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«10 vor 11» ist Geschichte: Wer bringt jetzt Kultur?

von   |  4 Kommentare

Seit 30 Jahren müssen die privaten TV-Sender Sendeplätze für unabhängige Produktionsfirmen freimachen. Ist die neue Generation von Programmen wirklich meinungsstark?

Vor rund 30 Jahren beschlossen die Politiker, dass die „neuen“ Medien, die damals noch RTLplus und Sat.1 hießen, stärker kontrolliert werden sollten. Binnen vier Jahren wuchsen nämlich deren Gesamtmarktanteile von 1,9 auf 20,5 Prozent. Deshalb wurde nach der Wiedervereinigung eine Änderung des „Staatsvertrag über den Rundfunk im vereinten Deutschland“ geschlossen. Kurzum wollte die SPD- und CDU-Politiker eine Meinungsmacht verhindern.

Alexander Kluge gründete die DCTP, die für Development Company for Television Program steht, und gehörte schon vorher zu einem Konsortium, die seit 1985 an Sat.1 beteiligt war. In den vergangenen Jahrzehnten setzte sich sein Unternehmen gegen die Mitbewerber bei den Drittsendelizenzen durch. Kluge, selbst Filmemacher, Produzent, Schriftsteller und promovierter Jurist, war aus dem Nachtprogrammen von RTL und Sat.1 nicht wegzudenken – bis vor wenigen Wochen.



Sein Magazin «10 vor 11», das zwischen 2. Mai 1988 und 26. Juni 2018 bei RTL gezeigt wurde, ist mit einer 90-minütigen Sendung eingestellt worden. Bereits im Frühjahr 2017 traf es «News and Stories», das das von 1988 an fast 30 Jahre lang eine Heimat in Sat.1 hatte. Noch im Jahr 1992 wurde Kluge mit dem Adolf-Grimme-Preis geehrt, doch «10 vor 11» schien in der Zeit stecken geblieben zu sein. Das Kulturmagazin «10 vor 11» wirkte zuletzt wie ein unambitioniertes Projekt eines ländlichen Mini-Privatsenders. Mit nur einer Kameraperspektive und Musik-Texttafeln machte sich Kluge nur wenig Freunde. Oftmals wurde die Sendung auch mitten im Interview beendet.

Kluges Magazine waren inhaltlich gut, aber aus der Zeit gefallen. Allerdings sind die anderen Drittsendeformate von Sendereigenproduktionen nicht zu unterscheiden. Das relativ junge Sat.1-Magazin «Grenzenlos» ist eine schöne Werbesendung für Orte in Europa, aber wirtschaftliche oder politische Informationen zu den Regionen fehlen völlig. Bei RTL soll «Life» am Samstagvorabend punkten – klingt aber eher wie eine Mischung aus «taff» und «Explosiv». Auch «Weck Up», das Jahre lang in Sat.1 lief, hat nicht gerade zur Meinungsvielfalt beigetragen.



Good Times, das in dieser Woche 20 Jahre wurde, darf mit «Dinner Party» eine der beliebten Lizenzen füllen. Die Themen hören sich allerdings nicht wirklich kulturell an: „Frauen und die Bälle“, „Wie viel Luxus braucht das Leben“, „Der heiße Scheiß“ und Oliver Pocher lädt Mitte des Monats zur dritten Überraschungsgäste-Sendung ein. Zur Verteidigung: Nett ist die Sendung dennoch. Aber einen Grimme-Preis wird das Team um Oliver Pocher nicht bekommen.



Seit 30 Jahren sendet «Spiegel TV» bei RTL. Der Sender ist froh, dass das Format am Sonntagabend verschwindet und künftig am späten Montagabend gezeigt wird. Der Hybride aus Kultur-, Politik- und Gesellschaftsthemen darf noch weiter senden. Dennoch: Die unterschiedlichen Politprogramme von ARD und ZDF tragen mehr zur Meinungsbildung bei als die privaten Sender. Das zeigt sich auch an den Quoten. Während die meinungsstarken Sendungen kaum gesehen werden, verweilen die Zuschauer lieber bei Filmen, Serien und Sport.

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Es gibt 4 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
06.07.2018 11:41 Uhr 1
Ich habe mich immer gewundert, wie so ein Magazin wie 10 vor 11, so altertümlich, überhaupt überleben konnte....
Vittel
06.07.2018 15:45 Uhr 2
Ich frage mich das beim gesamten Sender ;)
Sentinel2003
06.07.2018 16:51 Uhr 3
Jepp, oder so....;-)
Familie Tschiep
06.07.2018 17:07 Uhr 4
Bei den Kluge-Formaten wusste man nicht, ob es jetzt ernst gemeint war oder ein großer Joke.

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