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Interview

Moderatorin Birgit Nössing: „Es sollte egal sein, ob eine Frau oder ein Mann die Fragen stellt"

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Ab dem 11. März wird die Sportjournalistin Birgit Nössing als neue Moderatorin in der Sendung «Sport und Talk» bei Servus TV zu sehen sein. Vor einem 250-köpfigem Live-Publikum wird die 90-minütige Show unter dem Motto „Der beste Sport, die besten Gäste!“ immer montags aus dem Hangar-7 in Salzburg ausgestrahlt.

Zur Person Birgit Nössing:

  • Geboren am 19. August 1982 in Bozen
  • Kommunikationswissenschafts-Studium an der LMU München
  • 2006-2011: Volontärin und später Moderatorin bei N24
  • 2011-2017: Newsanchor bei Sky Sport News HD
  • seit 2017: Moderatorin und Field-Reporterin bei Eurosport und DMAX
  • seit 11. März 2019: Moderatorin bei Servus TV
Sie sind ja unter anderem schon für Eurosport tätig, wie kam es jetzt dazu noch bei Servus TV anzuheuern?
Ich fand dieses Format immer schon sehr faszinierend und herausfordernd. Es ist eine ideale Ergänzung zu meinen Aufgaben, die ich bei Eurosport habe. Einerseits bin ich bei den großen Sportevents live vor Ort, andererseits habe ich jetzt eine eigene Studio-Sendung: Das ist für mich die perfekte Mischung.

Wenn sie jetzt die neue Show bei Servus TV moderieren, haben Sie schon spezielle Erwartungen?
Ich freue mich auf coole Gäste. Sport und Talk gibt es seit zehn Jahren und gerade in den Bereichen Wintersport, Motorsport und Fußball hat die Sendung immer ein ziemlich gutes Line-Up. Manchmal kommen absolute Weltstars, manchmal weniger berühmte Sportler, deren persönliche Erfolgsgeschichte aber genauso faszinierend ist. Gute Gespräche und viel Spaß zu haben, das wünsche ich mir.

Haben Sie schon konkret für die Sendung jemanden im Auge? Wen würden Sie gerne mal interviewen?
Also im Wintersport fände ich es interessant zum Saisonabschluss mal Marcel Hirscher zu interviewen. Ich war ja früher selber Skirennläuferin. Mit so einem Superstar zu sprechen, reizt mich schon sehr. Oder auch mit den deutschen und österreichischen Tennis-Stars: Bei den Grand Slams bei Eurosport haben die Spielerinnen und Spieler ein straffes Programm. In einer Talkshow hat man dann auch endlich mal Zeit, sich hinzusetzen und zu plaudern.

Gab es denn in ihrer Karriere bisher eine sehr spannende Begegnung mit jemandem aus der Sportbranche? Funktionäre oder Sportler z.B.?
Ich fand es großartig, dass ich Lindsey Vonn interviewen konnte. Das Interview mit Roger Federer war auch sehr spannend und dass ich mal Bastian Schweinsteiger vor der Kamera hatte, war ebenfalls etwas ganz Besonderes.

Im letzten Jahr durften Sie beispielsweise auch mit Uli Hoeneß sprechen, wie war das?
Ja das war letztes Jahr schon eines der Highlights. Das war eine Podiumsdiskussion mit vielen Vertretern aus der Wirtschaft. Aber der Sport spielte dann eben durch Uli Hoeneß eine große Rolle und den mal so 60 Minuten zu interviewen war hochinteressant. (lacht)

Ich finde es immer wichtig, dass man die goldenen Sportmomente zwar feiert, aber auch das große Ganze sieht. Was steckt dahinter? Es gibt ja auch im Leistungssport so viele Schattenseiten, die beleuchtet werden müssen.
Birgit Nössing über Themen, die ihr für «Sport und Talk» wichtig sind
Wie haben Sie sich bisher auf die neue Sendung «Sport und Talk» vorbereitet? Das Ganze wird dann ja auch vor Live-Publikum aufgezeichnet, gibt’s da für Sie irgendwelche Besonderheiten? Sind Sie schon nervös?
Das Besondere ist die Kulisse: Der Hangar ist riesengroß. Dort stehen überall Flugzeuge. Eine Sendung vor Publikum zu machen, ist eine besondere Herausforderung. Ich muss dann ja auch die Leute unterhalten und eine gewisse Bindung aufbauen. Den Mix aus Live-Band, Publikum und Interviews mit verschiedenen Gästen aus verschiedenen Sportarten finde ich sehr reizvoll. Ich war schon ein paar Mal dort, habe mir alles zeigen lassen und die Sendung live angeschaut.

