Die Kritiker

«Helen Dorn – Nach dem Sturm»

von

Der elfte «Helen Dorn»-Fall hat gute Ansätze, doch das Potential wird durch die Umsetzung gehemmt.

Hinter den Kulissen

  • Regie: Sebastian Ko
  • Drehbuch: Nicole Armbruster
  • Darsteller: Anna Loos, Johannes Zirner, Lena Stolze, Uwe Preuss, Ronald Kukulies, Tanja Schleiff, Ernst Stötzner, Tristan Seith, Michael Schenk, David Korbmann, Morgane Ferru, Alexandra von Schwerin
  • Kamera: Andreas Köhler
  • Schnitt: Dora Vajda
  • Musik: Olaf Didolff
Nach dem atypischen Kölner «Tatort» mit dem Titel «Weiter, immer weiter» kommt nun schon der zweite öffentlich-rechtliche Krimi dieses Jahres, den Regisseur Sebastian Ko verantwortet hat. Der Filmemacher, der auch schon für «Alarm für Cobra 11» hinter der Kamera stand, tritt in die «Helen Dorn»-Fußstapfen von Alexander Dierbach, der schon sechs Fälle inszenierte, und drehte «Helen Dorn – Nach dem Sturm» im Doppel mit der kommenden «Helen Dorn»-Ausgabe. Bei «Nach dem Sturm» arbeitet Ko nach einem Drehbuch der Dramaturgin Nicole Armbruster, die den mehrfach preisgekrönten «Freitstatt» über die Misshandlungen in den Freistatt-Heimen mitverfasst hat.

Auch «Nach dem Sturm» geht in heikle thematische Gefilde, wenngleich in fiktive: In einem Bergischen Dorf wird nach einem lokalen Fest die junge Frau Karla Petersen ermordet aufgefunden, bei der Tatortuntersuchung wird zudem von einer versuchten oder gar vollzogenen Vergewaltigung gesprochen. Helen Dorn übernimmt den Fall, selbst wenn sie noch immer emotional davon mitgenommen ist, dass sich ihr Vater im Koma befindet. Die Dorfbewohner sprechen in Verhören von einem normalen, ausgelassenen Dorffest ohne Auffälligkeiten, reden mit Verdacht in ihrer Stimme über einen "komischen" Autisten aus der Gegend.

Schutzpolizist Tom Petersen, der Bruder der Ermordeten, mischt sich gegen Dorns Anraten in die Untersuchungen ein und reagiert auf die Behäbigkeit, mit dem seine Mitmenschen auf den Fall reagieren, derweil extrem ungehalten. Als bei der Untersuchung der Leiche wertvolle Hinweise gefunden und alsbald auch eine brauchbare Zeugenaussage aufgenommen wird, scheint sich das Blatt zu wenden …


Nach dem Prag-Abstecher geht es für die Düsseldorferin Helen Dorn also in die ländliche, bergige Provinz, wo ihr Behäbigkeit und eine eingeschworene Dorfgemeinde begegnen, Dinge, die sie in ihrem emotional angeknacksten Zustand zur Verzweiflung treiben. Dieser «Helen Dorn»-Teil zeigt seine Titelfigur so müde, desillusioniert und dauererschöpft wie nie zuvor, und Anna Loos spielt dies mit großer Überzeugungskraft. Dorns Zerfahrenheit behindern zudem mehrmals den korrekten Ablauf der Dinge, ähnlich wie ihr zorniger, da emotional involvierter Dorfkollege Justizia Steine in den Weg legt.

Dass dieser Krimi seine entscheidenden Figuren mehrmals menschliche, aber schwere Fehler machen lässt, ist ein konsequenter, thematischer Faden, an den Armbrusters Skript mit einer weiteren Idee anknüpft, indem sie kritisch auf potentielle Gesetzeslücken blickt, die dadurch entstanden sind, dass die Gesetzestexte manche Situationen der emotionalen Belastung nicht vorgesehen haben.

Dieses Potential wird allerdings dadurch ausgebremst, dass die komplizierte Beziehung zwischen Dorn und ihrem Kollegen schwerfällig eingefädelt wird und auch das verkrampfte Zusammenspiel zwischen Loos und Johannes Partner nicht dem Gedanken hinter dieser zufallsbasierten Nutzbeziehung gerecht wird. Wie Ko die Annäherungsversuche inszeniert, tut dem Ganzen ebenfalls keinen Gefallen, ein die Beiden näher bringender Fahrradunfall ist nahezu amateuerhaft. Deutlich stärker ist das auf Parallelmontagen und dramatisch-ironische Musikuntermalung setzende Finale, das den zwischenzeitlich etwas bemüht wirkenden Krimi gegen Schluss atmosphärisch nach oben zieht.

«Helen Dorn – Nach dem Sturm» ist am 9. Februar 2019 ab 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

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