Die Kritiker

«Polizeiruf 110 – Zehn Rosen»

von

Der neue «Polizeiruf 110»-Fall aus Magdeburg erzählt von einer Transfrau unter Mordverdacht.

Cast und Crew

  • Regie: Torsten C. Fischer
  • Drehbuch: Wolfgang Stauch – nach einer Vorlage von Martin Douven
  • Darsteller: Claudia Michelsen, Matthias Matschke, Felix Vörtler, Alessija Lause, André Jung, Steven Scharf, Sven Schelker, Jan Krauter, Birgit Schade, Henning Peker
  • Kamera: Theo Bierkens
  • Schnitt: Heike Parplies
  • Musik: Wolfgang Glum, Warner Poland
"Man kann nicht gut laufen, wenn die Füße gefesselt sind", heißt es in «Polizeiruf 110 – Zehn Rosen», und auch wenn es ganz offensichtlich als sarkastische Retourkutsche auf eine Ermittlerfrage gedacht ist, fällt diese banale Feststellung in dem ARD-Krimi völlig flach. Und sie ist nur einer von diversen hölzernen Dialogpassagen in dem Magdeburger «Polizeiruf 110». Das ist sehr bedauerlich, denn die mehrschichtige Figurenskizzierung und die empathisch-sanfte Erzählhaltung des Falls machen diesen Neunzigminüter eigentlich sehenswert – wenn man halt über die eine oder andere Dialogzeile hinwegsehen kann.

Der Fall beginnt, als in einem verlassenen Hinterhof die schwer zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden wird, die an ihren Füßen eine ungewöhnliche Fesselung aufweißt. Hauptkommissarin Doreen Brasch vermutet dahinter eine symbolische Bedeutung und glaubt, einem Serientäter auf der Spur zu sein. Ihr Kollege Hauptkommissar Dirk Köhler forscht daher in der Datenbank nach vergleichbaren Fällen, bis er mit Hilfe seines Vorgesetzten Lemp auf den Mord an der Prostituierten Jessica Peschke stößt.

Deren Leiche wurde vor einiger Zeit auf selbe Weise gefesselt. Angeklagter war ihr Bekannter Paul Schilling, der aufgrund schwacher Beweislage freigelassen wurde. Nun gerät Schilling, der nun als Transfrau Pauline Schilling in einem Blumenladen arbeitet, erneut in Verdacht, zumal schon wieder eine Verbindung zum Mordopfer besteht …


Drehbuchautor Wolfgang Stauch, der nach einer Vorlage von Martin Douven arbeitet, geht in seinem Skript sehr sensibel mit der nicht-ganz-so-heimlichen Protagonistin des Films um: Nicht die Ermittlungsarbeit, sondern Pauline Schillings Hadern mit dem Herumbohren der Polizei in ihrer Vergangenheit sowie ihr Hadern im Umgang mit denen, die ihr nahe stehen, bilden den dramaturgischen Fokus des Films. Alessija Lause spielt die Rolle mit einer emotionalen Verfahrenheit, sie zeigt Pauline als stolze, dennoch verletzliche und zweifelnde Person, wodurch dieser «Polizeiruf 110»-Film eine psychologische Dichte erhält sowie eine magnetisierende Empathie.

Regisseur Torsten C. Fischer verzichtet weitestgehend auf Effekthascherei und schafft stattdessen eine edeldunkle Grundoptik, durch die sich leicht die Aufmerksamkeit auf die bewegten Gesichter der zentralen Figuren lenken lässt. Vereinzelt findet dann aber doch etwas schwerfällige Symbolik Eingang in diesen Krimi – ein wiederkehrendes Rosenmotiv überbetont die zumeist feingliedrig erzählte Dramatik. Gelungen ist derweil, wie Brasch (Claudia Michelsen) in diesem Neunzigminüter dezent auftaut, ohne ihr Einzelgängerdasein zu verraten.

Das Zusammenspiel mit Steven Scharf als Polizeipsychologe Niklas Wilke sorgt für einige der subtileren Glanzmomente in den Ermittler-Szenen – und Matthias Matschke darf sogar wieder seine spröde Ironie ausspielen, was ihm in früheren «Polizeiruf 110»-Einsätzen noch untersagt war, wohingegen ein Nebenplot über den Chef unserer Ermittler unnötig der wahren Story Laufzeit raubt.

«Polizeiruf 110» ist am 10. Februar 2019 ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

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