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«Gottschalk liest?»: Gottschalk fragt? Nein, er redet!

von   |  5 Kommentare

Der ehemalige «Wetten, dass…?»-Moderator hat die große Show-Bühne verlassen und ist im BR Fernsehen vor kleinem Publikum in einer neuen Bücher-Sendung zu sehen. Unsere TV-Kritik…

Von seinem Humor scheint Thomas Gottschalk nichts verloren zu haben. Dabei war es um den 68-jährigen Entertainer, der sich erst vor einigen Wochen von seiner langjährigen Frau Thea getrennt hat, zuletzt ruhiger geworden. Während halb Deutschland Ende des letzten Jahres über Gottschalks niedergebranntes Anwesen in Malibu diskutierte, trat die Moderatorenlegende selbst im TV nur selten in Erscheinung - von großen Samstagabendshows ganz zu schweigen.

Nun ist Thomas Gottschalk zurück im Fernsehen, wenn auch auf kleinerer Bühne. Im BR-Fernsehen präsentiert er eine neue Büchersendung mit dem Titel «Gottschalk liest?». Der Show-Dino in einer Büchershow? Das dürfte für die meisten überraschend anmuten, das Fragezeichen im Sendungstitel scheint nicht von ungefähr zu kommen. „Ich bin ja aufgrund der Gesamtverblödung des Fernsehens geradezu in die kulturelle Ecke geschubst worden, da wollte ich nie hin“, kommentierte Gottschalk im BR bereits im Vorfeld der Sendung bissig.

Bereit für die neue Aufgabe fühlt er sich trotzdem. „Zum Lesen haben die meisten heute eine App - ich habe zumindest drei Semester Germanistik." Das ist eine Ansage. Für die erste Sendung hat sich Gottschalk mit den Autoren Vea Kaiser, Sarah Kuttner, Daniel Biskup und Ferdinand von Schirach dann auch gleich vier Gäste eingeladen. Während der 45-minütigen Premiere spricht der Moderator mit ihnen über ihre Neuerscheinungen und diskutiert über Kulturthemen.

Gottschalk steht im Mittelpunkt


Wobei das mit dem Diskutieren so eine Sache ist. Gottschalk redet viel, während seine Gäste weniger zu Wort kommen als man sich das als Zuschauer wünschen würde. Seine Fragen sind häufig nicht klar formuliert, teilweise scheint sich der Moderator die Antworten in seinen Monologen selbst zu geben. Die wenigen Minuten, die jedem Autor zur Vorstellung des eigenen Werkes bleiben, verstreichen so erschreckend schnell. Und inhaltlich ist Gottschalk auch nicht allzu gut vorbereitet.

„Jeder, der ein Buch gelesen hat und mag, wünscht sich hinterher die Begegnung mit einem Autor“, beschreibt Gottschalk das Konzept der Sendung. Am Ende stellt das BR-Format für die Zuschauer vor allem die Begegnung mit einer Person dar: Thomas Gottschalk. Manch ein Bücher-Narr im Feuilleton dürfte nun aufschreien. Und mit Sicherheit: Die ideale fachliche Besetzung für einen literarischen Talk ist der herbstblonde Gottschalk nicht. Automatisch schlecht ist «Gottschalk liest?» deshalb aber trotzdem nicht.

Dem Moderator muss zu Gute gehalten werden, dass seine Sendung immer wieder unterhaltsame Momente bietet. Nach einem etwas zähen Beginn nimmt das Format tatsächlich an Fahrt auf. Als besonders schlagfertig erweist sich dabei Ferdinand von Schirach, der sein Buch „Kaffee und Zigaretten“ vorstellen darf. Dem zum Ausschweifen neigenden Gottschalk begegnet er mit kurzen, aber knackigen Kontern, was durchaus amüsant ist. Sein trockener Humor steht im krassen Gegensatz zum Show-Dino, zu zweit spielen sich die beiden die Bälle regelrecht zu.

Blöd nur, dass das Format in diesen Momenten weniger einer Büchersendung als vielmehr einer Talkshow ähnelt - am Ende des Gesprächs mit von Schirach geht es beispielsweise um Gottschalks Hotel Suite in München. Das ist lustig, über die angekündigten Bücher erfährt der Zuschauer in der Sendung so aber ziemlich wenig. Als es am Ende um den Bilderband des Fotografen Daniel Biskup geht, würde man sich als Zuschauer einen Markus Lanz wünschen. Jemanden, der fachlich gut vorbereitet ist und dem Autor etwas zu entlocken weiß.

Das wiederum gehört zwar nicht zu Gottschalks großen Stärken, ist aber auch keine neue Erkenntnis. Schon in seiner ARD-Vorabendshow «Gottschalk live» wurde ihm vor einigen Jahren ähnliches vorgeworfen. Gottschalk ist kein Talker, er ist ein Präsentator. Solange man das im Hinterkopf behält und mit der richtigen Haltung an die Sendung herantritt, kann man sich «Gottschalk liest?» trotz des überschaubaren informativen Mehrwerts getrost anschauen. Denn unterhaltsam ist der Gottschalk immer noch.

Die erste Folge von «Gottschalk liest?» ist in der Mediathek des BR abrufbar. Künftig soll es vier Ausgaben der Sendung pro Jahr geben.

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Es gibt 5 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
20.03.2019 09:46 Uhr 1
Hallo David: das ist aber nicht sein 1.mal, daß Thomas vor kleinem Publikum aufgetreten ist!! Kurz nach Ende seines "Wetten, daß...?" hatte er ja diese kurzzeitige Vorabend - Sendung in der ARD, erst sogar ganz OHNE Publikum, dann aber mit, bevor diese Sendung dann glaube ich nach nur einem 3/4 Jahr endete.





Ich habs aber Gestern nicht gesehen.
P-Joker
20.03.2019 13:32 Uhr 2
Interessant wie die einzelnen Betrachtungsweisen so sind.

In fast allen Medien reicht es von leichter Kritik bis zum Verriss.

Einzig bei Zeit.online wird die Sendung gelobt.

Dort wird von Schirach als schwächster Gast bezeichnet.

Seltsam! Bei allen anderen ist er mehr oder weniger der einzige Lichtblick!
second-k
22.03.2019 00:52 Uhr 3
Bei aller Kritik an Gottschalk, die ich teilweise berechtigt finde, finde ich nach wie vor, dass er für die große Bühne und die große Show am (Samstag-)Abend wie gemacht ist. Hab ich immer wieder gemerkt, wenn er noch sowas wie Ein Herz für Kinder moderiert hat. Moderieren und durch eine Sendung führen kann er einfach.
Kunstbanause
22.03.2019 19:41 Uhr 4
In der Literatursendung war er megapeinlich, ich habe das in der Mediathek eben nach rund 10 Minuten abbrechen müssen, und auch in den Sendungen, in denen man ihn sonst so vorher sah nach WD, oghottnee. Bitte geh in Rente.
second-k
22.03.2019 22:59 Uhr 5
Hab's nicht gesehen. Die Vorabendsendung in der ARD hab ich ein paar mal geguckt - hat mich nicht überzeugt, fand ich eher schlecht. Ich sag ja: Er braucht die große Bühne und ein großes Publikum im Studio (wo vom Jugendlichen bis zur Oma alles vertreten ist). Das ist seine Welt!

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