Die Kritiker

«Der Kroatien-Krimi - Der Mädchenmörder von Krac»

von

Irgendjemand schlachtet in Kroatien ständig junge Frauen ab. Manche Figuren sehen Hotpants als Kardinalproblem dieses Zustands an, andere die Flüchtlinge. Ein Grauen.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Neda Rahmanian als Branka Maric
Lenn Kudrjawizki als Emil Perica
Martin Feifel als Anko Tomic
Emily Kusche als Sonja Tomic
Barbara Philipp als Katarina Tomic
David Rott als Ivan Bago
Helen Woigk als Darka Kevcic

Hinter der Kamera:
Produktion: Constantin Television GmbH
Drehbuch: Christoph Darnstädt
Regie: Michael Kreindl
Kamera: Stefan Spreer
Produzenten: Friedrich Wildfeuer und Karsten Rühle
“Der Mädchenmörder von Krac“. Wie das schon klingt. Mädchenmörder. Ein Wort, in dem Säftelei und Bevormundung zueinander finden. Das verheißt nichts Gutes für einen Krimi, in dem reihenweise junge Frauen aus dem Leben scheiden. Eine der Toten dieses Films wurde schon vor Jahren vergewaltigt und erwürgt an einem kroatischen Straßenrand entsorgt. Jetzt wurde unweit des damaligen Fundorts wieder eine Leiche deponiert, diesmal ohne Anzeichen einer Vergewaltigung und erschlagen statt erdrosselt.

Der Fall landet bei Branka Maric (Neda Rahmanian), die als erstes Kontakt zu jenem Kommissar aufnimmt, der bei der damals ermordeten jungen Frau die Ermittlungen geleitet hat. Ein widerlicher Mann. Als Täter kommt für ihn nur ein Milieu infrage: Flüchtlinge. Die Balkanroute ist immer noch nicht dicht, „die ficken unsere Frauen und so sieht das dann aus.“ Angeekelter blickt Maric nur drein, wenn ihre Mutter Risotto kocht.

Die aktuelle Tote wird derweil als Eva Tomic (Caroline Hartig) identifiziert. Sie war gerade volljährig geworden und hatte dementsprechend – wie all ihre gleichaltrigen Freunde – nur ein Ziel: raus aus der desolaten Peripherie samt alkoholabhängigem Vater, und ab nach Zagreb. Die Hauptstadt gilt als „die einzige Chance auf ein eigenes Leben“. Aber gerade besoffen-jähzornige Väter wollen ihre Kinder mit aller Gewalt davon abhalten, die Gegend zu verlassen. „Die, die weg wollen, holt der böse Wolf“, wird ihnen eingetrichtert, fast wie in M. Night Shymalans «The Village». Und wie in «Jeepers Creepers» fährt ein sonderbarer Lastwagen durch die Gegend, von dem Unheil auszugehen scheint.

Doch „Der Mädchenmörder von Krac“ ist weder ein Genre-Stoff noch sonderlich atmosphärisch. Ebenso wenig kann er sinnig aufzeigen, warum all die jungen Figuren so stark nach Zagreb drängen (weder wird ihre ländliche Heimat als wirtschaftlich besonders rückständig vorgestellt, noch als menschlich abstoßend) und die Eltern sie nicht ziehen lassen wollen, außer aus den üblichen klischeehaft-generischen Gründen, die zu allgemeingültig und nichtssagend belassen werden, als dass sie die Handlungsmotive der Charaktere verdeutlichen könnten.

Bleibt nur das Motiv: Der Mädchenmörder geht um. Und trotzdem fahren die jungen Frauen noch Roller, laufen nachts frei herum und tragen sogar Hotpants, wie einer der Kommissare moniert: Altbackene Züchtigkeit als Schutz vor dem gewaltsamen Ableben. Wobei diese Logik ohnehin nur von eingeborenen archaischen Machos ins Feld geführt werden darf und nicht von den Flüchtlingen aus Allahs Wüste, die unsere Frauen ficken. Eine Doppelzüngigkeit, die in diesem Film tatsächlich in einer angenehmen Beiläufigkeit stattfindet und die kleinbürgerlich-archaische Heuchelei damit umso wirkungsvoller herausstellt. Wenn das tatsächlich so intendiert war, hat der Film doch etwas für sich.

Das Erste zeigt «Der Kroatien-Krimi – Der Mädchenmörder von Krac» am Donnerstag, den 14. März um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/107858
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