Das heißt Sie haben das ganze Team bereits kennengelernt? Auch schon alle anderen Moderatoren der Show? (Sportchef Christian Nehiba, Christian Brugger, Andreas Gröbl)
Ja, ich habe das ganze Team kennengelernt. Von den Moderatoren fehlt nur noch Christian Brugger. Die anderen beiden kenn ich schon. Christian Nehiba zum Beispiel, ist ein ultimativer Vollprofi, der im Medienbereich schon so viel gemacht und erlebt hat. Da kann ich mir einiges Abschauen.

Sie haben ja schon erwähnt, dass das ihre erste regelmäßige Live-Show vor Publikum sein wird. Wird das noch einmal etwas ganz Besonderes? Denken Sie das österreichische Publikum reagiert anders als das Deutsche?
Das österreichische Publikum ist sehr Wintersport-begeistert ist. Da muss ich mal schauen, inwieweit man die großen Namen kritisch hinterfragen kann. Ich finde es immer wichtig, dass man die goldenen Sportmomente zwar feiert, aber auch das große Ganze sieht. Was steckt dahinter? Es gibt ja auch im Leistungssport so viele Schattenseiten, die beleuchtet werden müssen. Zuletzt war Doping im Leistungssport ein großes Thema. Wo geht der Spitzensport überhaupt hin und wie viel Druck herrscht da eigentlich? Ich glaube, das kann man in so einer Sendung super herausarbeiten.

Sie haben ja zu solchen wichtigen Themen früher schon Reportagen gedreht, unter anderem den Film „Dreaming America“ für Sky. Ist da vielleicht mal wieder etwas in Planung? Seitdem Sie nicht mehr dort beschäftigt sind, gab es in diesem Bereich ja weniger von Ihnen.
Also aktuell sind keine Filme geplant. Bei Sport und Talk freue ich mich darauf, Dinge aus Menschen heraus zu kitzeln, die sie sonst in den kurzen und knappen Interviews am Spielfeldrand oder an der Strecke nicht sagen würden. Gerade diese Wohlfühlatmosphäre, die bei unserem Talk herrscht, ist das Besondere. Es ist alles gemütlich eingerichtet und die Sportler werden gut versorgt. Meine Erfahrung ist: Wenn sich Interviewpartner wohlfühlen und Zeit haben, dann zeigen sie mehr von sich, tauen auf und wir erfahren Geschichten, die sie sonst nicht erzählen würden.

Wo liegt denn der Unterschied, wenn Sie bei einem Live-Event sind und eben nur kurz für die Leute Zeit haben?
Also der Unterschied ist, dass die Sportler voll unter Strom stehen. Da ist total viel Adrenalin im Spiel. Bei der nordischen Ski-WM in Seefeld habe ich gemerkt, dass sich die Skispringer zum Beispiel auf die Interviews freuen, aber gerade zwischen den Durchgängen noch voll im Tunnel sind. Auch beim Fußball erleben die Sportler Höhen und Tiefen und haben noch nicht viel verarbeitet. Das ist der Knackpunkt. In einer Talkshow haben sie das Erlebte bereits verarbeitet. Da können sie in Ruhe erzählen, wie es wirklich war.

Bei Eurosport sind Sie ja jetzt mehr in dieser Live-Berichterstattungs-Schiene drin. Wie bewerten Sie mittlerweile ihr Engagement dort? Macht es ihnen immer noch sehr viel Spaß?
Ich mache dort nach wie vor Tennis, Bundesliga und olympische Spiele. Also die ersten zwei Jahre bei Eurosport waren sehr aufregend, weil ich auch mit Sport-Berichterstattung vor Ort relativ wenig Erfahrung hatte. Gerade die Sportler mal kennenzulernen und in diesen Extrem-Momenten zu interviewen, ist wirklich besonders. Ich würde es insgesamt als super Erfahrung bewerten.

Waren Sie sehr nervös, als Sie zum ersten Mal einen großen Sportler, den man sonst nur so aus dem Fernsehen kennt, vor der Kamera hatten?
Bei den ersten Mixed-Zone-Interviews schon, weil die sehr schnell gehen mussten. Das waren dann auch die Top-Wintersportler oder Top-Fußballer. Als Fernsehjournalistin musst du auf den Punkt genau funktionieren. Wenn dann Marcel Hirscher plötzlich vor dir steht, sollten einem schon ein paar sinnvolle Fragen einfallen.

