Die Kritiker

«Tatort - Wahre Lügen»

von

Der neue Wiener «Tatort» hätte wie früher werden können: politisch, haltungsvoll, clever. Doch statt sich ganz auf sein Thema einzulassen, macht er um den Polit-Thriller einen großen Bogen.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Harald Krassnitzer als Moritz Eisner
Adele Neuhauser als Bibi Fellner
Emily Cox als Sibylle Wildering
Robert Hunger-Bühler als David Weimann
Peter Matic als Hans-Werner Kirchweger
Franziska Hackl als Dr. Maria Digruber
Sebastian Wendelin als Lukas Kragl

Hinter der Kamera:
Produktion: Cult Film GmbH
Drehbuch und Regie: Thomas Roth
Kamera: Arthur W. Ahrweiler
Eine deutsche Journalistin wühlt in uralten Geschichten: In den frühen achtziger Jahren kam der ehemalige österreichische Verteidigungsminister Karl Lütgendorf unter mysteriösen Umständen zu Tode. Die damaligen Ermittler legten den Fall rasch als Suizid zu den Akten, doch nicht wenige Ungereimtheiten bieten zahlreichen mehr oder minder abstrusen Verschwörungstheorien bis heute einen fruchtbaren Nährboden. Jetzt ist die Journalistin tot aus dem Wolfgangsee gezogen worden. Ihr war aus nächster Nähe ins Herz geschossen und die Mordwaffe anschließend mit Panzertape ans Handgelenk gepappt worden.

Als ihre Lebensgefährtin (Emily Cox) in Wien eintrifft, kann sie Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ein paar tiefere Einblicke in die Arbeit ihrer Partnerin gewähren: Im Rahmen ihrer Recherchen zum Fall Lütgendorf hatte sie es auch auf einen österreichischen IT-Unternehmer abgesehen, der seit Jahrzehnten in die illegale internationale Waffenschieberei verwickelt sein soll.

Doch schon bald kreuzt die Generaldirektorin für Innere Sicherheit aus dem Innenministerium auf Bibis und Eisners Revier auf und bremst ihre Ermittlungsarbeiten unausgesprochen, aber deutlich aus – was die Beiden natürlich nur weiter anheizt, obwohl der gut vernetzte Vorgesetzte den hohen Besuch mit einem herzigen „Küss die Hand, Frau Doktor!“ wohlgestimmt wissen will.

Nur schade, dass dieser Fall weder in einen handfesten Justizskandal noch nach einer wendungs- und haltungsreichen Tour de Force in die «Chinatown»-eske erschöpfende Resignation mündet, sondern in nichts als die pure Langeweile.

Was hätte dieser Stoff alles geboten: Komplotte, (tatsächliche) österreichische Polit-Intrigen, staatliche Einflussnahme und Bevormundung, vom beinharten Investigativjournalisten-Thriller bis zur tiefenpsychologischen Aufarbeitung alter Schuld wäre thematisch alles drin gewesen. Vor vielen Jahren hat just dieser Wiener «Tatort» noch regelmäßig vorgemacht, wie so etwas geht, und die deutsche Konkurrenz mit den Ohren schlackern lassen.

Doch in „Wahre Lügen“ fehlt davon jede Spur. Die politische Komponente des Stoffes erschöpft sich in der plumpen schwarz-rot-blauen Farbenlehre, der psychologische Aspekt begnügt sich mit reißerischen Racheplänen des hinterbliebenen Lebensmenschen.

Noch schlimmer wirkt das Endergebnis hinsichtlich der unbeholfenen Dramaturgie, an der sich dieses Drehbuch entlang hangelt: Jede Information wird Eisner und Fellner gerade zur rechten Zeit bekannt, um die nächste Wendung einzuleiten, und am Schluss müssen sie sogar ihre erstaunlich depperten Nachlässigkeiten erklären, weil nur so die angestrebte Auflösung zustande kommen kann: Statt einer politischen Resolution (die es so ob der Verwurzelung des Falles in der Realität natürlich nicht geben kann) oder ihrer eleganten Aussparung, steht am Schluss eine hanebüchene Privatgeschichte – angesichts der aktuellen Stoßrichtung dieser «Tatort»-Reihe irgendwie passend.

Das Erste zeigt «Tatort – Wahre Lügen» am Sonntag, den 13. Januar um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/106459
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