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Moshammer-Satire im Ersten: 'Das ist eine Geschichte, die vom Verkaufen handelt'

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Über ein Jahrzehnt nach seinem Tod wird Rudolph Moshammer ein Fernsehfilm gewidmet. Dieser versteht sich aber nicht als dramatisches Biopic ...

Die Ausstrahlung ...

... von «Der große Rudolph» erfolgt am Mittwoch, den 19. September 2018, ab 20.15 Uhr im Ersten.
Mit «Der große Rudolph» geht Das Erste auf ungewohnte Weise an die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen abseits von Krimis gern getätigte Fernsehfilmaufgabe heran, deutsches Zeitgeschehen abzubilden. Der in den 80er-Jahren spielende Film nimmt sich zwar einer realen Persönlichkeit an, Rudolph Moshammer, behandelt den Modezar allerdings nicht in Form eines weiteren biografischen Dramas, sondern als Mittelpunkt einer Konsumsatire.

Volker Herres, Programmdirektor des Ersten, erläutert, der Film sei nicht dazu da, um Rudolph Moshammer "biografisch abzubilden, sondern um ihn als hervorstechenden Typus auszuleuchten." Herres führt fort: "Und so geht es denn auch nicht um Moshammers gesamtes Leben, sondern nur um einen kleinen Ausschnitt daraus – halb fiktiv, halb real, und – als Satire für uns Zuschauer im Jahr 2018 – in gewisser Weise surreal." Er beschreibt die Filmversion Moshammers derweil so: "Ein Selfmademan, in einer Hassliebe gekettet an seine herrsch- und eifersüchtige Mutter Else, die Hannelore Elsner mit allen Finessen ihres sensiblen Spiels verkörpert, und abhängig von seinen stillen Teilhabern und Finanziers."

Gespielt wird Moshammer von Thomas Schmauser («You Are Wanted»). Dieser sagt über seine Rolle und die reale Person Moshammer: "Der Wunsch, der Drang, sich selbst zu gestalten und zu inszenieren, ist ein zentrales Thema in Moshammers Leben. Diese Sehnsucht hat mich sofort fasziniert, nicht nur aus meiner beruflichen Perspektive als Schauspieler, sondern auch ganz persönlich. Je mehr man zu dem Traum wird, den man von sich selbst hat, desto näher ist man bei sich."

Regisseur und Autor Alexander Adolph, der unter anderem die «Tatort»-Jubiläumsfolge «Taxi nach Leipzig» verantwortete, erklärt, weshalb Moshammer auch 13 Jahre nach seinem Tod einen Film verdient: "Jüngst hat man ihm in der Einkaufspassage am Stachus eine Art Deckenfries gewidmet. Auch taucht Moshammer regelmäßig in den Liedern des Münchner Rappers Felix Krull auf, wie er im Modetext von Elfriede Jelinek vorkam. Und er war ein Bindeglied zwischen der Welt der Reichen und der kleinen Leute." Weiter sagt Adolph: "Der Beweis dafür, dass es jemand, wenn er will, schaffen kann, ganz nach oben zu kommen und seine Wurzeln nicht zu verleugnen. Er hat ja auch sein Geld den Münchner Obdachlosen vermacht. Interessant ist, dass sich – ähnlich wie bei anderen bayerischen Mythen, aber auch schon im «Mann, der Liberty Valance erschoss» beschrieben – die Figur Mosi vom wirklichen Menschen Moshammer drastisch unterschieden hat."

Der Regisseur und Autor hatte übrigens vereinzelte, kurze Begegnungen mit Moshammer. So hat er ihn Ende der 90er-Jahre interviewt. Er rekapituliert: "Da war ich verblüfft darüber, dass er sich einerseits sehr bescheiden, geradezu demütig gab, wenn er erzählte, wie dankbar er sei, wenn Menschen auf der Straße die Tüte mit seiner Aufschrift trügen – andererseits hatte er aber auch immer wieder ein unerwartetes Maß an Aggression in der Stimme. Er war in den 30 Minuten, die er mit mir sprach, sehr schlagfertig, wurde aber auch negativ und pessimistisch." Adolph erklärt: "Er hat mir damals das Ende Amerikas als führende Wirtschaftsnation prophezeit und gesagt: 'Und danach, Herr Adolph, erwischt es Deutschland.'"

Robert Stadlober, der aktuell im brillanten «Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm» im Kino zu sehen ist, spielt in «Der große Rudolph» die Doppelrolle von Konstantin Graf von Antzenberg und Karl-Theodor von Antzenberg und freut sich über die Ehre, gleich zwei Parts übernehmen zu dürfen: "Doppelrollen sind natürlich subjektiv das Größte, was einem Schauspieler passieren kann. Flüstert zumindest die Eitelkeit. Und wenn man dieses dann auch noch zum ersten Mal ausleben darf, neben und mit so großen Kollegen, bei einem so großartigen Sujet, dann ist vieles nicht nur groß, sondern geradezu riesig. Der Respekt, die Angst, die Fallhöhe, vor allem aber: die Freude."

Redakteurin Claudia Simionescu verrät letztlich: "Es hat nach Moshammers Tod immer wieder Anläufe gegeben, sein Leben zu verfilmen – durch das skandalträchtige Ende drängte es sich scheinbar auf. Doch weder für einen Thriller noch für eine biografische Nacherzählung fand sich der angemessene Erzählton. Seiner Person gerecht zu bleiben, ohne voyeuristisch zu werden, schien schwierig zu sein."

Die Lösung sei mit Adolphs Blick auf Moshammer gekommen. "Es brauchte kein Lebenspanorama von der Geburt bis zum Tod und bot stattdessen ein humorvoll bissiges Sittenbild der Münchner Gesellschaft der frühen 80er Jahre", führt Simionescu fort. "Und da mittendrin eine kleine Episode rund um einen ambivalenten Charakter. Eine Gesellschaftssatire schließlich, die ihre Protagonisten ernst nimmt und ihnen mit großer Empathie begegnet. Es gibt unzählige Ereignisse im Leben Moshammers, die hier Pate standen, aber sie alle dienen nicht der Dokumentation seines Lebensweges, sondern ausschließlich der Annäherung an eine schillernde Persönlichkeit – so wie sie vielleicht gewesen sein könnte, denn in Wahrheit kennen wir ja nur Bruchstücke."

Adolph fasst zusammen: "Das ist eine Geschichte, die vom Verkaufen handelt – davon, wie man Kleider verkauft, aber auch sich selbst. Das ist eine Geschichte über Mutter-Sohnesliebe, Freundschaft und Eifersucht. Eine Tragikomödie in Form einer Gesellschaftssatire."

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