Wirtschaft

ProSiebenSat.1: Umsatzrückgang, Anstieg der Kosten und mehr Schulden

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Pech für die Anleger: Weil das Unternehmen mehr in eigene Programme stecken möchte, wird auch die Dividenden-Ausschüttung massiv gesenkt.

Die ProSiebenSat.1 Media SE gab am Donnerstag die Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres heraus. Diese sehen auf dem ersten Blick wenig vielversprechend aus, denn sowohl der Umsatz sank und die Ausgaben stiegen. Die Ausschüttung der Dividenden-Summe soll sinken, das dürfte viele Aktionäre ebenfalls nicht zufrieden stimmen. „2018 war kein Jahr, mit dem wir zufrieden sein können, da wir die Schwäche im TV-Werbegeschäft noch nicht ausreichend mit dem Wachstum im Digital- und Commerce-Bereich ausgleichen konnten“, versucht ProSiebenSat.1-Vorstand Max Conze die Mitarbeiter und Anleger zu beruhigen.

Die ProSiebenSat.1-Gruppe setzte im vergangenen Geschäftsjahr 4.009 Millionen Euro um, das ist ein Rückgang um zwei Prozent. Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete das Unternehmen 4.078 Millionen Euro. Gleichzeitig stiegen die Kosten von 3.590 auf 3.710 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab. Der Anstieg der Kosten um drei Prozent wird – vor allem – bei den Anlegern ungern gesehen. Dennoch tut sich viel bei der roten Sieben: Das Unternehmen versucht auf die amerikanischen Streamingdienste zu reagieren und möchte mehr eigene Inhalte produzieren. Diese Strategie ist nicht kostenarm, kann die Firma aber langfristig auf gesunde Füße stellen.

„Wir haben dennoch die essentielle Transformation zu einem digitalen, diversifizierten Entertainment- und Commerce-Champion angestoßen – und der Start ins Jahr 2019 zeigt erste Fortschritte: Die Anzahl der Total Video Views steigt, aktuell sind unsere TV-Zuschauermarktanteile dank starker lokaler Erfolgsformate die besten seit 2016. Das digitale und smarte Werbegeschäft, die NuCom Group und Red Arrow Studios wachsen alle zweistellig“, so der ProSiebenSat.1-Chef, „wir haben ein starkes Team aufgebaut und sind schneller in der Umsetzung geworden. Auf der anderen Seite ist der zugrundeliegende TV-Werbemarkt nach wie vor schwer zu prognostizieren – Januar und Februar entwickelten sich ordentlich, März wird vorrausichtlich schwach. Jetzt liegt unser voller Fokus auf dem erfolgreichen Launch unserer neuen Streaming-Plattform mit Discovery in diesem Sommer sowie darauf, lokale Inhalte, Total Video Views, unsere Total- und Smart-Reach sowie adressierbare Werbeprodukte auszubauen. Und wir werden das Wachstum und die Größe unserer NuCom-Commerce-Champions weiter vorantreiben. Transformation ist nie einfach – aber ich bin zuversichtlich, dass wir mit unserer Strategie, der Leidenschaft unserer Mitarbeiter und vor allem unserem Willen weiterhin an der Spitze bleiben und gewinnen werden."

Im Bereich Entertainment schrumpfte der Umsatz von 2.798 auf 2.718 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen ging von 898 auf 881 Millionen Euro zurück. Im Bereich „Content Production & Global Sales“ verbesserte sich das Ergebnis hingegen von 594 auf 608 Millionen Euro, das EBITDA wuchs um zwei Drittel von 19 auf 31 Millionen Euro. Im „Commerce“-Bereich stiegen die Erlöse von 820 auf 831 Millionen Euro, allerdings sank das Ergebnis von 135 auf 103 Millionen Euro.

