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«Leben. Lieben. Leipzig»: Warum Leipzig das neue Berlin ist

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RTL II und filmpool unternehmen den nächsten Versuch: Über sieben Jahre nach dem Start von «Berlin – Tag & Nacht» expandiert man nach Leipzig. Felix Wesseler, Director of Operations bei der Produktionsfirma, verspricht: Die neue Serie gibt richtig auf die Zwölf. Somit unterscheidet sie sich auch vom inzwischen erwachsen gewordenen Vorbild.

Leipzig. Knapp 600.000 Einwohner. Universitätsstadt und künftig Zentrum einer neuen Vorabend-Serie von RTL II. Der in München sitzende Privatsender testet nun drei Wochen lang eine weitere authentisch aussehende Daily-Soap – das dritte Projekt nach «Berlin – Tag & Nacht» und «Köln 50667». „Leipzig ist vielleicht das Berlin von heute“, sagt Felix Wesseler, Director of Operations bei der herstellenden Firma filmpool. Das Unternehmen ist Spezialist in der Herstellung von Formaten dieser Programmfarbe. Die Firma mit Hauptsitz in Hürth bei Köln produziert auch «Auf Streife», «Meine Geschichte – Mein Leben» oder eben die RTL II-Soaps. „Was Berlin vor acht Jahren war, eine Stadt im Auf- und Umbruch, verbunden mit Hoffnungen und Träumen, ist jetzt Leipzig. Leipzig hat tolle Wohnungen zu fairen Preisen, eine lebendige Jugend-Szene.“ Der immer häufiger verwendete Begriff „Hypezig“ treffe dies ganz gut, erklärt Wesseler.

Auch inhaltlich wird sich «Leben. Lieben. Leipzig» am ehesten an den ganz frühen Folgen von «Berlin – Tag & Nacht» orientieren. Würde man alle RTL II-Soaps von filmpool kommend vergleichen (also auch das im Frühjahr getestete «Schwestern» mit einbeziehen) dann stünde die Krankenhaus-Telenovela mit ihrer eher märchenhaften Erzählung auf der einen Seite der Skala, «Berlin – Tag & Nacht» auf der anderen. Und noch weiter entfernt wäre jetzt «Leben. Lieben. Leipzig» zu verorten. „Wir sind mit „LLL“ noch schneller und krasser als mit «BTN», erzählen beinahe absurde Geschichten mit großen Emotionen, kurz: Richtig auf die Zwölf“, verspricht Felix Wesseler. Allein eine bereits in der ersten Episode eingeführte Story sei ein dickes Ding und fast schon Grimme-Preis-verdächtig, erklärt er mit einem Schmunzeln.

Offenbar will filmpool hier eine Lücke schließen, die «Berlin – Tag & Nacht» selbst hinterlassen hat. Die RTL II-Ur-Soap hat sich in den vergangenen Monaten deutlich geändert. Produzentin Marie Hölker hatte den fortlaufenden Prozess selbst erklärt: Neben optischen Veränderungen – nämlich Schnitten innerhalb einer Szene und einer langsameren Erzählweise – wurde auch an der Streitkultur innerhalb der Berliner Serie gearbeitet. „Die einheitliche Streitkultur hingegen haben wir schon aufgebrochen, denn wenn Wut, Kränkung und Verletzung ständig dazu führen, dass Männer oder Frauen andere Frauen als "Bitch" oder "Schlampe" beschimpfen und Männer sich körperlich angehen, dann vermittelt sich das Bild, dass man so auch die eigene Wut adäquat ausdrücken kann, vielleicht sogar ausdrücken muss, um ernstgenommen zu werden. Tatsächlich reagieren Menschen aber ja ganz verschieden auf Kränkungen“, sagte Hölker im Frühjahr.

