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«Star Trek: Discovery» – Leben im Rückspiegel

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Die Abenteuer rund um die Crew der USS Discovery befinden sich bereits im zweiten Jahr. Nach einem problematischen und nicht immer glücklichen Start versuchen die Macher nun, alten Pfaden zu folgen. Doch mit Erfolg?

Chaos on the bridge


Eigentlich handelt es sich bei der Kapitelüberschrift um den Titel einer Dokumentation über die Dramen hinter den Kulissen der ersten Staffel von «Star Trek: The Next Generation». Diese Ereignisse sind jedoch schon 32 Jahre her! Umso erstaunlicher, dass die Überschrift auch auf den Entstehungsprozess der jüngsten Serie des Trek-Franchises wie die Faust aufs Auge passt.

Bryan Fuller wurde als Franchise-Retter gepriesen und noch vor Ausstrahlung der ersten Episode wieder aus der Verantwortung entlassen. Davor hatte er schon mit Terminverschiebungen, Budgetproblemen und einem völlig missglückten Trailer zu kämpfen gehabt. Die erste Staffel an sich wirkte dann an vielen Ecken auch wie ein Flickenteppich und bestätigte die alte Regel von zu vielen Köchen am selben Brei.

Another one bites the dust


Das zweite Jahr fing dafür ziemlich entspannt und souverän an. Hinter den Kulissen herrschte (zumindest dem Anschein nach) eitel Sonnenschein und die neue Ausrichtung sollte auch den eingefleischten Fans gefallen.

Leider bröckelte die Fassade aber noch im ersten Produktionsdrittel der Staffel, als die beiden Showrunner Gretchen Berg und Aaron Harberts ihre Stühle räumen mussten. Eine miese Stimmung zwischen ihnen und den Autoren, Budgeteskapaden sowie andere unschöne Gerüchte machten schnell die Runde. Diesmal wurde die Angelegenheit direkt zur Chefsache erklärt: Alex Kurtzman, neuer Chef des Trek-TV-Franchises, übernahm die tägliche Arbeit an der Serie und führte die Staffel ins Ziel.

That’s more like it!


Aktuell sind drei Episoden der neuen Staffel auf Netflix gelaufen. Eines kann man in jedem Fall bereits festhalten: Die Autoren konzentrieren sich eindeutig mehr auf das Team als Familie und beziehen sogar die bislang wenig beachtete Brückencrew mit in die Geschichten ein, bringen dazu weiterhin viele Kanon-Referenzen, die Alt-Trekkies freuen sollen, und versuchen sich an Old-School-Themen wie Planetenmissionen oder der Begeisterung für die Wissenschaft. All das macht «Star Trek: Discovery» ohne jede Frage aktuell zu einer klassischeren Trek-Serie im visuell bombastischen Gewand.

Ebenfalls positiv ist, dass man in der Causa Klingonen einen Schritt auf die Fans zugegangen ist. Das beginnt bei den Haaren und Bärten (die die Krieger nun nach dem Krieg wieder wachsen lassen), geht über den Verzicht auf endlose Untertitel und endet bei Kleinigkeiten wie dem Verhalten der Figuren und dem visuell vertrauten D7-Schlachtkreuzer, den man wieder eingeführt hat. Das Experiment „neue Klingonen“ muss damit zwar ein wenig als gescheitert betrachtet werden, für die Fans wird die Annäherung an das Bekannte aber eher positiv sein.

Schauspielerisch macht die Serie indes da weiter, wo sie aufgehört hat. Mary Wiseman (Tilly), Anthony Rapp (Stamets), Shazad Latif (Tyler) und Doug Jones (Saru) stechen gemeinsam mit dem wirklich brillant gecasteten Anson Mount als Captain Pike aus einem insgesamt starken Ensemble heraus, dessen Herzstück jedoch weiterhin die aus «The Walking Dead» bekannte Sonequa Martin-Green als Michael Burnham bleibt.