Die Zahlen ordnet der ProSiebenSat.1-Finanzvorstand Dr. Jan Kemper so ein: „Wir haben 2018 im Segment Entertainment eine intensive Transformation angestoßen, und sehen bereits die ersten positiven Effekte auf der Finanzseite – auch wenn wir noch ein ganzes Stück des Weges vor uns haben. Die Ergebnisse des vierten Quartals zeigen klar, dass ein diversifizierterer Umsatz der Erfolgsschlüssel für die Zukunft der Gruppe sein wird. Hier freut es mich natürlich besonders, dass die verschiedenen Produkte und Dienstleistungen der NuCom Group so gut angenommen werden. Zusammen mit einem weiterhin stringenten Effizienzprogramm auf Gruppenebene konnten wir so die branchenweite Schwäche im Werbemarkt teilweise kompensieren.“

Die Aktionäre sollen für das Geschäftsjahr 2018 eine Dividende von 1,19 Euro pro Aktie erhalten. Im Vorjahr wurden noch 1,93 Euro an die Anteilseigner der Aktiengesellschaft ausgeschüttet. Man habe bereits im November 2018 ein „Total-Shareholder-Return“-Konzept vorgestellt, das dafür sorgt, dass die Gewinne in der wirtschaftlich angespannten Situation im Unternehmen verbleiben sollen. Immerhin eine gute Nachricht gibt es für die Anleger: Da der Aktienkurs gefallen ist, beträgt die jährliche Rendite 7,7 Prozent, im Vorjahr waren es 6,7 Prozent. Gleichzeitig hat das Unternehmen schon rund drei Millionen eigene Aktien zurückgekauft. Das kostete allerdings auch viel Eigenkapital, weshalb die Netto-Finanzverbindlichkeiten nun bei 2,1 Prozent stehen und der Konzern um 0,5 Prozentpunkte weiter in die Verschuldung rutschte. Allerdings ist das weiterhin im angestrebten Bereich von 1,5 bis 2,5 des adjusted EBITDA.

Die angestrebten Ziele der ProSiebenSat.1-Gruppe sind schon seit einiger Zeit klar: Es sollen mehr lokale Inhalte produziert werden. Dieses Unterfangen ist allerdings alles andere als einfach, weil vor allem die jüngsten, wichtigen Inhalte von Sat.1 floppten. Die weiteren Sender wie ProSieben, kabel eins, sixx, ProSieben Maxx und Co. bestehen weiterhin zu einem sehr hohen Prozentsatz aus amerikanischer Lizenzware. Ob sich die geplante Streamingplattform von ProSiebenSat.1 und Discovery gegen die amerikanischen Streamingdienste und die heimischen Konkurrenten aus Sky Deutschland, TV Now, Telekom und ARD und ZDF durchsetzt, steht ebenfalls in den Sternen.

Insofern darf hinterfragt werden, ob die 120 Millionen Euro, die 2019 für „lokale Inhalte, den Ausbau digitaler Plattformen und eine verbesserte Monetarsierung der Reichweite“ zur Verfügung stehen, wirklich ausreichen. Während das klassische Werbegeschäft immer noch von Lizenzwaren abhängig ist, sind die Produktionsnetzwerke wie die Red Arrow Studios erfolgreich unterwegs. Auch bei YouTube konnte sich das Unternehmen durchsetzen und überzeugt mit sehr reichweitenstarken Kanälen.

Man überprüfte zudem auch die rechtlichen Möglichkeiten mit den bestehenden US-Studio-Verträgen. Das Unternehmen „traf hier die strategische Entscheidung, einen Teil seiner US-Programm an die Streaming-Plattform 7TV zu sublizenzieren“. Diese Aktion mag durch das veränderte Zuschauerverhalten sinnvoll sein, auch die RTL-Gruppe hat mit US Now einen ähnlichen Weg gefunden. Allerdings führt die Ausgliederung der US-Lizenzprogramme zu weiterer Eintönigkeit. Erst vergangene Woche kündigte das Unternehmen an, «The Big Bang Theory»  weitere zehn Episoden pro Woche zu wiederholen. Inwieweit es möglich sein wird, die jungen Kanäle der ProSiebenSat.1-Gruppe von Lizenzprogrammen unabhängig zu gestalten, kann die ProSiebenSat.1 SE nicht beantworten.

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