An Streit werde es den Folgen der Leipzig-Soap nicht mangeln; genauso wenig wie an Charakteren mit Lokal-Kolorit. Janine Pink nimmt ihre aus «Köln 50667» bekannte Rolle Yvonne wieder auf; Pink ist waschechte Leipzigerin, und ebenfalls von „Köln 50667“ kommt der aus dem Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt stammende selbsternannte „Bodymaster“ Kevin alias Danny Liedtke hinzu. „Erzähltechnisch beschreiten wir gleichzeitig Neuland, etwa indem wir die Welt der Bundeswehr thematisieren“, verspricht Wesseler. Natürlich gibt es wieder hippe WGs und lässige Clubs. Gedreht wurde unter anderem im „L1“, quasi dem Pendant zum Berliner „Matrix“, einem „angesagten Laden in Leipzig“ laut Wesseler.

15 Folgen lang haben filmpool und RTL II nun Zeit, die Zuschauer von den neuen Figuren zu überzeugen. Das ist wenig. „Der Start einer Daily-Soap ist immer ein Wagnis, das Zeit erfordert.“ Beim 17-Uhr-Versuch «Schwestern» reichte es nicht. Die Soap erreichte zwar rekordverdächtige Abrufzahlen im Web, landete im klassischen TV aber (zu) deutlich unterhalb der Sendernorm. Startschwierigkeiten bei Dailys – bei Weitem kein neues Phänomen. „Man muss ehrlich sagen: Hätte «Berlin – Tag & Nacht» damals nur drei Wochen gehabt, hätten wir es nicht geschafft“, weiß Wesseler. Die 19-Uhr-Serie legte erst im Laufe des zweiten Monats und selbst da nur zaghaft zu. „Es ist aber nicht unmöglich, auch innerhalb von drei Wochen eine Verbindung zu den Zuschauern aufzubauen“, meint Wesseler. Helfen soll eine besondere Programmierung. Die erste Folge am Montagabend läuft um 20.15 Uhr – also direkt nach «BTN». Danach sind alle Weiteren um 17.10 Uhr zu sehen. Ende November sind die Geschichten erst einmal auserzählt.

Theoretisch könnte filmpool danach sehr schnell für Nachschub sorgen, verspricht Wesseler. Wie lange weitere Folgen im Erfolgsfall auf sich warten lassen, sei letztlich aber auch immer von der Senderstrategie abhängig. Mit «Krass Schule» (RedSeven/Paloma) und der Fitness-Soap «Workout» (Constantin) hat der Kanal für den 17.10-Uhr-Slot weitere Scripted Realitys, die gut performen in der Schublade. „Das sind Sendungen, in denen unsere Mitbewerber mit von uns aufgebauten Gesichtern arbeiten. Oder anders ausgedrückt: Von filmpool lernen, heißt siegen lernen“, meint Wesseler augenzwinkernd.

Insta ist heute sicherlich noch mehr die Plattform, auf der man die jungen Leute findet. Facebook ist zudem deutlich negativer geworden.
Felix Wesseler, Director of Operations bei filmpool
Wie üblich bei Soaps für junge Zuschauer soll die Bindung des Publikums auch über soziale Netzwerke erfolgen. Natürlich sei man selbst bei Facebook vertreten, da dort die Reichweite noch die größte sei. Helfen würden aber auch die Darsteller mit ihren Aktivitäten etwa auf Instagram – viele Schauspieler der bestehenden Formate seien inzwischen selbst Influencer mit gewaltiger Fanbase. „Insta ist heute sicherlich noch mehr die Plattform, auf der man die jungen Leute findet. Facebook ist zudem deutlich negativer geworden“, meint Wesseler. Unter ein und demselben Bild zur Soap «Köln 50667» hätten sich auf Facebook mehrheitlich Diss-Kommentare gefunden, während die Reaktionen bei Instagram ausschließlich positiv gewesen seien. Die Kombination sei entscheidend.

Wie die Reaktionen auf das Leipziger Ensemble ausfallen, wird sich zeigen. Und das recht schnell. Denn die Zeit drängt. Bis Ende November muss die Performance passen.

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