Die Kritiker

«4 Blocks» sind nicht genug

von   |  1 Kommentar

Die Dramaserie «4 Blocks» geht in die zweite Runde. Die Story wird größer, die Schauplätze werden mehr, die Qualität bleibt gleich.

Die Wichtigkeit von Humor, also Comic Reliefs, beispielsweise hatten wir ein wenig unterschätzt. Diese Erkenntnisse haben wir dann schon in unsere Arbeit miteinfließen lassen.
Das Autoren-Team von «4 Blocks»
Starkes Schauspiel, eine packende Story und ein fesselnder, komplexer Blick auf die vertrackten, komplizierten Wirren zwischen Integration, struktureller Ungerechtigkeit, Berliner Subkultur und reiner Freude am Gangstersein: Die erste Staffel von «4 Blocks» war ein Volltreffer und unterstrich noch einmal, welches Schauspielschwergewicht Deutschland in Kida Ramadan gefunden hat, der seit einiger Zeit vollkommen zurecht in einer Spitzen-Kinoproduktion nach der nächsten auftritt. Hinzu kamen weitere Topleistungen von solchen großen Namen wie Oliver Masucci und Frederick Lau und ein einprägsamer, Rap-lastiger Soundtrack. Nun geht die Geschichte weiter – mit Veränderungen, aber ohne Qualitätseinbußen.

Die zweite Staffel von «4 Blocks» zeigt, dass sich seit dem dramatischen Showdown mit den Cthulhu für die Hamadys viel verändert hat. So steht Abbas (Veysel Gelin) derzeit wegen Mordes vor Gericht, während Amara (Almila Bagriacik) mit Latif (Massiv) einen Neuanfang gewagt hat. Und Toni? Toni hat es im Laufe eines Jahres endlich geschafft, erfolgreich ins Immobiliengeschäft einzusteigen. Seine Versuche wiederum, den Einfluss seiner Familie auszubauen, sind nicht nur bislang erfolglos, sie bringen zudem seine Ehe mit Kalila (Maryam Zaree) in Gefahr. Und natürlich haben die einflussreichen al-Saafis noch lange nicht den Kampf um die ultimative Kontrolle Berlins aufgegeben …

Das Berliner Viertel Neukölln macht in den neuen Folgen von «4 Blocks» jedoch auch Platz für weitere Schauplätze: In der zweiten Staffel geht es bis nach Moabit, um die epochale Familiengeschichte mit einer größeren Spannbreite als bislang zu erzählen.

Auch wenn Frederick Laus markante, dennoch einfühlsame Präsenz der zweiten Staffel spürbar fehlt, wiegen die neuen Episoden dies unter anderem dadurch auf, dass die Pärchen in der Serie zärtlicher werden. Abbas und Ewa werden durch ihre Zwangstrennung sensibler in ihrem Umgang miteinander, und Toni bemüht sich darum, sich mit seiner Frau zu versöhnen, was dem wie schon in Season eins umwerfend starken Kida Ramadan die Gelegenheit gibt, seinen Charme aufzudrehen und seine Rolle (zumindest in einem der Handlungsstränge) in einer romantischeren Attitüde anzulegen.

Und auch die Situationskomik haben die Serienmacher in Runde zwei aufgedreht. Das zeigt schon ein früher Schlagabtausch in der Staffelpremiere, wenn Oliver Masucci staubtrocken erläutert, dass Gemüse gesünder als Obst sei, was gerade im Knast wertvolles Wissen darstellen würde. Die schnippischen Sprüche, die sich die Figuren um die Ohren schlagen, sitzen dank des Timings des Ensembles nahezu allesamt – und sind dabei rar genug getaktet, dass diese lockeren Momente nicht den Ernst der Lage schwächen.

«4 Blocks» gewinnt in Runde zwei dem zum Trotz an Dramatik. Allein schon, weil aus Tonis Plan, die Familie aus der Welt des Verbrechens rauszuholen, nichts geworden ist und die Serienmacher es verstehen, die paradoxe Tragik an dieser Entwicklung zu unterstreichen. Sei es durch Musikwahl oder die glanzlose Art und Weise, wie er ins Bild gesetzt wird, wenn er in alter Manier Schachzüge erläutert. Aber auch das Mehr an Schauplätzen und Themen sorgt für eine wachsende Fallhöhe. So geht es nicht nur dank der neu zum Ensemble hinzugestoßenen Rapperin Eunique vermehrt um die Rolle der Frau in Clan-Gefügen. Der Soundtrack doppelt diesen Wachstum der Serie und sorgt durch Tracks von Rapperinnen für Abwechslung in der Klangtapete.

Dessen ungeachtet ist die zweite Staffel, jedenfalls anfangs, nicht ganz so packend erzählt wie die Debütseason der Serie: Das Autoren-Trio, bestehend aus Hanno Hackfort, Bob Konrad und Richard Kropf, begeistert zwar mit der Konstruktion der einzelnen Szenen, der Erzählfluss gerät aber mehrmals leicht ins Stolpern, wenn es darum geht, die zahlreichen Fäden zusammenzubringen.

Jedoch scheint dieser Wechsel von Suspense zu Dramatik zu gewissem Maße Absicht zu sein: Regisseur Marvin Kren, der die erste Season inszenierte, ist dieses Mal als Executive Producer beteiligt und gibt den Regiestuhl an Oliver Hirschbiegel («Der gleiche Himmel») und Özgür Yıldırım («Nur Gott kann mich richten») weiter, also an Verantwortliche, die zwar zweifelsohne auch Spannung zu schaffen verstehen, aber noch größeres Augenmerk auf charaktergetriebene, filmreif in Szene gesetzte Dramatik legen. Weniger Thrill, mehr epische Dramatik – das ist doch ein solider Tausch!

«4 Blocks» ist ab dem 11. Oktober 2018 immer donnerstags um 21 Uhr auf TNT Serie zu sehen.
Der Presse wurden vorab die ersten drei Folgen der zweiten «4 Blocks»-Staffel zur Verfügung gestellt.

Kurz-URL: qmde.de/104325
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dirkberlin
09.10.2018 14:09 Uhr 1
Ist schon bekannt, ob oder wann die Serie im FreeTV mit der zweiten Staffel zu sehen ist?

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