glaubhaft schildert, welcher Esprit auch von mittelbegabten Hochstaplern ausgehen kann. Zumindest in süddeutschen Bankhäusern verdient dieser Film ein großes Publikum.

Das Erste zeigt «Big Manni» am Mittwoch, den 1. Mai um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/108992
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