Die Kino-Kritiker

«The Equalizer 2» - Die tragische Geschichte eines Helden wider Willen

von   |  1 Kommentar

Schon im ersten Teil des erfolgreichen Denzel-Washington-Vehikels «The Equalizer» steckte eine allgegenwärtige Melancholie. Für die Fortsetzung «The Equalizer 2» arbeitet Regisseur Antoine Fuqua diese nun noch mehr heraus und erzählt in erster Linie eine Geschichte über einen traurigen alten Mann.

Filmfacts: «The Equalizer 2»

  • Start: 16. August 2018
  • Genre: Thriller
  • Laufzeit: 121 Min.
  • FSK: 16
  • Kamera: Oliver Wood
  • Musik: Harry Gregson-Williams
  • Buch: Richard Wenk
  • Regie: Antoine Fuqua
  • Darsteller: Denzel Washington, Pedro Pascal, Ashton Sanders, Melissa Leo, Sakina Jaffreay, Bill Pullmann, Orson Bean
  • OT: The Equalizer 2 (USA 2018)
Regisseur und Produzent Antoine Fuqua hat sich mit Genrestücken wie «Training Day» und «Shooter» früh einen Namen als Inszenator brachialer Action gemacht. In den vergangenen Jahren kamen mit «The Equalizer», «Southpaw» und «Die glorreichen Sieben» noch weitere Filme dieser Couleur dazu, anhand derer sich nach und nach ein weiteres Qualitätsmerkmal moderner Fuqua-Arbeiten abzeichnete: Der gebürtig aus Pittsburgh stammende Filmemacher mischt unter handelsüblich inszenierte Shooutouts und Fights eine gehörige Prise Melancholie und Traurigkeit; oftmals maßgeblich beeinflusst vom Schicksal der in den Filmen im Mittelpunkt stehenden Figuren. Schon der erste «The Equalizer»-Film, der national wie international vorwiegend als reiner Actionthriller vermarktet wurde, besaß diese Anleihen, machte aber in letzter Instanz zu wenig daraus.

Das ist im Falle der Fortsetzung anders. In den Trailern liegt der Fokus zwar immer noch auf einem um sich schießenden Denzel Washington, der auf möglichst effektive Weise versucht, so viele Widersacher wie möglich auszuschalten. Aber im Film an sich werden diese Szenen (mit Ausnahme des sehr üppig inszenierten Mann-gegen-Mann-Finals) auf ein Minimum reduziert und das Ergebnis ist in erster Linie ein düsteres Charakterdrama mit wohl dosiertem Actiontopping.

Es wird persönlich


Der sich ursprünglich längst zur Ruhe gesetzte Regierungsagent Robert McCall (Denzel Washington) hat sich von seinem Rentnerdasein losgesagt, um weiterhin mit unbeirrbarer Entschlossenheit für Gerechtigkeit zu kämpfen. In sein Visier geraten die Ausgebeuteten und Unterdrückten, die sich nicht alleine zu helfen wissen. Dafür reist der in seiner Freizeit als Uber-Fahrer tätige Robert auch schon mal in die Türkei, um ein entführtes Mädchen aus den Händen mieser Verbrecher zu befreien. Zurück in den USA wird ein Fall dann plötzlich sehr persönlich: Roberts beste Freundin und ehemalige Kollegin Susan (Melissa Leo) wird brutal ermordet. Offenbar war sie einer großen, internen Verschwörung auf der Spur. Während sich Robert gemeinsam mit dem Agenten Dave York (Pedro Pascal) an die Aufklärung des Falles macht, hat er ganz nebenbei ein Auge auf den Nachbarsjungen Miles (Ashton Sanders) geworfen, den er um alles in der Welt davon abhalten möchte, auf die schiefe Bahn zu geraten…

Mehr denn je geht es in «The Equalizer 2» um einen einsamen, alten Rentner, der auf seine alten Tage irgendwie versucht, noch ein klein wenig Sinn in seine nichtige und von ihm selbst sogar bisweilen verhasste Existenz zu bringen. Das macht «The Equalizer 2» zu einem deutlich ambitionierteren Film, als den zweifelsohne soliden ersten Teil. Vielleicht ist diese Schwerpunktverlagerung auch der Grund dafür, weshalb der mehrfache Oscar-Nominee Denzel Washington («Fences») mit «The Equalizer 2» seinen Einstand als Franchise-Schauspieler feiert; der Thriller ist die erste Fortsetzung seiner Karriere. Beide Filmteile könnten nicht unterschiedlicher sein. Auf das ganz große Geballer in Teil eins folgt hier die ernsthafte Auseinandersetzung damit, was passiert, wenn es nun mal zum Job eines Jemanden gehört, regelmäßig Blutbäder anzurichten.