Wer also weiterhin damit umgehen kann, dass wir es als Zuschauer eindeutig mit einem visuellen Reboot des Trek-Franchises, analog zur Optik der Reboot-Kinofilme, zu tun haben, wird bestens bedient. Wer des Weiteren darüber hinwegsehen kann, dass mit dem Kanon aus über 700 Episoden und zehn klassischen Filmen (die alle mit «Star Trek: Discovery» in der gleichen Zeitlinie spielen) längst nicht alles passt und funktioniert, besitzt sogar noch bessere Chancen auf blendende Unterhaltung.

Illusionen sollte man sich aber auch keinen hingeben: «Star Trek: Discovery» ist bestimmt keine perfekte Serie (doch welche ist das schon?) und auch keine perfekte Trek-Serie. Sie ist auch nicht der große Wurf, den die Macher immer gerne kommunizieren. Sie macht aber bereits vieles richtig und definitiv mehr als im ersten Jahr. Das reicht aktuell fraglos bereits für gute Unterhaltung aus.

We are Discovery, are we?


Was der Serie aktuell jedoch noch fehlt ist eine eigene Identität und eine Relevanz, die sich das Franchise von Beginn an auf die Fahnen geschrieben hatte. «Star Trek: Discovery» lebt stark in der Besinnung auf das Vergangene, kombiniert es mit dem Coolen der heutigen Zeit und befasst sich mit sich selbst und weniger mit dem, was in der realen Welt heute passiert. Das macht die Serie nicht schlechter als das klassische Trek, in jedem Fall aber anders.

So fällt es schwer, die Serie zu fassen. Im ersten Jahr drehte sich erst alles um den großen Krieg gegen die Klingonen, dann um das Spiegeluniversum. Beides waren bekannte Versatzstücke aus dem großen «Star Trek»-Kanon. Nun präsentiert man einen neuen Captain (der aber ebenfalls aus der Originalserie bekannt ist), holt Spock und die USS Enterprise dazu und baut mit den Signalen und dem Roten Engel zumindest ein Mysterium auf, von dem wir bisher noch nie etwas gehört haben. Das ist zumindest ein Anfang. Die Autoren dürfen gerne zukünftig weniger auf Bekanntes vertrauen und dafür eigene Wege gehen. Vielleicht muss die Identität der Serie dann auch einfach aus dem stetigen Wandel und den Geschichten über die Figuren entstehen. Das hat schließlich schon «Star Trek» und «Star Trek: The Next Generation» gut zu Gesicht gestanden.

Here’s to the future!


Aktuell ist noch unklar, wohin die Reise für die Serie gehen wird. Die Staffel ist zu jung, um ein Urteil fällen zu können. Auch bleibt es natürlich ein Geheimnis, was man sich für die finalen Momente der vierzehn Episoden hat einfallen lassen. Gibt es einen erneuten Cliffhanger oder ein vorsichtig rundes Ende für den Fall der Absetzung? CBS hat sich noch nicht geäußert, die Planungen seitens der Produzenten und Autoren für mehr Abenteuer laufen aber bereits.

Die Frage wird letztlich sein: Reichen CBS die Abozahlen ihres Streamingdienstes CBS All Access oder setzt man vielleicht lieber auf die Picard-Serie, die Ende 2019 auf den Schirmen landen soll? Bald sind wir bestimmt schlauer. Zu wenig «Star Trek» wird es angesichts der kommenden Animationsserie «Star Trek: Lower Decks», animierten «Short Treks», eines weiteren Animationsprojekts, der Sektion-31-Serie rund um Michelle Yeoh und den neuen Abenteuern des Jean-Luc Picard aber sicher vorerst nicht geben. Egal, wie die Geschichte rund um die Crew der Discovery auch immer ausgehen mag …

«Star Trek: Discovery» gibt es in Deutschland exklusiv bei Netflix. Aktuell läuft jede Woche eine neue Episode der zweiten Staffel. Dazu steht die erste Staffel mit fünfzehn Episoden sowie vier sogenannte «Short Treks» zur Verfügung.

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