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Sky geht zwar zu Comcast, aber es bleiben viele Fragen offen

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Sky geht nicht an Fox (und somit an Disney), sondern an Universal-Besitzer Comcast. Aber mit dieser Antwort fangen die Fragen erst an.

Ein mediales Tauziehen wurde entschieden: Der US Kabel- und Medienkonzern Comcast wird sich Pay-TV-Anbieter Sky einverleiben. In einem raren Auktionsverfahren bot Comcast 39 Milliarden Dollar für Sky – oder, anders gerechnet, 17,38 Pfund pro Sky-Aktie. 21st Century Fox, das sich derzeit selber in einem Übernahmeverfahren befindet und (weitestgehend) von Disney geschluckt wird, bot 'bloß' 15,67 Pfund pro Sky-Aktie. Aber was bedeutet dies nun?

Zunächst einmal bedeutet es, über Umwegen, eine Schlappe für Disney-CEO Bob Iger. In seiner Amtszeit gelangen ihm diverse Übernahmecoups, seien es die Einverleibung von Pixar, Marvel und Lucasfilm ins Disney-Imperium oder zuletzt der tonnenschwere Fox-Deal. Dass er (via 21st Century Fox) nun einen ins Auge gefassten Kauf nicht erfolgreich tätigen konnte, beweist dem Rest des Mediengeschäfts, dass auch er nicht unbezwingbar ist. In den Worten des MoffettNathanson-Analysten Michael Nathanson, der gegenüber der 'New York Times' über die stetig wachsende Macht Disneys sagt: "Ich bin froh, dass Disney [Sky] nicht bekommen hat."

Nicht, dass das im Umkehrschluss bedeutet, er sähe den Sky-Deal als Erfolg für Comcast an. Denn er fügt hinzu: "Comcast hat einen immens hohen Preis gezahlt – und ich glaube es wird schwer, ihn zu rechtfertigen." Möglicherweise ist die Antwort jedoch ebenso einfach wie irrational: Laut 'Wired' hegt Comcast-Boss Brian Roberts einen persönlichen Groll gegen Disney-CEO Iger, seit letzterer 2003 in letzter Sekunde eine feindliche Übernahme des damals noch deutlich kleineren Disney-Konzerns durch Roberts' Kabelgiganten verhindert hat. Nachdem Roberts den Preis, den Disney für 21st Century Fox bezahlen muss, in die Höhe getrieben hat, ist es jetzt ein weiterer Sieg für Roberts, dass er Iger Sky wegschnappen konnte.

Aber es gibt auch wirtschaftliche Gründe. Sky hat, über das Vereinigte Königreich, Irland, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Spanien und Italien verteilt zirka 23 Millionen laufende Abos. Comcast derweil hat in den USA 22 Millionen Kundinnen und Kunden für seine TV-Kabeldienstleistungen. Außerdem versorgt Comcast in den USA 26 Millionen Menschen mit Internet. Comcast konnte die Kundschaft in seinem Kerngeschäft also quasi verdoppeln.

Zudem gibt Sky seinem Besitzer einen möglichen Geschäftsvorteil gegenüber der Konkurrenz: Da Sky ja keine bloße Infrastruktur bietet, sondern auch eigene Sender, kann Skys Mutterkonzern diese bevorzugt mit eigenen Produkten füllen. Im Falle der Fox/Disney-Übernahme wäre (in der Theorie) die Schlagzahl an Pop-Up-Sendern wie Sky Star Wars HD, Sky Disney Märchen HD oder Sky Alien/Predator HD gestiegen. Comcast, als Mutterkonzern von Universal Pictures, könnte es nun dagegen Sky schmackhaft machen, häufiger Sky Fast & Furious HD und Sky Minions HD als Eventsender zu zeigen.

Unklar ist zudem die Frage, was die Übernahme abseits potentieller, neuer Film-Lizenzpakete für die Sky-Kundschaft bedeutet. Eine populäre These: Bereits als noch unklar war, ob Fox/Disney oder Comcast den Zuschlag erhält, warnten mehrere Wirtschaftsexperten, dass mit einer Abokostenerhöhung zu rechnen ist, weil der neue Sky-Mutterkonzern die Kosten für die Übernahme wieder einholen will. Eine weitere Leerstelle, die es in den kommenden Monaten zu füllen gilt, ist die Frage: Was passiert mit der Sportberichterstattung bei Sky? Lässt Comcast, dessen Sportsender in den USA derzeit in Sachen Reichweite und Wirtschaftserfolg noch hinter Disneys ESPN hinterherhinken, Skys Sportsparte in Ruhe, schaut sich für die USA vielleicht sogar mancherlei ab? Oder wirft Comcast bestehende Parameter um, und nutzt Europa als Testlabor für den unmittelbaren US-Wettstreit mit Disneys an Abstand zur Konkurrenz verlierendem ESPN?

Entsprechende Ansagen, ob in die eine oder andere Richtung, wurden bisher zumindest nicht getätigt. Die größte offene Frage ist aber folgende: Was passiert mit Disneys bereits existierenden Sky-Aktien? Im Zuge der Übernahme von 21st Century Fox erwarb Disney nämlich 39 Prozent der Sky-Aktien, die der Konzern derzeit weiterhin hält, wie die 'New York Times' vermeldet – Comcasts Deal zum Trotz. Disney kann die auf einen Wert von 15 Millionen Dollar geschätzten Papiere an Comcast weiterverkaufen oder an ihnen festhalten. Dann wäre Sky, je nachdem, wie kollegial sich Iger und Roberts künftig geben, entweder ein Kuriosum im Mediengeschäft, wo zwei erbitterte Rivalen eng zusammenarbeiten, oder ein Multi-Milliarden-Dollar-Zankapfel.

Das Tauziehen um Sky ist vielleicht vorbei. Aber das Armdrücken, ein direkte ablaufender und nicht minder erbitterter Wettstreit, könnte jetzt erst beginnen.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
MasterElwood
25.09.2018 09:16 Uhr 1
Sorry - aber es ist KEINE "Schlappe für Disney-CEO Bob Iger". Es ist eine offenes Geheimnis in Hollywood dass es einen Back Door Channel Deal zwischen Disney und CC gibt: CC Erhöht das Angebot um Fox nicht - dafür erhöht Disney das Angebot um Sky nicht.

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