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Der Experte, 27. August 2018: Macht der Serien-Hype das Kino kaputt?

von   |  2 Kommentare

Kaum noch was los im örtlichen Kino. Das meint eine Leserin festgestellt zu haben. Täuscht ihr Eindruck oder ist "Daheim" in der Tat das neue Lichtspielhaus geworden?

Nicky: Kann es sein, dass Serien gerade das Kino zerstören? Ich gehe seltener ins Kino als früher und wenn, dann habe ich das Gefühl, dass dort viel weniger los ist?
Hallo! Dein Eindruck täuscht – zumindest, wenn man streng nach allen öffentlichen Statistiken geht. 2017 haben die Kinos in Deutschland einen Umsatz von 1,06 Milliarden Euro erwirtschaftet, 2016 waren es noch 1,02 Milliarden. Somit stieg die Umsatz im Jahresvergleich um etwas mehr als drei Prozent. Richtig ist, dass man mit dem Jahr 2015 nicht mithalten kann, als sogar rund 1,17 Milliarden Euro an Umsatz nur im Bereich der Ticketverkäufe erlöst wurde. Allerdings war 2015 auch das mit Abstand stärkste Jahr der jüngeren Vergangenheit. Auf lange Sicht gesehen ist Kino sogar erfolgreicher als vor zehn Jahren. 2007 etwa lagen die Kinoumsätze bei rund 758 Millionen Euro.

Diese Zahlen geben aber nur begrenzt Aufschluss darüber, wie beliebt das Kino noch ist. Denn: In den vergangenen zehn Jahren sind Kinokarten deutlich teurer geworden. Zahlte man 2007 noch um die sechs Euro, sind inzwischen 8,63 Euro fällig. Laut FFA stieg die Kinopreis seit 2002 sogar um rund 47 Prozent. Also müssen wir konkret auf die Kinobesuche schauen: Die waren 2015 mit rund 139 Millionen auf einen Bestwert gestiegen, mit rund 121 und 122 Millionen lagen die Jahre 2016 und 2017 dann auf einem üblichen Niveau.

Fakt allerdings ist, dass das Kinojahr 2018 bisher recht schleppend verläuft - das müssen wir aber noch vorsichtig betrachten, da noch keine endgültigen Daten vorliegen. Die Verleiher rechnen nämlich wegen einer hohen Blockbuster-Dichte ab Ende August mit noch mindestens 20 Filmen, die die Millionen-Marke knacken und somit die Delle leicht ausbügeln. Dennoch: Ob man die Marke von einer Milliarde heuer wird knacken können, ist fraglich. Im ersten Halbjahr blieb man bei rund 440 Millionen Euro an Umsatz hängen.

Wie hat der Kinomarkt selbst reagiert? Er wirft deutlich mehr Streifen auf den Markt, was in vielen Fällen heißt: Filme laufen deutlich kürzer in den Kinos. 2006 etwa starteten 487 Filme in den deutschen Lichtspielhäusern, 2009 waren es erstmals mehr als 500. 2014 war dieser Wert dann plötzlich auf 570 gestiegen. 587 waren es 2017. Der Rekord mit über 600 Filmen wurde 2016 aufgestellt. In diesem Jahr starteten auch die meisten deutschen Filme des vergangenen Jahrzehnts, nämlich 244.

Entsprechend schwankt auch der Marktanteil der deutschen Filme: 2016 lag er bei knapp 23 Prozent, 2015 bei 27,5 Prozent – dem höchsten Wert dieses Jahrtausends. Grob gesagt gehen über die zurückliegenden Jahre hinweg etwas mehr als ein Fünftel aller Kinobesucher in deutsche Werke. Mit rund 65 Prozent Marktanteil im Jahr 2017 ist Amerika aber weiterhin das unumstrittene Kinoland.

Insofern: Trotz Netflix, trotz Serien und trotz steigender Eintrittspreise: Den Kinos in Deutschland geht es weiterhin gut. Sie verdienen schließlich nicht nur an den Tickets, sondern auch an Lebensmitteln, die vor dem Gang in den Saal gekauft werden. 2017 gab jeder Kinobesucher rund 4,37 Euro dafür aus. Knapp 1200 Filmtheaterunternehmen gibt es derzeit in Deutschland –auch diese Zahl ist seit Jahren stabil.

Allerdings ist eines richtig: Das erste Halbjahr 2018 lief für die deutschen Kinos mit einem Umsatzrückgang von 17 Prozent nicht so gut. Das ist aber kein neues Phänomen, denn auch die ersten Halbjahre 2010 und 2014 taten sich schwer. Die Fußball-WM schmeckt den Kinos einfach nicht. Von daher gaben sich die Kinobetreiber im Sommer optimistisch, was das zweite Halbjahr angeht.

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
27.08.2018 12:16 Uhr 1
Ich hatte zugegebener Maßen auch nicht das Gefühl, daß trotz Netflix und Co das ins Kino Gehen zurück gegangen ist!
Blue7
27.08.2018 13:01 Uhr 2
Würde eher sagen, dass die Preise teurer wurden oder das Kino vernachlässigt wird.

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