Die Action an sich besitzt zwar ordentlich Wumms und Fuqua achtet darauf, das R-Rating so gut es geht auszukosten, wer allerdings ausschließlich ihretwegen ins Kino geht, der dürfte sich bis zum im besten Sinne elegischen Finale, in dem sich McCall und sein letzter übrig gebliebener Widersacher vor der Kulisse eines gewaltigen Sturms bis aufs Blut bekämpfen, schlichtweg langweilen.

Mehr Charakterdrama als Actionfilm


In «The Equalizer 2» dominieren lange Zeit die Dialoge. Und die haben dann auch nicht immer zwingend etwas mit McCalls Arbeit als stummer Rächer zu tun. Das Skript von Richard Wenk («Jack Reacher: Kein Weg zurück») konzentriert sich ganz auf das private Umfeld und den Gemütszustand seiner Hauptfigur. Nur sehr vereinzelt wird das Charakterdrama hier um einige beinhart inszenierte Kampfsequenzen ergänzt. In einem Jahr, in dem mit «Mission: Impossible – Fallout» einer der besten Actionthriller der vergangenen Dekaden in die Kinos kommt, haben es zwangsläufig sämtliche konkurrierende Produktionen schwer, auf handwerklich ähnlichem Niveau zu überzeugen. So wird der Unterschied zwischen einem Film wie «MI6» und «The Equalizer 2» bereits in der Auftaktszene deutlich: Als sich Robert McCall in einem Zug einen kurzen, aber effektiven Nahkampf mit einem Widersacher liefert, erkennt man als Ergebnis aus einer hektischen Kameraarbeit und eines grobmotorischen Schnitts so gut wie nichts.



Das ändert sich glücklicherweise im weiteren Verlauf des Films und erweist sich schon bald ohnehin eher als Randnotiz. Vor allem das Finale zehrt von seiner ungewöhnlichen Kulisse und dem weitgehenden Verzicht auf Computereffekte. Deutlich spannender ist aber ohnehin all das, was in «The Equalizer 2» auf der psychologischen Ebene passiert. Und das ist für einen Film, der sich als plumper Actionfilm verkauft, wirklich eine ganze Menge.

Bei dem mittlerweile 63-jährigen Denzel Washington treten mittlerweile merklich Ermüdungserscheinungen im Nahkampf ein, was sich durch den hektischen Schnitt durch Conrad Buff («American Assassin») immerhin halbwegs kaschieren lässt. Die Rolle des tragischen Helden, der von seiner ganz speziellen Art, für Recht und Ordnung zu sorgen, selbst mehr als angewidert ist, ist dem gebürtigen New Yorker trotzdem (oder gerade deswegen) nach wie vor auf den Leib geschrieben. Seine betont liebenswürdige Interaktion mit seinem Umfeld – etwa mit dem von ihm unter seine Fittiche genommenen Miles (Ashton Sanders) – steht im direkten Kontrast zu seiner kompromisslosen Art, Leute auszumerzen. Immer wieder lässt sein Robert McCall tiefes Bereuen und schonungslose Selbstkritik erkennen. Das ist in ausformulierter Dialogform zwar nicht immer subtil. Insbesondere der Subplot rund um Miles geht von Anfang an in eine sehr deutliche Richtung, ist im Kontext aber glaubwürdig – dass Robert Menschen davon abhalten möchte, so wie er auf die schiefe Bahn zu geraten, ist in seinem Nachdruck ganz einfach nachzuvollziehen.

Trotzdem existieren in «The Equalizer 2» auch einige billige Momente des Foreshadowings und wer im Verlaufe des Films irgendwann von der guten zur bösen Seite wechselt, lässt sich oftmals schon anhand des Castings vorab erahnen. Das gibt zwar Abzüge auf dem Gebiet der erzählerischen Innovation, fällt aber nicht so sehr ins Gewicht, dass die unbestreitbaren Stärken des Films dadurch in den Hintergrund rücken würden. So jedenfalls darf es gut und gern einen dritten Teil rund um Denzel Washington als Equalizer geben.

Fazit


Der insgesamt sehr solide inszenierte «The Equalizer 2» ist weniger Actionkracher denn vielmehr melancholische Charakterstudie über einen Mann, der gegen seinen Willen zum Killer mutiert. Denzel Washington als nachdenklicher Rächer bleibt dafür weiterhin die Idealbesetzung.

«The Equalizer 2» ist ab dem 16. August bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Sentinel2003
15.08.2018 15:49 Uhr 1
Das liest sich so, als würde es viel weniger Action geben, als in Teil 1....

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