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Hier kommt Saul: So könnten «Better Call Saul» und «Breaking Bad» verschmelzen

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Diese Woche startete die vierte Staffel des «Breaking Bad»-Spin-Offs «Better Call Saul», die zeitlich mit ihrem Mutterformat verschmelzen soll. Was dürfen Fans in Staffel vier erwarten? Vorsicht, Spoiler!

«Breaking Bad» gelang etwas, was vielen sogenannten Qualitätsserien vorenthalten blieb. Die AMC-Serie um den zum Drogenbaron gewordenen, totkranken Familienvater entwickelte sich innerhalb ihres Runs nicht nur zum Quotenhit und zu einem von Kritikern gefeierten Format, sondern schaffte nach fünf Staffeln auch rechtzeitig den Absprung, um als inhaltlich stimmiges Gesamtwerk ohne nennenswerte Tiefen in die Serienhistorie einzugehen. Zweifelsohne hätten sich viele Fans des Vince-Gilligan-Formats aber auch gewünscht, die Drama-Serie hätte noch die ein oder andere Staffel erlebt, schließlich beherbergte sie einige interessante Figuren, deren Beobachtung sich sicher gelohnt hätte.

Der «Breaking Bad»-Ersatz, den sich viele nicht wünschten


Besagte Hoffnungen erfüllten sich im Rahmen von «Better Call Saul» – zumindest teilweise. Das Spin-Off zu «Breaking Bad» erzählt seit 2015 zwar die Vorgeschichte des aalglatten Anwalts Saul Goodman, der im Walter-White-Epos zum Publikumsliebling avancierte, als richtiger «Breaking Bad»-Ersatz konnte die Serie, die diese Woche in ihre vierte Staffel bei AMC startete und je einen Tag nach Erstausstrahlung hierzulande bei Netflix erscheint jedoch nicht gesehen werden. Zu groß waren die inhaltlichen und tonalen Unterschiede zwischen Ableger und Mutterformat, weshalb «Better Call Saul» in Deutschland auch nie ansatzweise die Popularität erfuhr, die «Breaking Bad» einst genoss und immer noch genießt. «Better Call Saul» war von Anfang an ruhiger, langsamer, lustiger und narrativ lockerer, fast anekdotenhaft.

Doch das könnte sich bald ändern, denn als im Sommer eine Neuigkeit ihre Runde machte, wurden viele «Breaking Bad»-Fans hellhörig. Vince Gilligan, Schöpfer beider Formate, bestätigte, dass «Better Call Saul» und «Breaking Bad» in Staffel vier zeitlich verschmelzen würden, was die Augen vieler «Breaking Bad»-Fans schnell ganz groß werden ließ. «Better Call Saul», dessen erste Staffel etwa im Jahr 2000 spielen soll, rückt damit in die Zeitebene von «Breaking Bad» vor, dessen Geschehnisse etwa zwischen 2008 und 2010 ablaufen. Am Ende der vierten Staffel, das verriet auch Hauptdarsteller und Produzent Bob Odenkirk, sollen die Handlungsstränge um die altbekannten «Breaking Bad»-Figuren auch in «Better Call Saul» aufs Engste verknüpft sein. Unterdessen ergänzte Gilligan, «Better Call Saul» werde deutlich düsterer. Worauf dürfen sich Fans von «Breaking Bad», die auf ein kleines Revival des Mutterformats hoffen, also gefasst machen?

Wie werden «Better Call Saul» und «Breaking Bad» verschmelzen?


Um diese Frage zu beantworten, muss zunächst rekapituliert werden, inwiefern sich bislang überhaupt Parallelen zwischen «Better Call Saul» und «Breaking Bad» offenbarten. Die Staffeln eins bis drei handelten vom windigen Trickbetrüger Jimmy McGill, der im Laufe der Zeit seinem Bruder, dem angesehenen Anwalt Chuck, nacheifert und ebenfalls Anwalt wird. Dabei gestaltet sich das Verhältnis zu seinem Bruder stets kompliziert, denn dieser stellt in Frage, ob Jimmy, der seine unlauteren Methoden immer mehr für seinen neuen Job nutzbar macht, mit seiner kriminellen Vorgeschichte wirklich dem Recht dienen sollte. In Staffel drei wuchs «Better Call Saul» schließlich regelrecht zum Brüder-Drama aus, womit sich das Spin-Off inhaltlich immer weiter von seiner Vorlage entfernte, damit qualitativ aber alles richtig machte. Staffel drei stellte eines der Highlights des vergangenen Fernsehjahrs dar.

Dennoch ließ «Better Call Saul» nie einen Zweifel daran, in der Walter-White-Welt zu spielen, auch weil neben Jimmy McGill, der im Format erst noch zu Saul Goodman werden muss, weitere aus «Breaking Bad» bekannte Figuren in Erscheinung treten. Diese agierten insbesondere in den Handlungssträngen um Mike Ehrmantraut, dessen Vorgeschichte «Better Call Saul» ebenfalls detailliert erzählt. Man kann bei Ehrmantraut fast schon von einem zweiten Hauptdarsteller im Rahmen von «Better Call Saul» sprechen. Der ehemalige Polizist aus Philadelphia arbeitet im Ableger noch als Parkplatzwächter am Gericht in Albuquerque, wo ihm ein ums andere Mal Jimmy über den Weg läuft. Mikes Nebenjob als Bodyguard weckt jedoch bald die Aufmerksamkeit von Nacho, einem wichtigen Mitglied des Salamanca-Kartells, auf dessen Gehaltsliste bis zum Ende der dritten Staffel steht.