Zurück zu «Sport und Talk». Sie sind in dem Moderatoren-Quartett ja die einzige Frau, wie bewerten Sie die Rolle der Frau im Sportjournalismus?
Das ist natürlich ein Punkt, der mich überzeugt hat. Meinem neuen Chef Christian Nehiba war es total wichtig, eine Frau ins Moderations-Team zu holen. Für mich ist es eine große Ehre, in zehn Jahren die erste Frau zu sein, die Sport und Talk moderiert. Wenn man sich so umschaut, dann gibt es nicht so viele Sporttalk-Sendungen, die von einer Frau präsentiert werden. Es gibt natürlich viele Sportsendungen, wie «Die Sportschau» oder «Bundesliga Aktuell», die von tollen Kolleginnen moderiert werden. Aber reine Talkformate, in denen die Frau nicht der Sidekick ist, gibt es nicht so oft.

Trotzdem ist in dem Bereich noch viel Luft nach oben. Nicht jede Frau sieht sich der Aufgabe gewachsen. Nicht jede Frau hat die nötige Erfahrung und nicht jede Frau hat Lust auf so etwas. Es muss schon passen und zwar von beiden Seiten: Man muss sich als Frau bereit fühlen mit Profisportlern und den großen Funktionären dieser Welt - die auch alle so ihre kleinen Macken haben (lacht) – zu sprechen. Außerdem muss der Sender auch bereit sein, genügend Rückendeckung zu geben und diese weibliche Sichtweise zu unterstützen.

Sie sind ja jetzt auch schon eine Weile im Geschäft, wie hat sich die Rolle denn entwickelt? Geht es in die richtige Richtung? Hat sich die Situation verbessert?
Also ich finde, dass wir Frauen viel präsenter sind und es ganz klar in die richtige Richtung geht. Beim Fußball allerdings, wo viele Zuschauer meinen sich auszukennen, werden Frauen Fehler weniger schnell verziehen als Männern. Das finde ich nicht fair. Bei einem Mann drückt man gerne mal ein Auge zu. Aber bei Frauen schaut man doch etwas genauer hin. Wenn unsere Anwesenheit noch selbstverständlicher wäre und der Anteil von weiblichen Kommentatorinnen oder Moderatorinnen im Sport noch größer wäre, würden sich so manche Diskussionen, die wir der Vergangenheit im Fußball hatten, vielleicht erledigen.

Beim Fußball, wo viele Zuschauer meinen sich auszukennen, werden Frauen Fehler weniger schnell verziehen als Männern. Das finde ich nicht fair.
Birgit Nössing über die Rolle der Frau im Sportjournalismus
Jetzt wo Sie diese starke Rolle als Moderatorin in einem Sporttalk innehaben, denken Sie, dass Sie auch die Position des weiblichen Geschlechts in der Branche stärken können, und dass Sie zeigen können, dass auch Frauen in diesem Beruf eine große Expertise vorweisen können?
Klar sind wir weiter in der Minderheit, aber ich bin jetzt nicht auf einer Mission oder so. Unsere Position wird sich dann stärken, wenn wir inhaltlich gut arbeiten und wenn wir Frauen in erster Linie als gute Journalistinnen wahrgenommen werden. Auch wenn ich mich wiederhole: Eine Frau in diesem Job sollte viel selbstverständlicher sein. Es sollte nicht heißen: „Oh da steht ne Frau und macht Fußball. Oh da sitzt jetzt ne Frau und moderiert «Sport und Talk».“ Es sollte einfach immer normaler werden und egal sein, ob eine Frau oder ein Mann den Sportlern eine Frage stellt.

Hatten Sie denn schon ein paar Momente, in denen man gemerkt hat, dass der Interviewpartner Ihnen Expertise abspricht, weil Sie eine Frau sind?
Also mir ist das zum Glück noch nicht passiert. Ich achte aber auch wirklich drauf, dass ich auf Augenhöhe agiere. Es ist eine Frage der Persönlichkeit und des Auftretens, wie man wahrgenommen wird. Augenhöhe ist das A und O in diesem Beruf.

Abschließend noch die Frage: Wie zufrieden sind Sie denn jetzt mit Ihren gesamten Engagements?
Ich würde sagen, dass ich jetzt einfach die perfekte Mischung mit den beiden Engagements bei Eurosport und Servus TV gefunden habe. Es ist super, dass ich so viel reisen kann, aber trotzdem die Bindung zu meiner Heimat München habe. Denn Salzburg ist ja nur ein Katzensprung entfernt. Das habe ich mir immer so vorgestellt: Ein spannender Job, viel unterwegs sein, aber auch genug Zeit für meinen Mann, meine Familie und Freunde zu haben. Andere konkrete Plane habe ich jetzt gerade nicht im Kopf. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.

Als Moderatorin ist Birgit Nössing ab dem 11. März in «Sport und Talk» bei Servus TV live um 21.15 Uhr in Österreich und um 23.15 Uhr in Deutschland zu sehen. Dort wird sie immer montags abwechselnd mit den drei weiteren Moderatoren Christian Nehiba, Christian Brugger und Andreas Gröbl aus dem Hangar-7 in Salzburg moderieren.

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