Facts zu «Better Call Saul»

  • Genre: Crime-Drama, Comedy, Tragödie, Rechts-Drama
  • Schöpfer: Vince Gilligan & Peter Gould
  • Darsteller: Bob Odenkirk, Jonathan Banks, Rhea Seehorn, Patrick Fabian, Michael Mando u.w.
  • Episodenzahl (Stand 11. August 2018): 31 (4 Staffeln)
  • Weltpremiere: 8. Februar 2015 (AMC)
  • Deutschlandpremiere: 9. Februar 2015 (Netflix)
  • Awards: 21 (drei Golden Globe- und 23 Emmy-Nominierungen)
Besonders in diesem Rahmen treten Charaktere auf, die Zuschauer schon aus «Breaking Bad» kennen. Im Mutterformat, das rund acht Jahre später spielt als der Start von «Better Call Saul», fungiert Nacho als rechte Hand des Kartellbosses Tuco Salamanca, dem Erben von Hector Salamanca, der in «Breaking Bad» aufgrund seines Alters schon an schweren Gebrechen leidet, in «Better Call Saul» aber bis zum Ende der dritten Staffel noch seine ganze Boshaftigkeit entfaltet. Mike stieg bis zum Beginn von «Breaking Bad» wiederum zum Sicherheits-Chef, Auftragsmörder und letztlich der rechten Hand von Gustavo Fring auf, dem Kopf eines weiteren Meth-Kartells, der im Verlauf von «Breaking Bad» die Zügel des Salamanca-Kartells übernehmen und Walter White für die Herstellung von Drogen engagieren wird.

Platz für mehr Thrill, Crime - und Walter White


Die Annäherung an «Breaking Bad» wird sich insbesondere im Rahmen der Charaktere im Umfeld der Drogenkartelle vollziehen, womit davon auszugehen ist, dass sich «Better Call Saul» tonal weg vom Drama und hin zum Genremix aus Crime-Drama und Thriller nach Vorbild von «Breaking Bad» entwickeln könnte. Der plötzliche Tod von Jimmys Bruder Chuck in der gerade erschienenen Premiere der dritten Staffel beendet den Handlungsstrang zwischen den beiden Geschwistern und schafft Raum für die Serie, inhaltlich neue Wege zu gehen. Dieser tragische Verlust könnte letztlich Jimmy McGills Wandel zu Saul Goodman initiieren. Zwar handelte es sich beim frühen Jimmy McGill bereits um einen Trickbetrüger, der skrupellos Menschen übers Ohrs haute, im Rahmen seiner Anwaltstätigkeit sucht sich Jimmy jedoch zunächst Fälle, in deren Rahmen er sich bewusst auf die aus ethischer Sicht richtige Seite stellt. Übertrat er doch einmal wieder die Grenzen, plagten ihn in den Staffeln eins und zwei Schuld- und Reuegefühle. Ein erster gradueller Wandel vollzog sich im Rahmen der dritten Staffel, in der er gegenüber seinem eigenen Bruder kaum Gnade zeigte. Saul Goodman lässt später jeden Skrupel vermissen. Auf diesen Punkt wird sich Jimmy nun also jetzt unaufhaltsam zubewegen.

Wichtig ist der Umstand, dass Saul Goodman in «Breaking Bad» die Person war, die den Kontakt zwischen Gus Fring und Walter White herstellte. Dass Goodman bzw. Jimmy McGill und Fring schon bald zusammentreffen werden, steht damit im Grunde bereits fest. Ihre Verbindung wird wiederum höchstwahrscheinlich durch die Bekanntschaft zwischen Jimmy und Mike zu Stande kommen, der sich bereits im Umfeld des Salamanca-Kartells bewegt, innerhalb dessen es in der vierten Staffel von «Better Call Saul» nach dem Zusammenbruch von Hector Salamanca wohl allmählich einen Machtwechsel geben wird, der durch die Pläne von Gus und Nacho zu Stande kommt. Erst gegen Ende der zweiten Staffel erscheinen in «Breaking Bad» Gus und Mike auf der Bildfläche.

Letztlich sehnen sich Fans von «Breaking Bad» aber natürlich nach einem Gesicht: dem von Walter White. Dass Bryan Cranston seine ikonische Rolle noch im Rahmen der vierten «Better Call Saul»-Staffel wieder aufnehmen wird, scheint rein aus zeitlicher Sicht unwahrscheinlich, weil im Umfeld des Drogenkartells erst noch einige Dinge passieren müssen. Dass White und sein Kollege Jesse Pinkman irgendwann im Ableger auftreten werden, gilt jedoch bereits als bestätigt.

Was wird Staffel vier von «Better Call Saul» also unterm Strich bringen? Vieles spricht dafür, dass es genau das sein wird, was sich viele Fans vom Ableger erhofften, nämlich eine immer größere inhaltliche und tonale Nähe zum Mutterformat. Vor den Zuschauern des Spin-Offs liegt Jimmy McGills voranschreitende Transformation in den mit allen Wassern gewaschenen Anwalt Saul Goodman, der im weiteren Verlauf immer mehr Kontakte zum Kartell der Salamancas unterhalten und dessen Drahtzieher über Mike Ehrmantraut kennenlernen wird.

Doch vieles deutet daraufhin, dass sich Fans gedulden müssen, bis «Better Call Saul» wirklich die Gestalt von «Breaking Bad» annehmen wird. Ende der vierten Staffel werden wohl die Fäden beider Formate zusammenlaufen. Das eigentliche «Breaking Bad»-Revival könnte dann ab der bereits bestätigten fünften Staffel folgen. Und schließlich Sauls Wandel zum emotional komplett gebrochenen Gene, der als Backereiverkäufer - das legte der Beginn der vierten Staffel nahe - nach den Ereignissen von «Breaking Bad» eine dritte Identität des Anwalts darstellen wird und in schwarz-weiß Flash-Forwards bislang jede Staffel einleitete.

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